Radfahren im Winter

Schlechtes Wetter gibt es nicht

Wer von Ihnen schwingt sich im Winter auf den Drahtesel? Ja kennen Sie auch die kleine Überwindung wenn es draussen kalt und grau ist, der zweifelhafte Gang in den Fahrradkeller mit dem Gedanken „sollte ich heute nicht doch lieber in die U-Bahn steigen“? Aber spätestens wenn mann erst mal am Rad sitzt, der Körper aufgewärmt, die Luft frisch und klar und man bei den AutofahrerInnen vorbeibraust, ist es klar, dass sich die Entscheidung gelohnt hat. Neben mir denken sich das sicherlich viele StadtbewohnerInnen, denn laut VCÖ beutzen mittlerweile ca. ein Fünftel der RadlerInnen ihr Rad regelmässig auch im Winter. Radfahren ist nicht nur eine verdammt schnelle und dazu klimaschonende Fortbewegungsart, sondern auch ein aktives Fitnessprogramm, das dem „Winterspeck“ den Kampf ansagt. Aus diesem Grund finden Sie hier einige Tipps fürs Radvergnügen das ganze Jahr über. Dabei denke ich zu allererst an die richtige Ausrüstung und eine der Witterung angepasse Fahrweise.

Sichtbar bleiben

Zusätzliche Reflektoren und helle beziehungsweise reflektierende Kleidung verbessern die Sichtbarkeit. Im Winter ist es außerdem sinnvoll zusätzliche Batterielichter dabei zu haben, da der Dynamo bei Glätte manchmal durchläuft (zu Empfehlen ist ohnehin der verlässliche Nabendynamo!)

Sicheres Bremsen: Kontrollieren Sie regelmäßig die Bremsen! Diese sollten in sehr gutem Zustand sein, denn winterliche Witterungsbedingungen können den Bremsweg verlängern. Ein kleiner Tipp am Rande: wer den Sattel etwas tiefer stellt, kann bei einem gefährlichen Bremsmonöver schneller absteigen.

Beleuchtung: Das um und auf bei diffusen Lichtverhältnissen ist sehen und gesehen werden. Stand der Technik sind LEDs. Beim Fahrrad ist es wichtig, dass eine gute breite Ausleuchtung bei jedem Tempo gegeben ist. Standlichter sind bei Nabendynamos mittlerweile Standard. Schweinwerfer mit Aufblendlichtern werden die Zukunft der Fahrradbeleuchtung sein. Reflektierenden Felgen stellen eine Option zur Standardbeleuchtung dar.

Radbekleidung: Am wichtigsten ist es meiner Meinung nach, Hände und Füße warm zu halten, z.B. mit Fäustlingen, Isolierschuheinlagen und Neoprenüberzügen für die Schuhe. Wer im Winter eine längere Tour gmeacht hat, kann hier sicherlich beipflichten. Bei nassem, kaltem Wetter bietet Regenschutzbekleidung kombiniert mit wärmender Fleecefütterung den besten Schutz. Die Materialien sollten winddicht, wasserdicht und atmungsaktiv sein. Funktionsmaterialen aus Kunstfasern sind empfehlenswert, weil sie den Schweiß an die darüber liegende Schicht weiterleiten. Auch hier ein Tipp: Am besten kleidet es sich beim Radfahren im Winter nach dem „Zwiebelprinzip“: Die erste Schicht hält Feuchtigkeit vom Körper weg, die zweite Schicht bietet Schutz gegen Kälte (z.B. Fleece), die dritte Schicht schützt vor Wind und Wasser. Wichtig ist, dass keine dieser Schichten zu dick ausfällt!

Vorausschauend Fahren

Neben dem richtigen Equipment ist vor allem eine vorausschauende Fahrweise für das winterliche Radfahren essentiell: wenn Sie potentielle Gefahrensituationen frühzeitig erkennen, sollten Sie frühzeitig reagieren. Damit sind längere Bremswege kein Problem. Aus persönlicher Erfahrung möchte ich darauf hinweisen, dass die AutofahrerInnen im Winter, vor allem bei schlechtem Wetter, nicht mit RadfahrerInnen rechnen. Dazu sollte bedacht werden, dass diese bei schlechter Sicht und schmutzigen Windschutzscheiben RadlerInnen erst später erkennen. Hier ist höchste Vorsicht angebracht – Eitelkeiten wer im Recht ist (Vorfahrten etc.), sollten aus Selbstschutz hier aussen vor bleiben.

Im Winter mit dem E-Bike

Da mit dem E-Bike höhere Durchschnittsgeschwindigkeiten erzielt werden, ist E-Biken im Winter besonders herausfordernd. Bei nasser Fahrbahn und besonders bei Eisesglätte, sollten Sie gut überlegen, ob Sie auf das E-Bike aufsteigen. Hartgesottene Winter E-BikerInnen können andenken, Winterreifen mit Spikes anzuschaffen. Diese sorgen selbst bei geschlossener Schneedecke für hohe Sicherheit. Weiters ist beim E-Bike darauf zu achten, wo und wie es im Witner abgestellt wird. Die elektronischen Teile, besonders der Akku sind vor Nässe und Schnee zu schützen. Bei sehr kalten Temperaturen, sollte der Akku mit in den Wohnraum genommen werden. Die regelmässige Reinigung des Rades gewährleistet Langlebigkeit.

Neuerungen zum Radfahren

Radfahren liegt im Trend und auch 2013 wird es wieder mehr RadlerInnen im Alltag geben. Deshalb müssen auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen adaptiert werden – RadfahrerInnen brauchen mehr Raum und Sicherheit. Das Miteinander aller VerkehrsteilnehmerInnen soll harmonischer werden. Vor diesem Hintergrund wurde im Dezember eine StVo Novelle mit dem Titel „Fahrradpaket“ im Ministerrat beschlossen, die Ende Jänner dem Nationalrat vorgelegt wird. Wenn die Änderungen angenommen werden, gelten bereits ab April 2013 einige Neuerungen. Anbei die wichtigsten Änderungen für RadlerInnen auf einen Blick:

Telefonieren am Fahrrad ist ab 1.4.2013 verboten. Das Strafausmaß orientiert sich am Telefonieren im Auto ohne Freisprecheinrichtung (50 Euro).

Promillegrenze am Rad wurde nicht gesenkt und bleibt bei 0,8. Von Alkohol am Radl ist natürlich genauso abzuraten wie beim Auto.

Ausnahmen von der Benützungspflicht von Radwegen kann es in Aushnahmefällen geben, nämlich dort wo es Sicherheit und Flüssigkeit des Verkehrs erlauben. Dies soll für RadfahrerInnen gefährliche Situationen am Radweg (Bsp. Querungen) entschärfen.

Zu meiner Person: Mein Name ist Gerald Franz und ich bin NEU hier als Blogger. Beruflich beschäftige ich mich mit Fragen der nachhaltigen Mobilität und im Speziellen dem Radverkehr bei der NÖ Energie- und Umweltagentur. Darüber hinaus moderiere ich die Radiosendung „Radio Natural – das Umweltjournal auf O94.0“. In diesem Blog werde ich immer wieder zu Verkehrsthemen schreiben, aber auch zu weiteren Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes.

 
Posted in:
About the Author

Gerald Franz

Avatar

Mobilitätsexperte und Radbeauftragter bei der NÖ Energie- und Umweltagentur, Wirtschaftswissenschafter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.