Und wir reden ernsthaft über Investitionsförderung?

  • negativ - neutral - positiv

  • So sieht ein differenziertes Modell von Energiepolitik aus und Noch-Wirtschaftsminister Mitterlehner und E-Control reden ernsthaft über Investitionsförderung als richtiges Mittel für den großflächigen Ausbau von Erneuerbaren. Aber dazu später noch mehr. Lasst die Grafik einfach mal auf euch wirken.

 

Vorschlag für eine technologiespezifische Energiepoltik in Deutschland (Quelle: Umweltministerium Baden Württemberg, Institut für ZukunftsEnergieSysteme)

Manchmal muss ich mich schon sehr wundern. Ich war im Laufe des letzten Jahres durch meine Arbeit für ecoquent-positions.com deutlich stärker in den deutschen als den österreichischen Energiemarkt involviert. Dort passiert einfach so viel mehr, als in unserem „Wir sind eh super-Land“ aber das ist eine andere Geschichte. Vor zwei Wochen war jedoch wiedermal eine Veranstaltung in Österreich, die mein Interesse geweckt hat. „Ein neues Stromsystem für die Energiewende“ wurde vom Ökobüro veranstaltet und sollte Interessensvertreter der alten und der neuen Energiewirtschaft zu einer Plattform zusammenbringen um darüber zu reden, wie das Stromsystem der Zukunft aussehen soll, wenn möglichst viele erneuerbare Energieträger im Markt sind. Hier ein gut zusammengefasster Rückblick.

Fazit: Einige Vorträge waren wirklich gut und ich blieb den ganzen Tag obwohl ich zu Mittag eigentlich schon gehen wollte. Letztlich glitten jedoch viele Diskussionen wieder in eine Förderdiskussion ab. Hier auch ein Bericht dazu in Energie:Bau. Die Standpunkte der Industrie und Arbeitnehmervertretung sind nach wie vor dieselben (= Erneuerbare machen Strom teuer und das Netz hält das nicht aus) und das werden auch solche Veranstaltungen nicht so schnell ändern, aber immerhin, wir reden darüber.

Zurück zur Investförderung?

Jedenfalls wollte ich jetzt eigentlich ganz woanders hin. Der größte Schockmoment kam, als ich hörte, dass sowohl Minister Mitterlehner als auch die E-Control eine Investitionsförderung dem aktuellen Ökostromgesetz mit Einspeisetarifen vorziehen würden. An solchen Aussagen erkenne ich leider immer wieder, dass es in Österreich keine Ambitionen gibt, internationale Geschehnisse und Gesetzgebungen (abseits von populistischen Medienberichten) zu beobachten und entsprechende Lehren zu ziehen.

Sündenbock Deutschland

Sehr gerne wird auch auf das ach so furchtbare deutsche System hingehaut. Das erfolgreichste Technologieentwicklungsprogramm seit dem 2. Weltkrieg wird wegen zu großem Erfolges schlecht gemacht. In Deutschland ist man jedoch schon wieder viel weiter. Man hat erkannt, dass das aktuelle System einige Reformen braucht um ein weiteres Wachstum nicht zu gefährden (natürlich sind auch Kräfte am Werk, die ganze am Liebsten ungeschehen machen würden). Ein Systemfehler in der EEG-Berechnung ist eines der Probleme und auch wenn derzeit noch Unklarheit darüber herrscht wie die Zukunft aussehen könnte, gibt es unzählige Menschen und Institutionen, die sich mit Lösungen beschäftigen und Gott sei Dank sind das nicht nur die Leute aus den Industrielobbys. Mehr als 20 Vorschläge zur Reform haben wir gemeinsam mit den Energiebloggern gefunden und machen nun vielleicht sogar ein Voting für das beste EEG für die Zukunft. Wer weiß, vielleicht ergeben sich daraus auch wichtige Erkenntnisse für Österreich. Mehr dazu einfach im Blog nachlesen.

  • Deutschlands Top Erneuerbare Energien Gesetz

    Die Energieblogger machen sich auf die Suche nach dem besten EEG

     

  • Bei der Recherche zu den Vorschlägen ist mir besonders eine Studie ins Auge gestochen. Das Umweltministerium in Baden Württemberg hat sich ausführlich mit den Vor- und Nachteilen der verschiedenen Systeme beschäftigt.

