Interview mit Solarunternehmer Felix Krause von Milk the Sun

  • Milk the Sun Interview

    Felix Krause – Geschäftsführer von Milk The Sun

  • Heute gibt es mal wieder ein Emailinterview mit einem erfolgreichen Solar-Internet-Unternehmer aus Deutschland, der mit Milk The Sun eine Plattform geschaffen hat, bei der die langen Vermittlerketten, die im PV-Geschäft vor allem im Großanlagenbereich üblich sind, durchbrochen werden sollen. Felix Krause ist Geschäftsführer der Plattform Milk The Sun, auf der man Dachflächen anmieten und pachten kann, aber auch ganze Parks kaufen kann

1. Felix, wie ist es zu der Idee gekommen und wann hat das alles begonnen?

Zusammen mit Dirk Petschick, der auch jetzt bei Milk the Sun wieder dabei ist, habe ich 2009 die LuzSolar, eine Firma zur Projektentwicklung von mittelgroßen PV-Anlagen in Deutschland und England, gegründet. Immer und immer wieder kamen uns dabei teilweise windige, unseriöse Vermittler in die Quere, die zusätzliche Kosten verursachten und Verhandlungen erschwerten. Also suchten wir eine Möglichkeit, um unabhängiger zu sein und schauten uns nach einem Marktplatz ähnlich dem bekannten Immobilienscout aber eben für die Photovoltaik-Branche um. Wir fanden keinen, folglich beschlossen wir Ende 2010, es selbst in die Hand zu nehmen.

2. Auf Xing habe ich gesehen, dass du so wie ich auch aus der International Business Ecke kommst. Ich werde oft gefragt, wie ich zu dem Thema Photovoltaik gekommen bin und das interessiert mich bei dir natürlich auch? Wie kams dazu?

Ein Interesse an Erneuerbaren Energien hatte ich, genau wie auch Dirk, schon lange. Kennen gelernt habe ich Dirk im Projektmanagement und internationalen Key Account Management bei Philips. Schnell wurde uns klar, dass wir zusammen etwas Neues aufbauen wollten. Die Erneuerbaren Energien fanden sich dabei als gemeinsamer Nenner, der uns letztendlich zur Gründung der LuzSolar und später auch von Milk the Sun brachte.

3. Kannst du in ein paar Sätzen nochmal kurz sagen wie Milk The Sun funktioniert?

Immobiliensuche, Gebrauchtwagensuche, selbst Partnersuche – alles lässt sich heute über Portale im Internet suchen und finden. Das ist für Internet-Nutzer vollkommen selbstverständlich geworden. Immobilienportale bieten Mietspiegel, Baufinanzierungen, Umzugsservices an, auf Gebrauchtwagenplattformen findet man Angebote für Leasing- sowie Versicherungsrechner. Aber für die Photovoltaik-Branche mit europaweit über 1,8 Mio. installierten Anlagen fehlte eine solche Plattform bisher.

Diese Lücke schließt milkthesun.com. Auf unserer Plattform bietet Milk the Sun einen internationalen Marktplatz, der Flächenbesitzer, Projektentwickler, Anlagenbesitzer und Investoren im Bereich der Photovoltaik zusammenbringt. Milk the Sun ermöglicht damit einen transparenten Handel sowohl von Projektrechten als auch von bereits laufenden Solaranlagen. Die Vermittlerketten, die uns bei unserer Zeit mit der LuzSolar so gestört haben werden damit überflüssig, der Markt wird offener und übersichtlicher. Zudem bedeutet das einerseits eine erhebliche Reduzierung der Kosten für Käufer, Verkäufer und Projektentwickler, andererseits führt es zu schnelleren Realisierungen und höheren Renditen.

4. Und wie läufts? Was war euer größter Coup bisher?

Sehr gut. Wir sind überaus zufrieden mit dem vielen positiven Feedback und der bisherigen Entwicklung des Unternehmens. Gleichzeitig ist uns aber auch klar, dass eine stetige Weiterentwicklung notwendig ist. Wir erfahren leider über diverse Kontakte immer wieder von Glücksrittern und Maklern ohne Vermittlungsauftrag in dieser noch recht jungen Branche. Das müssen wir nach und nach ändern.

Unser größter Coup ist für uns deshalb, dass wir mit unserem Marktplatz genau den Leuten die Grundlage nehmen können, die die Branche mit Dreistigkeit und zwielichtem Handeln für sich selbst ausnutzen wollen.

5. Wie siehst du die derzeitige Situation in Deutschland? Haben sich die Bedingungen für euch verschlechtert oder verbessert, weil eben nicht mehr so viel „Speck“ da ist?

Die Kürzungen des EEG in Deutschland haben dazu geführt, dass für das Vermittlergeschäft eben nicht mehr 2-4 Prozent gezahlt werden können. Investoren werden vorsichtiger und haben ein deutlich höheres Bewusstsein für einen effizienten Markt entwickelt. Das kommt uns und unserem Geschäftsmodell zugute, weil es genau den wunden Punkt trifft, der zur Gründung unseres Unternehmens geführt hat.

6. In Österreich sind wir ja in der Situation, dass die Bedingungen fürs Vermittlungsgeschäft nie herausragend waren. Meist macht es nur Sinn, wenn die Anlage selbst betrieben wird, da kein Platz für Management Fees oder Provisionen ist. Könnte Milk The Sun in Zukunft auch für Österreich interessant sein?

Für Milk the Sun ist grundsätzlich jeder Markt interessant. Bisher haben wir zwar keine österreichische PV-Anlage verkaufen können, aber wir haben einige österreichische Kunden, die über Milk the Sun Anlagen in Deutschland und anderen Ländern erworben haben. Mittelfristig werden steigende Strompreise auch in Österreich dazu führen, dass PPA-Projekte interessanter werden. Ein solches Projekt befindet sich bereits in unserem Angebot.

7. Zum Schluss noch eine ganz andere Frage: Ich sehe viele Chancen für Internetstartups im Bereich der Ereuerbaren Energien. Das wären dann endlich mal sinnvolle Webstartups ;-) Wie siehst du das Unternehmerleben und was würdest du einem solaren Internet Start-up heute raten?

Machen! Auch wenn viele den Bereich erneuerbare Energien fälschlicherweise für unprofitabel halten, wird dauerhaft kein Weg an ihnen vorbeiführen. Der Markt benötigt innovative Ideen und Lösungen, die durch StartUps wunderbar vorangetrieben werden können. Wir sind stolz, es so weit geschafft zu haben, und wünschen neuen Unternehmen mit neuen, tollen Ideen im Bereich der Erneuerbaren viel Erfolg.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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