Der chinesische Regengott

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Aufgrund des starken Wirtschaftswachstums, der intensiven Industrieproduktion, des steigenden Verkehrs und der Energieerzeugung mittels Kohlekraftwerken leiden die meisten chinesischen Großstädte seit Jahren unter massiver Luftverschmutzung. Die von der Weltgesundheits-Organisation WHO empfohlenen Werte von 10 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter (der EU-Grenzwert liegt bei 25 Mikrogramm) werden zum Teil bis zum 30 bis 50fachen überschritten. Die US-Botschaft in Peking hat vor einiger Zeit begonnen, eigene Luftgüte-Messungen zu erheben und zu veröffentlichen. „Überraschender Weise“ fallen diese wesentlich höher aus als die offiziellen Chinesischen. In manchen Metropolen ist die Sicht auf den freien Himmel inzwischen eine Seltenheit geworden, die Krebs- und Atemwegserkrankungen übersteigen den Landesschnitt signifikant. Heuer im Sommer verkündete die chinesische Regierung, in den kommenden fünf Jahren mehr als 200 Milliarden Euro aufzubieten, um dem Problem Herr zu werden.

Die „Lösung“

Eine der Maßnahmen der China Meteorological Administration, neben Investitionen in Filter für Industrieanlagen, Elektroautos und erneuerbare Energien, ist die Beseitigung von Smog durch künstlichen Regen. Mit versprühtem Silberjodid sollen Wolken gezielt zum „Abregnen“ gebracht werden und dabei die Luftverschmutzungen mit „auswaschen“.

Anwendungen

Die Methode wurde schon während der olympischen Spiele 2008 erfolgreich eingesetzt. Damals allerdings, um Wolken vor Peking zum Regnen zu bringen, damit die Sportveranstaltungen verschont bleiben. Nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl ließen die russische Behörden ebenso künstlichen Regen erzeugen, um die Ausbreitung der Radioaktivität einzudämmen. Und auch in Österreich wird Silberjodid seit 1980 zur Hagelabwehr eingesetzt.

Hintergrund

Die Idee dahinter ist, in Wolken künstliche Kondensationskerne zu schaffen, an denen Wasserdampf kondensiert und dann zu Boden fällt, bevor sich überhaupt Hagelkörner oder zumindest größere Hagelkörner bilden. Laut Langzeitstudien der Universitäten Graz und Stuttgart sind die verwendeten Mengen an Silberjodid so gering, dass sie sich nicht im Grundwasser nachweisen lassen und keine Schädigung für Mensch, Tier und Boden bewirken. Im Vergleich zu den Mengen an Düngemitteln und Pestiziden sei das Silberjodid vernachlässigbar. Die Substanz Silberjodid wird verwendet, weil es als Salz Wasser anzieht und sich leicht verteilen lässt. Andere Salze, wie Kochsalz oder Bleiacetat, sind für die Hagelabwehr ungeeignet, weil sie Böden, Flora und Fauna vergiften würden.

Hybris

Künstlichen Regen zur Hagelabwehr lass ich mir noch einreden, weil die Eingriffe relativ kleinräumig sind, Hagelschäden für die Landwirtschaft tatsächlich verheerend sein können und die Folgen für Umwelt, Böden und Grundwasser anscheinend nicht ins Gewicht zu fallen scheinen. Ansonsten halte ich das mechanistische Weltbild, das hinter derartigen Interventionen für äußerst problematisch. Die Systeme, die wir zwar nicht verstehen, in die wir dafür aber umso motivierter eingreifen, werden immer größer. „Unerwartet“ auftretende Nebenwirkungen führen meist zu Verwunderung oder werden gänzlich geleugnet. Im Fall des „künstlichen Regens gegen Smog“ greift die Maßnahme wieder einmal nicht an den Ursachen an und verschiebt daher nur das eigentliche Problem. Schon ein flüchtiger Blick zurück in die nahe Geschichte verrät uns, dass wir uns mit dem Herumdoktern an Symptomen mehr Schwierigkeiten einhandeln, als wir gleichzeitig lösen.

 
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About the Author

Valentin Heppner

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Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

2 Comments

  1. Wenn Feinstaub keine Kndesnationskeime mehr auslöst, dann nütz weder Silberjodid, Gold oder sonst was, liebe Kollegen in China!
    Ich gebe Euch einen Tipp:

    Rauchgas Kondesationsanlagen!

    Damit wird nicht nur Feinstaub ausgewaschen, man gewinnt zusätzlich Wärme (die Latente – eh schon wissen).
    „Zufällig“ sind wir in dieser Technologie gut aufgestellt – 3F Solar Technologies –
    Wo diese Wärme wie angewendet wird wissen wir übrigens auch. Do not hesitate to contact us – any time any day.

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