Die Solarlotterie ist der eigentliche Aprilscherz

  • Wer am Montag online war, hat es vermutlich mitbekommen. In einem Aprilscherz habe ich verkündet, dass der Deckel, der den Ausbau der neuen Erneuerbaren in Österreich seit Jahren behindert, nun endlich weg sei.

Die Resonanz war gigantisch, die Zugriffszahlen gingen durch die Decke und das obwohl Feiertag war. Auch wenn das alles recht amüsant war, muss ich heute betonen, dass die Diskussion alles andere als witzig ist. Der Auslöser für den Artikel war nämlich der eigentliche Aprilscherz des Jahres: Eine Solarlotterie. Nicht genug, dass es ohnehin schon immer sowas wie eine Lotterie war, will man es nun offiziell zu einer Lotterie machen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es durchgeht aber das Gute am Schlechten ist zumindest, dass wieder öffentlich über das Thema diskutiert wird. Es freut mich besonders, dass Stefan Reininger nun auch in die Bloglandschaft eingestiegen ist und hier einen ersten Gegenvorschlag zum derzeitigen System gemacht hat. Auch Roman David-Freihsl einer der Journalisten in Österreich, der sich eindringlicher mit dem Thema erneuerbare Energie auseinandersetzt, hat hier in einem sehr emotionalen Artikel seinem Ärger über die Solarlotterie Luft gemacht.

Während Stefan Reininger der österreichischen Politik nicht zutraut, dass das eigentliche Übel am System – die begrenzte Fördersumme – aus dem Weg zu schaffen ist, bin ich da etwas optimistischer. Die Reaktionen auf meine Ankündigung, dass der Deckel tatsächlich weg sei, geben mir recht. Ich bin mir zu 100% sicher, dass ein Umlagesystem durch einen Politiker mit Rückrat durchzusetzen wäre. Dieser dürfte sich auch nicht von dem medialen EEG-Bashing aus Deutschland beeindrucken lassen. Was dort gerade passiert, ist ein reiner Machtkampf zwischen alter und neuer Energiewirtschaft und es ist nicht verwunderlich, dass sich auch bei uns die „alte“ Energiewirtschaft die Argumente aus Deutschland zunutze macht um eine Entwicklung wie in Deutschland schonmal im Keim zu ersticken. Hier nun einige Erkenntnisse, warum wir ernsthaft über eine Aufhebung des Deckels nachdenken müssen.

In ein Anreizsystem Gegenanreize einzubauen ist volkswirtschaftlicher Schwachsinn

Durch die ausgelöste Diskussion konnte ich auch viele Stimmen zu dem Thema einfangen. Die wirklich spannendste war die Aussage von der Volkswirtin Kirsten Hasberg von Energy Democracy TV – einer außergewöhnlichen Dänin die in Deutschland für 100% Erneuerbare steht. Sie meinte:

Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist das ja auch direkter Schwachsinn, dass man in ein Anreizsystem einen Gegenanreiz einbaut!

Ja richtig! Jetzt wo du’s sagst! Da sagt man den Leuten was sie tun sollen und wenn sie’s dann tun passt’s auch wieder nicht! Der Mensch gewöhnt sich ja an viele Schwachsinnigkeiten in seinem Leben und so ein wenig Außenansicht ist immer sehr wohltuend. Die deutschen Kollegen waren aufgrund der Meldung auch ganz verwundert. Viele wussten gar nicht, dass Österreich seit Jahren unter einem Deckel leidet. Sie kennen das Thema aber nun nur zu gut, da sie in den letzten Wochen eine Einführung eines Deckels verhindern mussten. Im Gegensatz zu Österreich wurde aber nur darüber gesprochen – wir müssen seit Jahren damit leben. Die Diskussion wurde aber Gott sei Dank sehr schnell wieder abgedreht.

Wo sind die Volkswirte in unserem Land?

Ich frage mich nun ob es in unserer Politik Leute gibt, die sich ernsthaft mit Volkswirtschaft beschäftigen und wissen wie Anreizsysteme funktionieren müssen, damit sie die gewünschte Wirkung erzielen? Manchmal habe ich das Gefühl, dass Volkswirte bei uns ausgerottet werden und das Ergebnis sind dann Vorschläge wie eine Solarlotterie. Wenn ich mich richtig erinnere wurden auch an der Wirtschaftuniversität Wien die Volkswirtschaftlichen Fächer zugunsten der rechtlichen Fächer gestrichen. Hätte ich nicht im Auslandssemester in Australien den coolsten aller Makrolehrer gehabt, hätte ich bis heute keinen Plan von der Materie – als Absolventin einer Wirtschaftsuniversität!! Aber sorry, ich schweife ab. Jedenfalls brauchen wir anständige Volkswirte um die Kosten-Nutzen-Rechnung ganzheitlich zu betrachten.

