Haarige Hochhäuser

Gibt es außer Windrädern und Photovoltaik noch andere, für Städte geeignete, Erneuerbare Energie-Quellen?

  • Das schwedische Architekturbüro Belatchew plant, ein Hochhaus in Stockholm mit piezoelektrischen Fasern zu überziehen, die durch Bewegung im Wind Strom erzeugen. Sie selbst nennen das Projekt „Stroh-Turm“, in die Medienwelt ging es allerdings als haariges Hochhaus ein.

Die Architektin/en

  • Foto: http://belatchew.com/en/2013/11/05/strawscraper/

     

  • Rahel Belatchew, die Gründerin des Büros, ist auf experimentelle Projekte spezialisiert, auf neue Konzepte und Lösungen für städtebauliche Architektur. Fast zahllose Beispiele finden sich auf ihrer Website. Mit ihrem Büro Büro plant sie in erster Linie visionäre und herausfordernde Bauten und wartet manchmal – so wie in diesem Fall – mit unerwarteten Lösungen auf.

Abgesehen von der umweltfreundlichen Stromerzeugung und der Kuriosität des Konzeptes, war es auch eine Überlegung Belatchews „Bewegung“ in Gebäude zu bringen: Immobilien zählen ja zu den statischsten Objekte, die wir kennen. Mit der Behaarung würden sie sich optisch zu fließen beginnen. Wie Getreidefelder, über die der Wind streift.

Der Turm

Das Hochhaus, Söder Torn (auf deutsch Südturm) genannt, ist ein 86 Meter hoher Wolkenkratzer im Zentrum von Stockholm. Der dänische Architekt Henning Larsen hatte den Turm mit 40 Stockwerken geplant, gebaut wurden aber aus Kostengründen nur 25, weshalb Larsen das Projekt mitten in der Bauphase verließ. In jeder Etage befinden sich fünf Wohnungen, in der obersten ist ein kommunaler Bankettsaal mit einem traumhaften 360 Grad-Blick auf die Stadt eingerichtet. Im Erdgeschoß erfreut ein Wellnessbereich mit Pool und Sauna die BewohnerInnen.

Wie funktionieren die Piezo-Haare?

Es gibt unterschiedliche piezoelektrische Materialien: Metalle, Kristalle, Keramiken, auch bestimmte Kunststoffe. Diese produzieren durch elastische Verformung eine Spannung. Piezofeuerzeuge sind wahrscheinlich die bekannteste Anwendung im Alltag: der Schlag auf einen Piezokristall erzeugt – statt des Feuersteins – einen Funken.
Die für den Söder Torn konzipierten Fasern bestehen aus einem Polymerschlau als Hülle, die einen piezoelektrischen Kern haben (Quarz-Kristalle). Bei Bewegung im Wind entsteht in jeder Faser eine elektrische Spannung.
Die Technik hat ein paar entscheidende Vorteile: sie ist, im Vergleich zu Windrädern, leise. Dadurch entstehen keine Lärmbelästigungen. Sie stellt für Vögel keine Einschränkung dar. Und sie funktioniert auch schon bei sehr geringen Windgeschwindigkeiten

Meines Wissen wurden Piezofasern noch nie auf Gebäuden als „Windkraftwerke“ eingesetzt. Wenn das so funktioniert, wie sich die Architektin das vorstellt, dann wäre diese Technik zwar vielleicht fürs Auge etwas gewöhnungsbedürftig, aber sehr brauchbar, spannend und vielseitig anwendbar.

 
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Valentin Heppner

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Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

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