Die neuen Photovoltaik-Einspeisetarife in Österreich

Lesedauer: 4 Minuten

Die PV-Hacker sind da! So titelten die Tageszeitungen in der letzten Woche, als wiedermal das Chaos in der Vergabestelle OeMag ausbrach. Das einzig positive, dass ich der Hackerattacke abgewinnen konnte ist der Umstand, dass nun zumindest die Zeitungen mal wieder einen Grund haben, über die PV zu schreiben. Ist halt ein wenig traurig, wenn nur solche Nachrichten einen Nachrichtenwert haben. Ich widme mich hier meiner jährlichen Übersicht über die Tarife, die dieses Jahr am 23. Dezember veröffentlicht wurden, in der Hoffnung, dass die Aufregung dadurch im Weihnachtsstress untergeht.  Ich glaube das ist gelungen. Die überaus frühzeitige Veröffentlichung aus 2012 die bereits im September statt fand, war dieses Jahr anscheinend nicht möglich. Über die Feiertage gab es dann einige Spekulationen was die Neuerungen nun im Detail bedeuten. Ich werde hier wieder mein Verständnis der Dinge aufschreiben und falls ich etwas falsch verstanden habe, bitte ich um Info im Kommentarfeld.

Ein Kahlschlag dafür erstmals verständlich darzustellen

Einspeisetarife-2014-Österreich-Phtovoltaik1 Kopie

Photovoltaik Einspeisetarife Österreich 2014, Quelle: PV-Austria, Grafik: Dachgold

Hier die Tarife in einer vereinfachten Übersicht. Die Details zu den einzelnen Tarifen stehen auf der Seite der PV-Austria. Mir ist es wichtig, dass man einen groben Überblick bekommt. Ich lasse die Tarife erstmal so stehen und lasse sie euch selbst bewerten. Zwei Mal nachfragen musste ich selbst bei dem Thema gebäudeintegrierte Anlagen die jetzt mit 18ct/kWh vergütet werden und demnach den höchsten Tarif bekommen. Laut PV-Austria werden diesen Tarif aber auch nur wenige Anlagen bekommen, da der Großteil des dafür vorgesehenen Topfes dieses Jahr in Windenergie fließen wird. Trotzdem könnte man sein Glück in diesem Bereich versuchen, wenn man noch in der Planungsphase ist. Die anderen acht Millionen werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit am 16. Jänner vergriffen sein.

Für mich offen ist noch, ob es bei den Aufdachanlagen auch eine Begrenzung nach oben gibt? Bei den Freiflächen wurde der Deckel überraschenderweise bei 350 kWp gelegt, was viele schon teuer entwickelte Projekte in eine Notlage bringen wird. Die Details könnten eigentlich egal sein, weil das Spiel für heuer schon gelaufen ist. Da die Tarife auch für 2015 gelten sollen, würde ich es doch gerne wissen.

Der Investitionszuschuss ist sicher auch eine österreichische Besonderheit. Diese soll Anreize geben günstiger bauen zu können und durch den niedrigeren Tarif den Eigenverbrauch anzukurbeln. Prinzipiell nicht unschlau, weil gerade Anlagen mit hohem Eigenverbrauch das Förderbudget am wenigsten belasten. Ich frage mich aber wie das administriert wird (siehe auch Anmerkung unten).

Wie viele Anlagen können mit diesem Volumen gebaut werden?

Obwohl es grundsätzlich so ist, dass bei einem geringeren Tarif natürlich mehr Anlagen gebaut werden können, sieht es heuer leider sehr mau aus, da eben der wirklich große Topf des Netzparitätstarifes heuer anscheinend wegfällt und nur mehr die 8 Millionen aus dem regulären Topf übrig sind. Wenn ich einen Marktpreis von 5ct/kWh annehme und dann eben 5 bzw. 7,5 ct/kWh aus dem Fördertopf können entweder 160 Mio. kWh Freiflächenanlagen oder 106 Mio. kWh Aufdachanlagen gefördert werden. Bei einem spezifischen Ertrag von 1000 kWh/kWp sind das 160 MWp bzw. 106 MWp. Das Rekordjahr von 200 MWp inkl. KLIEN Förderung wird nur schwer zu übertreffen sein, es sei denn die Branche kann schon jetzt viele Anlagen auch ohne Förderung bauen. Das ist in spezifischen Fällen schon möglich, die Informationsvermittlung wie dies auszusehen hat, ist aber derzeit noch schwierig um hier ganz große Volumina zu erwarten. Der Verband fordert deshalb eine endgültige Aufhebung des Deckels und eine Vorziehung der Mittel damit der Markt bis 2018 völlig ohne Förderung auskommt.

Wie geht man mit Überschusseinspeisern um?

Was ich mich frage ist wie damit umgegangen wird, wenn manche Betreiber nicht mehr den ganzen Strom einspeisen und daher auch nicht alle Fördermittel abholen. Hier sollte es unbedingt einen Bonus geben. Man stelle sich vor hier würde jede Anlage 50% Eigenverbrauch anstreben, dann könnte man mit dem selben Geld doppelt so viele Anlagen fördern und das System wäre insgesamt nachhaltiger, weil die Anlagen schon so dimensioniert würden, dass der Eigenverbrauch möglichst hoch ist und auch die Netzthematik besser gelöst ist.

Soviel zu den ersten Infos. Falls ich etwas falsch verstanden habe. Bitte einfach im Kommentarfeld posten, ich ändere es dann.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

2 Comments

  1. Aus obigem Diagramm entnehme ich, dass der Einspeisetarif für Gebäudeintegrierte Anlagen 18 C/KWh beträgt. Wo bekomme ich die?
    Habe 17 KWP in 2014 in Betrieb genommen. VKW und ÖMAG haben mich zu einem Einspeisevertrag gezwungen mit 8 C/KWH für die ersten 4000 KWH daüber hinaus 4 C/KWH. Dafür muß ich Ökostrom von der VKW zu normalen Tarifen beziehen. Damit wird jede PV Anlage zur finanziellen Farce.

  2. Hallo Herr Länge,

    wer hat Sie da beim Kauf beraten? Die 2014er Tarife waren dieses Jahr im Jänner schon „ausverkauft“. Das weiß aber auch jeder Anlagenbauer und müsste Sie auf eine Anlage mit möglichst hohem Eigenverbrauch beraten.

    Oder haben Sie wirklich eine „echte“ gebäudeintegrierte? Also nicht AUF dem Dach sonder IM Dach? Diese Tarife waren nicht so schnell weg aber da ist eh die Oemag die richtige Stelle. Haben Sie damals im Jänner einen Antrag gestellt?

    Die neuen Tarife werden am 7. Jänner wieder ausgeschrieben, gelten aber nicht für bestehende Anlagen und werden auch wieder binnen Millisekunden weg sein. Die Österreichische PV-Landschaft ist leider nicht einfach zu durchblicken und es tut mir leid, dass sie da anscheinend so falsch beraten wurden.

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