Wir könnten die Energiewende deutlich günstiger als Deutschland bekommen

Worauf ich eigentlich hinaus will: Die Regierung hat zumindest das Problem erkannt. Die Österreicher möchten unbedingt ihr Geld in Sonnen- und Windenergie investieren und jetzt wissen die Politiker nicht so recht wie sie damit umgehen sollen. Das böse Wort „Überförderung“ liegt in der Luft aber dabei geht es ja eigentlich um etwas ganz anderes. Es geht darum dem Privatsektor Anreize für größere Investitionen zu geben, um dann im Gegenzug eine Ankurbelung der Wirtschaftsgesamtleistung, die den eingesetzten Betrag übersteigt, zu bekommen und nebenbei sinken die CO2 Emmissionen und wir müssen keine Strafzahlungen leisten. Ein toller Beitrag dazu erschien gestern der Wirtschaftswoche. Statt den kolportierten 700 Mrd. pro Jahr, die die Klimarettung kosten würde, seien es nur 36 Milliarden pro Jahr – Weltweit! Da die Regierungen die Probleme ja nicht alleine lösen müssen, sondern den Privatsektor als Hilfswerkzeug einsetzen könnten. Für die Rechnung zitiert die Wiwo auch ein Vorbild:

Der sechs Milliarden Dollar schwere Klima-Technologie-Fonds der Weltbank zieht pro investiertem Dollar acht Dollar private Ko-Finanzierung an.

Und alle die damit argumentieren, dass Deutschland ja jetzt ein der Patsche steckt weil sie wie wild gefördert haben: Deutschland war der Seed Investor für die Welt und da kann schon mal etwas schiefgehen oder überfördert werden und so düster wie das die Medien gerne darstellen möchten ist die Lage schlichtweg nicht. Fakt ist, dass die Entwicklungsgelder nun bezahlt wurden, unfassbare Kostensenkungen erzielt wurden und der Abstand zwischen Produktionspreis fossiler Energie und Sonnenenergie denkbar klein geworden ist. Würde man externe Kosten den fossilen anlasten gebe es ohnehin keine Diskussion mehr. Ich habe hier ja auch schon mal zum Thema Netzparität geschrieben.
Dieser noch sehr geringe Betrag lässt sich jetzt sehr leicht über ein Umlagesystem, welches vor allem schutzige Energie betreffen sollte, sehr leicht überbrücken. Vielleicht diskutieren wir ja bald wirklich über diese Drecksumlage. Die Umlage kombiniert mit einem steuerlichen Anreiz könnte zu wirklich großen Investitionssummen auch im gewerblichen Bereich führen. Was ich wirklich nicht verstehe ist, dass das die Wirtschaftsparteien bei uns das noch nicht erkannt haben. Oder ist das Thema wirklich zu komplex und die Marktverhältnisse zu dynamisch?

Entweder oder – Farbe bekennen

Die Regierung muss jedenfalls endlich Farbe bekennen. Will man raus aus fossiler Energie oder nicht? Müssen wir etwas gegen den Klimawandel tun oder nicht? Das zögerliche Verhalten von jetzt bringt niemandem etwas. Ein kluger Mensch hat mal gesagt: Erfolg bedeutet den Zeitraum zwischen Entscheidung und Handlung so klein wie möglich zu halten. Wenn die Entscheidung 100% erneuerbare Energie durch knapper werdende Ressourcen und die Anerkennung einer Bedrohung durch den Klimawandel heisst, dann müssen sehr schnell, sehr entscheidende Weichenstellungen passieren. Je früher der Umbau beginnt, desto günstiger wirds. Für den Bau der Anlagen braucht man anfangs nämlich auch noch immer etwas Energie, die derzeit zu 80% fossil ist. Wenn die unleistbar wird, werden auch die Anlagen teurer. Um sich auszurechnen, wie hoch die Solarvergütung nächstes Jahr sein könnte empfehle ich meine Anleitung der Berechnung der Einspeisetarife. In Kombination mit der erwarteten Marktentwicklung bis 2015 lässt sich vermutlich sehr schön ausrechnen, wie „teuer“ ein Umlagesystem sein könnte. Ich glaube nicht, dass es bei Aufhebung des Deckels zu einer Blasenbildung kommen wird. Österreich ist kein Land wo großartige Renditen im PV-Bereich zu erwirtschaften sind, deshalb werden auch die Heuschrecken bei uns nicht vorbeikommen.

Ich wünsche mir jedenfalls, dass eine Abschaffung des Deckels nicht kategorisch ausgeschlossen wird, sondern mit Einbeziehung der aktuellen Marktumstände neu bewertet und eine gesamtwirtschaftliche Kosten-Nutzenrechnung aufgestellt und präsentiert wird. Vielleicht brauchen wir auch ganz andere Instrumente wie Net Metering oder Sonderabschreibungen aber jedenfalls sollte eine Finanzierung überlegt werden, die Anreize nicht durch Gegenanreize kaputt macht.

Bild: Uffe Nielsen /www.sxc.hu

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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