Investförderung für NICHT ausgereifte Technologien

Die Lektüre ist absolut empfehlenswert für jeden, der sich mit den unterschiedlichen Fördermöglichkeiten beschäftigt. Hier geht es aber primär darum das Thema Investitionsförderung zu beleuchten. Wir halten also fest, dass die Studienersteller sich eingehend mit dem Thema beschäftigt haben und das Institut für ZukunftsEnergieSysteme eher dem Lager „neutral“ zugewiesen werden kann. Laut ihren Beobachtungen sind Investitionsförderungen lediglich für nicht ausgereifte Technologien mit hohem Investitionsrisiko anzuwenden und in Deutschland nur mehr für die Elektrizitätserzeugung mit Geothermie vernünftig.

Bei Geothermieanlagen ist der noch nicht ausgereifte Stand der Technik sowie das hohe Investitionsrisiko zu beachten. Für hydrothermale Verfahren werden Investitionszuschüsse und Bürgschaften als besonders geeignet angesehen, die hohen Investitionsrisiken effektiv zu mildern.

 

Auch ich sage seit Jahren, dass die Investitionszuschüsse absolut nicht geeignet sind für ein richtig großes Roll-out der neuen Erneuerbaren. Wer jetzt die erfolgreiche KLIEN-Förderung zitieren will, sollte bedenken, dass die Preissenkungen hierzulande nicht durch unsere tolle Förderpolitik entstanden sind, sondern ausschließlich durch das deutsche EEG getrieben waren. Das soll nicht heissen, dass diese Förderung nicht auch zum Ausbau beigetragen hat und wichtig war, sondern nicht das geeignete Instrument für einen effizienten Markt ist. Nicht zuletzt aufgrund dieser Förderung sind die Kosten in Österreich für Kleinanlagen immer noch deutlich über dem deutschen Markt (Photovoltaikpreise in Deutschland und Österreich). Natürlich trägt auch der höhere Bürokratieaufwand zu den höheren Kosten bei. Auch die Solarthermie ist ein verheerendes Beispiel dafür, was Investitionsförderungen anrichten können. Hier herrscht seit Jahren Stillstand was Preissenkungen betrifft und die Branche strauchelt gewaltig. Die Leute werden geködert eine Anlage zu kaufen um Einmalförderungen einzustreifen. Im blödesten Fall zählen für die Förderung nur die m2 und es wird die billigste Qualität eingebaut. Nach 5 Jahren funktioniert das Teil nicht mehr, weil es keinen Anreiz gibt, die Anlage in Schuss zu halten und wenn sie kapput geht, merkt mans vielleicht nichtmal weil Wärmemengenzähler nicht verpflichtend waren. Natürlich kann man solche Entwicklungen nicht alleine auf ein Fördermodell zurückführen, aber sie haben die Situation und das Verhalten der Marktteilnehmer stark beeinflusst.

Aber die Leute wollens ja…

Auch eine Aussage der Arbeiterkammer, die ebenfalls Investitionsförderungen fordert ließ mich mit offenem Mund zurück. Sie haben selbst berechnet, dass Anlagen mit Investitionsförderung, die vor wenigen Jahren gebaut wurden, nicht wirtschaftlich waren. Sie wissen also, dass diese Förderung für ihre „Kunden“ nicht die optimale Situation darstellen. Auf meine Frage warum sie diese Art der Förderung dann so unterstützen war die Antwort: „Die Kunden WOLLEN ja die Investitionsförderung“, also Bares auf die Hand. Aha, das heisst für mich nichts anderes als die Leute dumm sterben zu lassen und nicht die Aufgabe wahrzunehmen, die Situation zu verbessern. Sie wissen ja auch nicht, dass es andere Möglichkeiten wie Netmetering oder Überschusseinspeisetarife geben würde, mit dem alle langfristig besser aussteigen würden…

Vollkommene Information als Mittel gegen Überförderung

Also liebe Herrschaften. Hört auf bei etablierten Technologien über Investitionsförderungen zu sprechen. Jetzt ist es wichtig ein verlässliches Modell für den großflächigen Ausbau abseits der Häuslbauer zu schaffen. Das funktioniert auch ohne Überförderung. Vor allem wenn technologiespezifische Ansätze gewählt werden. Alle Fehler wurden bereits gemacht, wir brauchen eigentlich nur mehr die Rosinen rauspicken. Die Kostenstruktur jeder Energieform ist relativ klar und das ist eine der Grundvoraussetzungen für einen effizienten Energiemarkt. Vollkommene Information heisst dies in der Studie. Dabei darf man auch absolut keine Angst davor haben, dass trotz vollkommener Information manche Marktteilnehmer aus den vorhandenen Systemen mehr rausholen als die anderen. Nur so kann sich durch immer weitere Optimierung die Technologie weiterentwickeln. Bei Investitionsförderungen fehlt dieser Anreiz völlig, deshalb bitte ich die Verantwortlichen ein bisschen weiter über den Tellerrand zu schauen und sich vor allem AKTUELLE STUDIEN und Informationen zu besorgen. Vollkommene Information ist unabdingbar für die anstehenden Entscheidungen. Und bitte auch bedenken: Studien aus 2012 sind NICHT AKTUELL!!! Auch über diese Problematik würde ich gern einmal schreiben.

