Klartext bei den neuen Photovoltaik-Einspeisetarifen

Ich habe zwar bereits in meinem Unternehmensblog darüber berichtet, aber nachdem sich die Massenmedien mal wieder nicht wirklich um DAS Energie-Ereignis der letzten Woche bemühen, müssen wir neuen Medien dafür etwas mehr tun. In Deutschland werden die neuen Einspeisetarife übrigens immer in allen möglichen und unmöglichen Medien veröffentlicht und diskutiert. Ich fürchte bei uns verstehen die meisten Leute einfach nicht, was das bedeutet und können sich deshalb gar nicht dafür interessieren. Wer den Unterschied zwischen Investitionsförderung und Tarifförderung nicht kennt, kann das hier nochmal nachlesen.

Ehrlich gesagt, kann ichs auch niemanden verdenken, der sich nicht mehr wirklich auskennt. Immerhin gab es im Jahr 2012 mindestens vier verschiedene Tarife für Photovoltaikanlagen (Spezialtarife der Energieversorger sind hier nicht berücksichtigt).

  • Tarif zu Beginn des Jahres aus dem ÖSG 2012  (1. Jänner) 23-27,6 ct/kWh
  • Netzparitäts-Tarif (1. Juli) 18 ct/kWh
  • Tarif 2012 aus der aktuellen Verordnung (18. September) 18,43-19,7 ct/kWh
  • Marktpreis für Anlagen ohne Tarifförderung, jedoch Investitionsförderung (ganzjährig) ~4,34 ct/kWh

Schön langsam kehrt jedoch Ruhe und vor allem etwas Klarheit ein und erstmals in der Geschiche der Photovoltaik in Österreich, weiß man bereits im September, mit welchen Tarifen man im Jänner rechnen kann und hat sogar reelle Chancen die Förderung auch zu bekommen, wenn man schon jetzt beginnt zu planen. Das Wort Planungssicherheit wage ich noch nicht zu verwenden, da es nach wie vor einen Deckel gibt und die Nachfrage vermutlich größer als das Angebot sein wird, aber die Bedingungen sind deutlich besser, als in den Jahren davor.

Hier die relevanten Tarife

Es ist wichtig, die 2012er Tarife erstmal komplett zu vergessen, da ohnehin kein Geld mehr vorhanden ist. Wir konzentrieren uns als auf die „Chancen“ für 2013. Die Unterscheidung in verschiedene Größenklassen wurde aufgehoben. Künftig wird lediglich zwischen Aufdach und Freiland unterschieden.

Für Aufdachanlagen ab 5 kWp gibt es 2013 18,12 ct/kWh für 13 Jahre, sowie einen unerklärlichen Investitionszuschuss von 200,-/kWp. Ich werde mich hier nicht nochmal über die bürokratische Sinnfreiheit dieser Maßnahme beschweren und es einfach hinnehmen. Wem eingefallen ist das unsinnige max. 30% der Investitionskosten noch mit in den Gesetzestext zu nehmen, hatte offensichtlich NULL Ahnung, was die Anlagen derzeit kosten. Bei den billigsten Anlagen von 1600,-/kWp wären das nämlich 480,-. Eine Formulierung wie max. 10% der Investitionskosten wäre wohl etwas realitätsnaher gewesen… aber ich will gar nicht so genau wissen, wie solche Texte entstehen…

Für Freilandanlagen gibt es 2013 sportliche 16,59 ct/kWh. Ganz offensichtlich sollen Freilandanlagen in Österreich so gut wie möglich vermieden werden. Wer diesen Preis schafft darzustellen, muss schon sehr gut unterwegs sein. Noch deutlicher wird dieses Anliegen, wenn man die Bedingungen für den Netzparitätstarif ansieht (siehe weiter unten).

Was heisst Förderung für Großanlagen läuft aus?

Ich war etwas verwirrt durch so manche Aussagen in anderen Medien wo geschrieben wird: Förderung für Großanlagen über 500 kWp läuft aus. Aus meiner Wahrnehmung wurden auch 2012 schon keine Anlagen mehr gefördert, die über 500 kWp waren. Die Headline „Großanlagenförderung läuft aus“, ergibt für mich deshalb keinen Sinn. Die letzten großen Anlagen kamen nur aus der Warteliste von 2011, oder hab ich da etwas verpasst? Ich vermute, dass etwas anderes gemeint ist. Wenn ich die Verordnung richtig gelesen habe  wird der Netzparitätstarif in Zukunft nur mehr für Aufdachanlagen und nicht mehr für Freilandanlagen gewährt.

(4) Ab dem 1. Jänner 2013 ist die Gewährung eines Netzparitäts-Tarifs gemäß § 14 Abs. 6 ÖSG 2012 für Photovoltaikanlagen, die auf hierfür geeigneten Freiflächen errichtet werden, ausgeschlossen.

Dazu muss man jedoch wissen, dass der Netzparitäts-Tarif erst dann zur Geltung kommt, wenn die 8 Mio. aus der regulären Förderung ausgeschöpft sind und dann vermutlich 18ct/kWh beträgt. Ich konnte zur genauen Höhe des Netzparitätstarifes leider nichts finden. Falls das jemand bestätigen kann, bin ich dankbar. Die Headline müsste als lauten: „Netzparitätsförderung für Freilandanlagen“ läuft aus – die aus dem regulären Topf bleibt aber bestehen. Leider versteht das dann schon wieder niemand mehr.

Was heisst das im Klartext?

Wer jetzt noch schnell seine Anlage plant, bekommt für Aufachanlagen bis 500 kWp 18,12 ct/kWh und zusätzlich 200,-/kWp was einem Tarif von 20,20 ct/kWh entspricht. Mit den 8 Mio. Förderung sollten etwa 50 MW unterstützt werden können. Sind diese weg, bekommt man 18 ct/kWh solange bis der Netzparitätstopf ausgeschöpft ist, welcher 18 Mio. beträgt und nach dem First come First serve Prinzip unter PV, Wind und Kleinwasserkraft aufgeteilt wird, wobei bei PV eben nur noch Aufdachanlagen zum Zug kommen.

Was lernen wir daraus? SCHNELL ANFANGEN ZU PLANEN und vor allem in Aufdachanlagen investieren!

Falls ich mit dem Netzparitäts-Tarif falsch liege, bitte um einen kurzen Kommentar! Ich habe mich auch auf Info.gram bemüht eine Grafik dafür zu erstellen. Leider ließ sie sich nicht einbetten.

 

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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