Kann man Elektroautos falten?

Wir Menschen verwenden fundamental neue, technische Erfindungen am Anfang noch oft mit dem „alten Denken“ und den „alten Methoden“ und brauchen einige Zeit, bis wir die tatsächlichen Vorteile der neuen Erfindung erkennen. Ein Beispiel:
Als im Zuge der Industrialisierung Dampfmaschinen zu Fertigungszwecken verwendet wurden, standen diese meist außerhalb einer Fabrik, weil sie laut waren und schlechte Luft und beißenden Rauch produzierten. Zwischen der Dampfmaschine und der Fabrik befand sich häufig eine lange Welle, die die Drehbewegung der Dampfmaschine auf eine großes Rad innerhalb der Fabrik übertrug. Von diesem großen Rad aus wurden in weiterer Folge alle Maschinen innerhalb der Fabrik angetrieben.

Als der Elektromotor erfunden wurde, ersetzte man zuerst nur die Dampfmaschine mit dem Elektromotor. – Die echten Vorteile des E-Motors erkannte man noch nicht. – Erst im Laufe der Zeit, kamen man drauf, dass der Elektromotor eigentlich viel leiser war und keine Abgase produzierte, und dass es auch nicht notwendig war, einen großen, zentralen Elektromotor zu verwenden, sondern viele kleine auch reichten. Dann wurden mehrere kleinere Elektromotoren (je nach Maschine) in die Fabrik integriert.

Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. (Mark Twain)

Beim Wechsel vom Auto mit Verbrennungsmotor zum Elektroauto ist es ähnlich. Die neue Technik wird vielfach noch mit dem alten Denken verwendet: in ein klassisches Auto wird einfach ein Elektromotor eingesetzt. Dabei ergeben sich mit dem E-Motor gänzlich neue Möglichkeiten im Design (ich meine nicht die Hülle, sondern die Fahrzeugarchiktektur):
Getriebe und Kupplung fallen weg, Tank, Einfüllstutzen, Katalysator, Partikelfilter, Auspuffanlage ebenso. Die mechanischen Bremsen könnten durch elektromechanische ersetzt werden. (Momentan sind mechanische Bremsen noch gesetzlich verpflichtet.) Auch die Gelenkwellen könnte man streichen, wenn statt eines großen Motors, vier kleine verwendet werden. Stichwort Radnabenmotor: beim Radnabenmotor ist der Motor ins Rad eingebaut. Das würde die Motorleistung begrenzen (der sehr begrenzte Platz innerhalb des Rades begrenzt die Leistung), im Stadtverkehr spielt das aber keine Rolle. Durch die damit flexibleren Räder (die Lenkwinkel vergrößern sich) könnte man zum Beispiel ein Auto auf der Stelle drehen oder seitlich in eine Parklücke einparken. Sicherlich ist die Technik, vor allem in Bezug auf die Akkus, noch nicht ganz ausgereift, aber erste Ansätze sind schon erkennbar:

Neues Denken

Ein Beispiel für „neues Denken“ bei Elektroautos ist das „Hiriko electric car“. Es ist flexibel gebaut, kann ähnlich wie ein Kinderwagen, „zusammengeklappt“ werden und braucht nur ein Drittel des Platzes eines herkömmlichen Autos. Statt Seitentüren hat das Hiriko eine große schwenkbare Windschutzscheibe, die man aufklappen kann. Die Reichweite beträgt ca. 100 km, kosten wird das Auto etwas über € 16.000.-. „Hiriko“ ist ein Gemeinschaftsprojekt von mehreren Unternehmen und steht für das baskische Wort „städtisch“. Mit Jänner 2013 beginnt ein Pilotprogramm am spanischen Markt: „Hirikos“ sollen dort zunächst nur für Carsharing-Projekte zur Verfügung stehen.

Einen kurzen Einblick vom Hiriko bekommen Sie in diesem Video:

 
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About the Author

Valentin Heppner

Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

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