Alternative: Drecksumlage

Ach ja, da dieses Thema auch wieder aufgekommen ist: Wir könnten uns den ganzen Tamtam ersparen, wenn wir die externen Kosten der fossilen Energieerzeugung einfach einpreisen, aber das traut sich derzeit noch kein Politiker in Österreich und Deutschland. In der Schweiz und Dänemark ist man da übrigens schon weiter. Sogar Frankreich arbeitet daran. Bei Letzteren ist eine „Hidden Agenda“ aber nicht auszuschließen.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

6 Comments

  1. Hallo!

    Nachdem die E-Control in ihrem Ökostrombericht Effizienz gefordert hat, habe ich mir die Effizienz des OeMAG Fördersystems angesehen und bin zu Vorschlägen gekommen, die doch auch in Richtung Investitionsförderungen gehen. Da wir trotz ähnlicher Zielsetzung zu teilweise unterschiedlichen Schlussfolgerungen gekommen sind, würde ich mich über ein Rückmeldung freuen.

    (1) Trennung Förderung von Einspeisevergütung: Eigenverbrauchsvorteile für alle Zielgruppen rentabel nutzbar. (Statt 18Cnt/kWh erhält man für die Einspeisung den variablen Marktpreis (3,6Cnt/kWh) und eine Förderung bezogen auf die (potentielle) Erzeugung im Wert von 14,6 Cent/kWh -> Entspricht der aktuellen Situation der Volleinspeiser, Eigenverbrauchsnutzung wäre rentabel -> Förderbedarf sinkt).
    (2) Stromhändler frei wählbar: Durch freien Marktzugang können bessere Marktpreise genutzt werden. OeMAG stellt nur mehr gerechten Marktzugang sicher. (Statt der 3,6 Cent/kWh Marktunterkannte, könnten für die Einspeisung am Markt erzielbare Preise genutzt werden z.B 7 Cent/kWh bei Kleinanalgen -> Förderbedarf sinkt).
    (3) Einheitliches Fördermodell: Aufhebung der 5 kWp Grenze. Keine Beschränkung auf Private. Intergration der KLI.EN-Förderung. (nach 1. und 2. funktioniert OeMAG auch für die viel rentableren KLI.EN Anlagen)
    (4) Schwerpunkt auf effektivere Kleinanalgen mit hohem Eigenverbrauch nahe am Verbraucher (anstatt Standort-Effizienz). Entlastung der Übertragungsnetze. (ergibt sich aus 1.-3.)
    (5) Investitonsförderung als Prozenzsatz von Investition: Orientiert an ausgelösten Steuereinnahmen finanziert die Investition die Förderung. Bei effektiven Anlagen keine weitere Förderung nötig. Mit sinkenden Investitionskosten sinkt automatisch die Förderhöhe. (KLI.EN hat zuletzt 300 EUR geboten. 30% der Investion wäre noch immer unter OeMAG Förderkosten …)
    (6) Restbedarf Förderung als Fixbetrag auf 10 Jahre: Abwicklung unabhängig von Stromlieferung. Bessere Planbarkeit. Ausgleich zu erhöhten Marktrisiko aus Marktkopplung bei Einspeiung. (Fixbeträge vereinfachen und entkoppeln vom Netz/Stromhandel.Größere Anlagen brauchen noch immer Förderung.)
    (7) Entfall Deckelung: Für Investitionsförderung keine Deckelung nötig, da aus Steuereinnahmen kostenneutral. Für zusätziche Förderung erfolgt Regelung durch Degression. Dadurch ist eine gesunde Marktentwicklung mit sinkenden Marktpreisen und eine effektive Förderabwicklung möglich. (Windhundrennen sind Gift für den Markt)
    (8) Limitierung durch Kapazitätsgrenzen: Die Begrenzung des Ausbaus erfolgt mengenabhängig von der Zielstruktur und nicht durch Kostengrenzen. (Teuer sind Industrieförderungen und nicht die Ökostromförderung)
    (9) Umsatzsteuerfreiheit von Abgabe und Förderung: Umsatzsteuer wird nur mehr auf Lieferleistungen eingehoben. Geringere Steuerlast bei Errichter. Keine Vorsteuerblase. Keine Belastung der Endverbraucher aus zweckfremden Abgaben.
    (10) Finanzierung: Investitionsförderung wird über Umsatzsteuerfreiheit bei Abgaben und Klien-Budget für Endkunden kostenneutral aufgebracht. Restbedarf wird über Umlage finanziert.

