Neue, deutsche Studie über die Zukunft von E-Autos

Mitte Juli veröffentlichten das „Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das „Frauenhofer Institut für Solare Energiesysteme“ (ISE), das „Institut für Hochspannungstechnik“ (IHT) der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und die „Forschungsgemeinschaft für elektrische Anlagen und Stromwirtschaft Aachen“ (FHG) die Studie „Perspektiven von Elektro-/Hybridfahrzeugen in einem Versorgungssystem mit hohem Anteil dezentraler und erneuerbarer Energiequellen“.

Imagefilm des DLR:

Warum überhaupt Elektroautos?

Die deutsche Bundesregierung und die Europäische Kommission wollen die Temperaturerhöhung durch den Treibhauseffekt auf 2°C begrenzen. Dazu muß Deutschland sowie die anderen Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen bis 2050 um zumindest 80% verringern. Das bedeutet für den Sektor „Verkehr“ in Deutschland, dass der Energieverbrauch um ca. 40% reduziert werden muß und der Anteil der Erneuerbaren an der Gesamt-Endenergie (= die Energie, die beim Endverbraucher ankommt) bei 45%-50% liegen sollte. Weitere Gründe für den Umstieg auf E-Autos sind der zum Teil hohe Ölpreis und die – auf lange (?) Sicht – mangelnde Versorgungssicherheit von fossilen Treibstoffen.

Die Erreichung dieses 80%-Zieles wird im Verkehrssektor besonders schwierig, weil einerseits für Fahrzeuge die Wasserstoff- und die Batterie-/Speichertechnologie noch nicht ausgreift ist. Und weil andererseits Biomasse (für Biokraftstoffe) nur sehr begrenzt verfügbar ist, mit der Nahrungsmittel-Produktion konkurriert und auch für die Strom- und Wärmeerzeugung genutzt wird. Ein großangelegter Biomasse-Import kommt nicht in Frage, weil weltweit die Anbaumöglichkeiten von Biotreibstoffen beschränkt sind, und andere Länder ebenso ihre Klimaschutzziele verfolgen und nicht auf Biomasse vollständig verzichten werden.

Das bedeutet, dass es eines grundlegenden Wandels im Sektor Verkehr bedarf.

Annahmen der Studie

Die Wissenschafter gehen von einem Fahrzeuganteil von 34% Hybridfahrzeugen und 28% batteriebetriebener Fahrzeuge aus. Das entspräche ca. 27 Mio Elektrofahrzeugen und einem Verbrauch von 53,5 Twh pro Jahr in Deutschland. (Das sind etwas 10% des momentanen deutschen Stromverbrauchs.)

Ergebnisse der Studie

  • Auch wenn der Stromverbrauch durch mehr E-Autos ansteigt, würde der Energieverbrauch im Individualverkehr um 2/3 sinken, weil E-Autos effizienter arbeiten, als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor.
  • Bei der Verwendung von erneuerbaren Energien würde der CO2-Ausstoß um 80% sinken!
  • Elektroautos könnten das Stromversorgungssystem insofern entlasten, als sie Lastspitzen und somit die Erzeugung von Strom aus nicht erneuerbaren Energieträgern reduzieren . Allerdings müßte dazu der Be- und Entladevorgang und die Stromverteilung gesteuert werden (=Vehicle to grid). Laut der Studie könnten E-Autos die Überschußleistung bei der Stromerzeugung um bis zu 20GW verringern.

Allerdings geben die Autoren der Studie zwei Dinge zu bedenken: einerseits ist es schwierig, die Vehicle-to-grid-Entwicklung abzuschätzen. Andererseits würde ein ausgereiftes Erzeugungsmanagement und ein gut ausgebautes europäisches Versorgungsnetz mehr zum Ausgleich von Last und Stromerzeugung beitragen als die E-Autos. Bin gespannt, wie das weitergeht!

 
About the Author

Valentin Heppner

Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

3 Comments

  1. Lieber Ökomann, dass kann ihnen aber egal sein, wenn sie sich den strom selbst erzeugen, was langfristig ja heute schon wirtschaftlich ist.

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