Österreich atomstromfrei ab 2015? Aber wir haben doch gar keinen Atomstrom!

Vorweg: Ich entschuldige mich schonmal, wenn dieser Artikel etwas bissig wird auch wenn ich mich – jetzt wo ich etwas recherchiert habe – wirklich darüber freue, dass Österreich diesen anscheinend mutigen Vorstoss wagt und ab 2015 keinen Atomstrom mehr KAUFEN will. Ich habe mich nur viel zu viele Jahre mit den Zahlen zum österreichischen Energiemix abgemüht und viel zu viele Stunden damit verbracht den Atomstrom irgendwie rauszurechnen, noch lange bevor der Stromkennzeichnungsbericht erschienen ist. Ich konnte mich des Eindrucks einfach nicht erwehren, dass Österreich da etwas verstecken will und anscheinend war ich da nicht die einzige, da Minister  Mitterlehner  sich diesen Vorwurf anscheinend schon länger und auch von anderen gefallen lassen musste. Aufgrund dieses ewigen Hide & Seek Spiels, bin ich also auf das Thema atomstromfreies Österreich etwas allergisch und war vorerst etwas skeptisch als mich Energiebloggerkollegen aus Deutschland darauf ansprachen und mich fragten was denn hinter der Schlagzeile „Österreich wird bis 2015 atomfrei“ steckte aber habe mich schließlich doch entschlossen darüber zu schreiben, vor allem weil mir etwas in meiner „Schublade“ eingefallen ist.

Ich habe letztes Jahr gemeinsam mit einem Kollegen eine Infografik produziert um zu zeigen, wie denn unser Strommix tatsächlich aussieht, wenn man den Atomstromanteil auch wirklich ausweist.  Wir haben den Stromkennzeichnungsbericht letztes Jahr hergenommen und die Zahlen akribisch rausgearbeitet, vielleicht gibt es mittlerweile eine Neuen aber ich hoffe ihr verzeiht, dass ich die Grafik nicht nochmal machen lasse auch wenn sich Kleinigkeiten vielleicht verändert haben. Jedenfalls hab ich die Grafik nie veröffentlicht, weil irgendwie nie der richtige Zeitpunkt war. Jetzt denke ich ist das eine gute Aufklärungsgrafik um zu zeigen, warum der jetzige Schritt doch relativ wichtig ist, man will diese 4% unbedingt loswerden, da sie doch ziemlich hässlich in dem Kuchen aussehen.

So sieht unsere Strommixgrafik mit Atomstrom aus

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  • Wie gesagt, das war letztes Jahr, aber es soll das Bewusstsein schärfen warum das gerade passiert und soll wieder Energiebildung sein für jene, die bis jetzt dachten, dass wir eh keinen Atomstrom haben. Ich wollte damals endlich mal eine Grafik für Österreich haben wo im Energiemix der Atomstromanteil völlig unverblümt auftaucht, der Punkt „Strom unbekannter Herkunft“ macht mich seit Jahren wahnsinnig, weil unsere Grafiken damit faktisch nicht vergleichbar mit denen von Deutschland sind. Sorry für all jene, denen ich jetzt vielleicht falsche Illusionen geraubt habe.

Kein Geld mehr an AKW-Betreiber

Nun ist vielleicht klarer warum der Vorstoss aus Österreich zumindest in Europa Gewicht bekommen könnte. 4% sind nicht unerheblich und das ist schon einiges Geld, dass so zu tschechischen, französischen oder deutschen AKW Betreibern fließt. Eine Summe hab ich leider nicht parat, vielleicht weiß das sonst jemand. Global 2000 hat jedenfalls hier recht gut erklärt wie das neue System aussehen wird und der wichtigste Punkt ist eben, dass wir zwar nach wie vor Elektronen aus AKW’s in unserem Netz haben werden, aber zumindest unser Geld diese Art der Energieversorgung nicht mehr unterstützt ähnlich wie bei einem privaten Umstieg auf einen Ökostromversorger. Ich weiß zwar nicht wie man verhindert, dass das Geld innerhalb des Konzernes die Gewinne erhöht und dann trotzdem wieder für fossile oder nukelare Energie eingesetzt wird, aber hoffe, dass die Ökostromanbieter bald groß genug sind um die Mengen bereitzustellen. Das Signal ist jedenfalls wichtig und wenn es stimmt, dass Tschechien nun seine Baupläne überdenkt, dann ist das ein wichtiger Schritt. Die AKW-Bauer hören zwar primär wegen der Unwirtschaftlichkeit der neuen Anlagen auf zu bauen, aber wenn ihnen nun auch noch die Abnehmer wegfallen, ist das vermutlich ein kleiner Faktor, der in die Letztentscheidung mit einfließt.

Pumpspeicher bleiben mein Fragezeichen

Was mir noch niemand beantworten konnte ist das Thema Pumpspeicher. Mittlerweile darf man ja anscheinend offen darüber reden, dass diese in der Vergangenheit hauptsächlich mit nachts nicht gebrauchten Atom- und Kohlstrom betrieben wurden. Heisst das, dass wir jetzt Unmegen an Kohlestrom importieren oder reichen die Windüberschüsse bis dahin? In Deutschland ist der Kohleanteil in den letzten Jahren massiv gestiegen, weil die CO2 Zertifikate so billig waren. So lange die Kohleproblematik nicht gelöst ist, sollte man also sehr vorsichtig mit Jubelchören um eine solche Maßnahme umgehen.

Bin gespannt was die EU in dieser Sache entscheidet. Derzeit dürften da ja viele Pro-Atom Leute die Abgeordneten bezirzen, wenn allen Ernstes über Subventionen für Atomstrom laut nachgedacht wird…

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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