    LG Gernot

  2. Hallo Gernot,

    vielen Dank für deinen Input. Wenn ich dich richtig verstanden habe, sind wir aber gar nicht so weit voneinander entfernt. Dazu hätte ich ein paar Fragen:

    ad 1) Diese Modell ist doch ein Einspeisetarif, oder? Er unterscheidet sich lediglich dadurch, dass sich die Marktteilnehmer durch Verhandlungen mit den einzelnen Abnehmern besser Preise aushandeln können, richtig? Die 14,6 ct ergeben sich aus den 18ct – dem minimal erziehlbaren Preis, oder?

    ad2) Der Einepeisetarif orientiert sich also am erzielbaren Preis am Markt? Sehe hier wenig Anreiz für den Betreiber den besten Anbieter zu finden, wenn der Endbetrag ohnehin immer die ca. 18ct/kWh sind

    ad3) was meinst du mit viel rentableren Klien Anlagen? Vereinheitlichung wäre dringend notwendig, da stimm ich dir zu.

    ad4) Sehr richtig! Belohnung von hohem Eigenverbrauch sollte ein Kernelement jeglicher Regelungen sein. Mit Kleinanlagen meinst du welche Größe? Für mich wären das Anlagen bis 100 kWp. Damit können auch die vielen gewerblichen Anlagen, die das perfekte Verbrauchsprofil haben, bedient werden. Es fehlt aber ein geeignetes Überschusseinspeisemodell. Hier würden schon viel geringere Überschusseinspeisetarife als beim Haushalt reichen. Mit 15ct/kWh ungedeckelt und kombiniert mit einem Eigenverbrauch von mind. 50% könnte ein gewaltiges Potenzial entfesselt werden.

    ad5)das verstehe ich nicht ganz, sehe keinen Grund für eine Investförderung, wenn die Einspeisung geregelt ist.

    6) Was meinst du mit Restbedarf Förderung?

    7) Entfall Deckelung wäre überhaupt das wichtigste. Die Blasenbildung ist beim derzeitigen Markt und bei klugen Eigenverbrauchsanreizen kein Thema mehr.

    8) Kapazitätsgrenzen halte ich nicht für sehr sinnvoll. Wie unterscheidet sich das von Geldgrenzen? Bestimmtest Geld = Bestimmte Kapazität. Beides verursacht Investitionsunsicherheiten und bei den furchtbaren Genehmigungszeiten von bis zu einem Jahr ist es nicht zumutbar nach so langer Entwicklungszeit auch noch nicht zum Zug zu kommen. Wer diese Hürde schon mal auf sich nimmt, sollte bauen dürfen oder eben die Vergabe nach einem Zeitpunkt des Anschlusses und nicht Zeitpunkt der Förderzusage geregelt werden.
    Problem ist auch: Wer entscheidet über die Zielstruktur? Wenn die Bundesregierung dann wieder mit den 2020 Zielen kommt, können wir gleich aufhören zu bauen.
    9) Steuerlich gäbe es unglaublich viele Hebel. Auch flexiblere Abschreibung wäre ein einfaches Instrument.
    10) Auch hier sehe ich keinen Grund für eine Doppelgleisigkeit von Investförderung und Einspeisung.

    Wie gesagt, ich sehe hier keine grundlegenden Unterschiede. Du denkst vielleicht zu sehr in Haushaultsgrößen und ich in gewerblichen und Bürgeranlagengröße.

    Vereinfachung von Finanzierung und Haftungsübernahmen wären auch noch wahnsinnig hilfreich. In der alten Energiewirtschaft waren solche „Zuckerl“ gang und gäbe. Bin mir sicher, dass das auch für die neuen erneuerbaren kommt, wenn man sich mal einig wird, dass wir das wirklich wollen.

