Indisches Auto fährt mit Druckluft

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Laut „Weltgesundheitsorganisation“ – WHO liegen zwei von den Top-10-Städten mit der stärksten Luftverschmutzung in Indien. Deshalb ist dort die Motivation nach saubereren Lösungen für den Stadtverkehr zu suchen, wesentlich größer als bei uns.

Schon Anfang der 90er Jahre baute der ehemalige Formel 1-Motorkonstrukteur Guy Nègre Druckluftmotoren. Mehr als Prototypen kamen dabei aber nicht heraus. 2007 kaufte Indiens größter Autokonzern Tata Motors von Nègres Firma MDI (Motor Development International) die Lizenzen für das Druckluftauto und wollte mit dem „Tata Air Pod“ ursprünglich 2009 in Produktion gehen. Seit damals verkündet Tata jedes Jahr: „aber nächstes Jahr wirklich“. Nun sieht es tatsächlich so aus, als würde die Produktion bald beginnen: an zwei Fahrzeugen wurden die technischen Versuche abgeschlossen, im Laufe dieses Jahres will Tata die Antriebstechnik serienreif machen.

Wie funktioniert ein Druckluftauto?

Das Auto besitzt einen Tank/Druckluftbehälter, in den gepresste Luft gefüllt wird. Im Motor expandiert diese Luft in einem Zylinder, treibt einen Kolben an, der – wie bei einem Verbrennungsmotor – seine Auf/Ab-Bewegung über eine Welle in eine Drehbewegung umwandelt.

Eckdaten des „Air Pod“

Die Reichweite liegt bei ca. 120-150km. Ein Tank fasst 260 Liter. Die Luft wird auf 249 bar komprimiert (mit 800 bar Tanks könnte die Reichweite noch um einiges ansteigen). Das gesamte Auto ist zwei Meter lang, hat vier Sitze, wiegt 220kg, davon entfallen 24kg auf den Motor, der 5kW liefert. Die Maximalgeschwindigtkeit liegt bei 70km/h. Der Air Pod kostet ca. 7000 €. Ein Nachtanken ist entweder an einer Druckluftstation möglich (dauert ein paar Minuten), oder an der Steckdose: Ein kleiner Kompressor ist im Auto eingebaut (dauert länger). Die Tankkosten liegen um 1€/200km. (Davon können wir momentan nur träumen!)

 

Was sind die Vorteile eines Druckluftautos?

  • Luft ist überall.
  • Ein Druckluftauto hat mehr bewegliche Teile als E-Auto, aber immer noch relativ wenig im Vergleich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor.
  • Sofern der Strom für die Kompression der Luft aus erneuerbaren Energien stammt, fährt es mit 0 Emissionen.
  • Es hat niedrige Wartungskosten und eine lange Lebensdauer.
  • Ein Führerschein ist nicht erforderlich (ob das ein Vorteil ist, lasse ich einmal offen).
  • Sowohl bei Verbrennungs- als auch bei Elektromotoren kann es zu Funkenbildung kommen. Bei Druckluftmotoren kann es zu keiner Funkenbildung kommen, weshalb Fahrzeuge mit Druckluftmotoren bisher gerne in explosiven Umgebungen eingesetzt werden (zB Bergbau).

Nachteile:

  • Druckluft ist einer der teuersten Energieträger. (Schon einfache Bleibatterien haben eine höhere Energiedichte als Luftdrucktanks.) Bei der Kompression von Luft entsteht Wärme, die, wenn sie nicht verwendet wird, einfach verloren geht.
  • Druckluft muß in einem mehrstufigen Prozeß entspannt und erwärmt werden. (So wie bei der Kompression Wärme entsteht, führt umgekehrt die Entspannung der Luft zu einer Abkühlung. Wenn ein Entspannungsmotor zu sehr abkühlt sinkt seine Leistung. Deswegen muß die Luft zwischen Tank und Motor erwärmt werden.)
  • Ein Crashtest ist beim „Air Pod“ noch ausständig.
  • Bei einem wissenschaftlichen Vergleich zwischen Autos mit Verbrennungsmotor und Druckluftmotor von der  „University of California“ in Berkeley unterlag 2009 das Druckluftauto deutlich.

Wie auch immer. In ca. einem Jahr, wenn Tata mit der Serienproduktion begonnen haben wird, werden wir also mehr wissen und vielleicht schon auf die ersten Erfahrungswerte zurückgreifen können!

 

 
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Valentin Heppner

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Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

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