Das grüne Empire State Building

environmental conservation growthNach zwei Blogartikeln über ganz neue Green Building folgt nun einer, über ein altes Gebäude:

Die Ausgangslage

Viele große (Büro-)Gebäude in den Vereinigten Staaten wurden in einer Zeit gebaut, als ökologische Bauweisen und Energiekosten überhaupt keine Rolle spielten. Dementsprechend teuer und ineffizient sind sie in ihrer Erhaltung. Bis heute gibt es erst sehr wenige Beispiele und Daten, was eine thermische Sanierung und ein „grüner Umbau“ bei derartigen Bauten wirklich bringt. Daher besteht auch eine gewisse Scheu bei Gebäudeeigentümern, derartige Großprojekte anzugehen. Übrigens stammen ungefähr 30 % der weltweiten Treibhausgase von der Energienutzung in Wohn und Bürogebäuden.

Das Empire State Building

Der Wolkenkratzer wurde 1931 fertiggestellt, ist 381 m hoch und steht in Midtown Manhattan, New York´s und gleichzeitig Amerikas größtem und geschäftigsten Bezirk. Bis 1972 war es das höchste Gebäude der Welt, wurde danach aber vom ehemaligen World Trade Center abgelöst. Das Empire State Building hat sich über die Jahrzehnte als Kultur-Ikone entwickelt: ein typischer Vorkriegsbau im Art Deco Stil. Es verfügt über eine eigene Postleitzahl und beherbergt 1000 Unternehmen in seinen 102-Stockwerken.

Der Umbau

Wahrscheinlich auch, weil Manhattan zu einem der weltweit wichtigsten Zentren wirtschaftlicher Macht zählt, stehen für den grünen Umbau des Empire State Building, der seit 2009 im Gange ist, 550 Millionen Dollar zur Verfügung. Die Nachhaltigkeitsmission wird von 5 Unternehmen und Organisationen durchgeführt, die in den drei Bereichen: Beratung, Design und im Umbau mitwirken. Es handelt sich um das Clinton Climate Institute, Johnson Controls Inc., Jones Lang LaSalle, NYSERDA and Rocky Mountain Institute.

Die Verbesserungen

Allein 120 Millionen Dollar der Gesamtsumme fließen in die thermische Sanierung des Gebäudes: bis Oktober 2010 haben die beteiligten Unternehmen alle 6514 Fenster ersetzt. Aber nicht einfach nur gegen Neue ausgetauscht: 96 Prozent der Fensterscheiben und Rahmen wurden von den alten Doppel-Glas-Scheiben zu hochgedämmten, modernen Scheiben umgebaut – damit nicht Berge von Müll alleine durch die Fenstersanierung entstehen. Die Stromversorgung wird bis zum Abschluss der Bauarbeiten aus 100% Windenergie stammen (durch einen Vertrag mit Green Mountain Energy Company über 55 Mio Kwh/Jahr). Dadurch konnten schon im ersten Jahr des Umbaues 20 Prozent der gesamten Energiekosten eingespart werden. Im Endausbau sind 38 Prozent geplant. Weitere Maßnahmen sind der Einbau von Lichtautomaten, effizientere Klimaanlagen und Sensoren, die die Energienutzung der Mieter und die Luftumwälzung messen und steuern.

Insgesamt hat der Umbau 252 Jobs geschaffen. Im März 2011 wurde das Gebäude mit dem Environmental Protection Agency’s Green Power Leadership Award und der Gold-LEED-Zertifizierung ausgezeichnet. Damit ist das Empire State Building das höchste Gold LEED-Gebäude der Welt.

Was heißt das für die Zukunft?

Die nachhaltige Renovierung des Empire State Building ist deswegen so spannend, weil erstmals handfeste Daten zur Verfügung stehen, was so ein Umbau bringt. Und weil es die Richtung und die Größenordnung anzeigt, die bei großen Gebäuden möglich ist. Interessant ist auch eine Studie von Pike Research, die vor drei Jahren publizierten, wonach amerikanische Gebäudebesitzer 41,1 Milliarden Dollar pro Jahr an Energiekosten einsparen könnte, wenn sie alle US-Gewerbegebäude thermisch sanieren würden.
Bis 2020 soll der „nachhaltige Restaurierungs-Markt“ von amerikanischen Gewerbegebäuden ein 16- Milliarden-Dollar-Markt werden. Die Betreiber hoffen weiters, dass die neuen Daten und Einsparungen auch die Gesetzgebung anspornt, Anreize für grüne Restaurierungen zu entwickeln, damit Gebäudeeigentümer mehr derartiger Projekte umsetzen.

 
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Valentin Heppner

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Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

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