  3. Hallo Cornelia,

    zu 1-4 erläutere ich mal kurz wie ich dazu gekommen bin und wie das gemeint ist.

    Ein Ausgangspunkt war die Frage, warum KLI.EN Anlagen weniger Förderungen benötigen als OeMAG-Anlagen. Eine 5kWp KLI.EN Anlage erhält dzt. 1.500 EUR, eine 5kWp OeMAG Anlage erhält über 13 Jahre im Paritätstarif ca. 8.7000 EUR (Förderung ohne akt. Marktwert).
    Wesentliche Gründe sind: Nutzung Eigenverbrauch, Nutzung höherer Einspeisetarife, geringere Fremdfinanzierung und geringere Renditeerwartungen.
    Wie müsste sich also das Fördermodell ändern, damit diese Vorteile genutzt werden können…

    1) Um höhere Marktpreise nutzen zu können müsste die Förderung getrennt vom Stromhandel erfolgen und die Lieferung an die OeMAG keine Förderbedinung mehr sein. Die OeMAG sichert nur mehr den Marktzugang zu ‚Minimalpreisen‘.
    2) Um Eigenverbrauch zu nutzen müsste sich die Förderung am erzeugten Strom (Analgengröße) und nicht am eingespeisen Strom orientieren. Aus Sicht Zielsetzung der Förderung sollte eigentlich der gesamte erneuerbar erzeugte Strom förderungswürdig sein.
    Durch 1) wäre der Marktpreise soweit unter dem Bezugspreis, dass sich Eigenverbrauch für alle rentiert (auch bei niedrigen Bezugskosten).

    3) Lässt das Fördermodell die Nutzung dieser Vorteile zu, dann haben ‚kleinere‘ Anlagen (bzw. Anlagen die diese Vorteile nutzen können) einen geringeren Förderbedarf als die großen Anlagen.
    Hebt man die unnötige 5kWp- und die Privat/Unternehmer-Grenze auf, dann lässt man die Zielgruppe zu, die einerseits durch einen geringeren Förderbedarf auch die Förderkosten senkt und noch dazu einer anzustrebenden Zielstruktur am Besten entspricht (4). Ideal wäre dies für Betriebe die hohen Nutzen aus Eigenverbrauch ziehen könnten, deren ‚Netzparitätslevel‘ aber zu niedrig war (und KLI.EN nicht möglich).

    5/6) Wenn man nun rein den Förderbedarf für die Zielgruppen betrachtet und diese nun zur Anlagenerrichtung ‚anreizen‘ will – dann geht es um Wirtschaftlichkeitsrechnung der bei der Investition oder Verteilt auf Jahre geholfen wird. Die Förderung mit der Einspeisemenge zu koppeln macht das eher komplizierter. Der nötige Förderbedarf wird abgeschätzt und entweder einmal als Invest oder in Teilen über Jahre verteilt ausbezahlt. Die Planbarkeit hier zu erhöhen macht Sinn, da sich durch (1) das Risiko am Einspeisemarkt erhöht.
    Der Ansatz hier fix als ‚Investförderung‘ die höhe der ausgelösten Steuereinnahmen anzusetzen hat 2 Gründe: 1. bis zu dieser Grenze ist die Förderung aus staatlicher Sicht kostenneutral und auch so finanzier und argumentierbar. 2. Für die KLI-EN Zielgruppe reicht diese ‚bekannte‘ Art der Förderung aus.
    Da größere Anlagen mit diesem ersten Invest-Teil nicht auskommen, benötigt es noch den „Restbedarf“ an Förderung.

    8) Der Ausbau von Erneuerbaren sollte sich an einer angestreben Zielstruktur orientieren die mit einem Ausbauplan erreicht werden soll. Die E-Control fokusiert im Ökostrombericht aber auf Effizienz und Begrenzung der Kosten. Tatsächlich sollte aber die Erreichung einer Zielstruktur im Mittelpunkt stehen von der die Begrenzung der Menge vorgegeben wird. Die Ausbauziele im ÖSG sind für den ersten Wurf nicht so schlecht nur passt die Verteilung der Technologien nicht. An der Diskussion über die Zielstruktur und wie der Konflikt mit den ‚Verlierern‘ konstruktiv gelöst werden kann, kommen wir nicht vorbei. Bei der aktuellen Interessenslage hilft am ehesten noch das Einfordern/Verbessern der Ziele.
    9) Steuer ist zwar nicht meins, aber in diesem Zusammenhang spannend, da eine gewisse Ungerechtigkeit darin steckt. Was passiert z.B. wenn die OeMAG bei Strom für 18 Cent Umsatzsteuer zahlt (die der Anlagenerrichter versteuert und bei der OeMAG zur Vorsteuer werden) und dann dieser Strom mit 3,6 Cent am Markt verkauft (und nur dafür USt. anfallen) mit dem Vorsteuerüberschuss den die OeMAG vom Finanzamt erhalten müsste? Da gehts um ca. 100 Mio bei einem Umlagevolumen von ca. 500 Mio. Wenn die Förderung getrennt vom Stom ausbezahlt wird, dann ist die Förderung keine ‚Nebenleistung‘ mehr und die USt. müsste wegfallen – wer profitiert? Warum sollen die Endkunden auf die Ökostrombeiträge nochmal USt. an den Staat zahlen – nur weil durch die Abrechnung durch den Netzbetreiber daraus eine ‚Nebenleistung‘ wird? Auch da gehts um 100 Mio. Da gehts mir nicht um einen Hebel sondern um Gerechtigkeit und vermeidbare Nebenkosten bei der Ökostromförderung (oder zahlt man auf die KLI.EN Förderung auch noch Umsatzsteuer?).

    Du hast vollig Recht, dass ich in ‚Haushaltsgrößen‘ denke. Das ist mir bei PV auch die liebst Größe – auch wegen der Bürgerbeteiligung. Aber gerade in der eigenverbrauchenden Mittelklasse könnten einige Punkte interessant sein.

    Vielen Dank, dass du dich mit meinen Punkten auseinander setzt. Das sehe ich nicht als selbstverständlich!

  4. Liebe Cornelia, lieber Gernot!

    Wenn man das durchliest und verstehen will, sind mindestens 100 Fachvokabeln zu verstehen und dann auch noch – im Kontext hoffentlich richtig – zu gewichten. Wen wundert es, dass das niemanden interessiert bzw. an sogenannte Expertinnen delegiert wird?
    Auch sind so viele geistige „wenn-dann“ Konstruktionen eingebaut, dass es immer hypothetischer wird, je länger ich lese.
    Ich selbst sehe die Unterstützung der Eigennutzung der Prosumer und monetäre Investförderung der Speichertechniken für diese Prosumers als ein in einem Satz ausgedrücktes, verhandelbares und nicht-technisch formuliertes Ziel.
    Und wir brauchen Formulierungen, die leicht nachzuvollziehen sind!

  5. Hallo Wolfi,

    danke für den Input. Ja es ist ein echtes Dilemma wenn ein Thema so komplex ist und keiner mehr mitreden kann/will. Ich bin leider auch teilweise schon sehr tief in der Materie und verliere mich in Details.

    Wenn es einen wichtigen Punkt gibt, der wirklich wichtig wäre, dann sind das wie du sagst Anreize für einen möglichst hohen Eigenverbrauch und einer fairen Überschusseinspeisung.

    Investförderung ist wie gesagt gut für nicht ausgereifte Technologien wobei auch hier Anreize für eine Kostensenkung enthalten sein müssen. Nachdem man bei Speichern noch von unausgereifter Technologie sprechen kann, ist das derzeit noch die beste Methode. Langfristig muss es aber dahin gehen, dass gespeicherter bzw. zu einer bestimmten Zeit bereitgestellter Strom einfach einen höheren Wert hat.

  6. Hallo Wolfi,

    danke für den Input. Ja es ist ein echtes Dilemma wenn ein Thema so komplex ist und keiner mehr mitreden kann/will. Ich bin leider auch teilweise schon sehr tief in der Materie und verliere mich in Details und muss zugeben, dass dieser Artikel wohl eher an die Experten des Landes adressiert ist. Diese Diskussionen werden eben sonst nur im geheimen Hinterkammerl geführt und ich finde, das muss nicht so sein.

    Wenn es einen Punkt gibt, der wirklich wichtig wäre, dann sind das wie du sagst Anreize für einen möglichst hohen Eigenverbrauch und einer fairen Überschusseinspeisung.

    Investförderung ist wie gesagt gut für nicht ausgereifte Technologien wobei auch hier Anreize für eine Kostensenkung enthalten sein müssen. Nachdem man bei Speichern noch von unausgereifter Technologie sprechen kann, ist das derzeit noch die beste Methode. Langfristig muss es aber dahin gehen, dass gespeicherter bzw. zu einer bestimmten Zeit bereitgestellter Strom einfach einen höheren Wert hat.

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