Worauf sollte man beim Modulkauf achten?

Polykristallines oder Monokristallines Modul? (c) sxc.hu

Ich war im Juni auf der Intersolar und hab mich im deutschen Markt mal wieder nach interessanten Infos und Unternehmen umgesehen. Ein interessanter Gesprächspartner war Franz Josef Fellmaier, der Anlagenbauer dabei berät, welche Module sie einkaufen sollen. Er schaut sich regelmäßig Produktionslinien an und da hab ich mir gedacht, dass ich ihm ein paar Fragen stelle, die auch ich sehr oft zu hören bekomme.

Welche Module würden Sie für Dächer in Österreich empfehlen?

Dünnschichtmodule haben aufgrund der veränderten Preissituation für Dachanlagen praktisch ausgedient. Daher empfehlen sich – selbst für Ost- oder West-ausgerichtete Dächer egal welcher Neigung – kristalline Module. Auch wenn es marginale Unterschiede zwischen mono- und polykristallinen Modulen gibt, sind poly-Module wegen der günstigeren Herstellung, besserer Verschaltbarkeit und geringerer Leistungsdegradation meist die bessere Wahl.

Was ist ihrer Meinung die wichtigste Qualitätseigenschaft eines Moduls?

Leider stecken die wichtigsten Materialien und Eigenschaften im Inneren des Moduls. Für die Modulqualität ist insbesondere die Güte der EVA-Folie und deren eng temperaturgeführte Lamination, eine gute Zell-Verlötung, sowie das chemische Zusammenspiel der eingesetzten Komponenten ausschlaggebend. Diese lassen sich von außen jedoch nur schwer erkennen. Da auch der IEC-Test nur eine unzureichende Aussage zur Modulqualität gibt und langfristige Ertragsvergleiche nur für ältere Module verfügbar sind, empfiehlt sich auch hier die Beratung durch erfahrene Verkäufer.

Europäische oder chinesische Module? Wie kann ich als Endkunde guter von schlechter Qualität unterscheiden?

Der deutsche Markt hat diese Frage mit einer Verschiebung von über 80% Marktanteil für europäische Hersteller hin zu ca. 70% Marktanteil für chinesische Hersteller entschieden. Tatsächlich haben diese häufig die neueren Produktionslinien, arbeiten auf höchstem technischem Niveau und unterhalten große Entwicklungsabteilungen, während viele europäische Hersteller mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen haben. Allerdings sollte dann nur auf führende und am besten auch in anderen Branchen erfolgreiche Hersteller zurückgegriffen werden, da diese mit höherer Wahrscheinlichkeit auch in 20 Jahren noch zu greifen sind.

Wie sehen Sie das Thema Ammoniak bei Anlagen auf landwirtschaftlichen Dächern, auf welches Gütesiegel sollte man achten?

Führende Hersteller haben ihre Module auf Ammoniak-Beständigkeit testen lassen. Dabei hat sich bei praktisch allen herausgestellt, dass die Standardmodule ohne jegliche Veränderungen den Test bestanden. Man kann davon ausgehen, dass die zumeist eingesetzten Module Ammoniak-beständig sind. Fragen Sie jedoch zur Sicherheit bei Ihrem Installateur nach.

Wie wichtig ist die Rückversicherung der Hersteller im Fall einer Pleite der Firma, ist das eher Marketing oder ist es doch wichtig?

Die meisten Hersteller haben entsprechende Rückversicherungs-Policen wieder abgesetzt, da diese sehr teuer sind und insbesondere für den kleinen und mittleren Kunden de Facto keine Absicherung bieten. Meistens wurden sie tatsächlich eher aus Marketinggründen eingesetzt. Viel wichtiger sind die wirtschaftliche Stabilität des Herstellers selber und natürlich, bereits beim Kauf auf ein gutes Modul zu achten. Grundsätzlich ist aber zu sagen, dass die Module ihre Kinderkrankheiten überwunden haben und der Austausch von Modulen, die nach dem „Chaos-Jahr“ 2010 produziert wurden/werden nur in seltensten Fällen notwendig ist.

Vielen Dank für diese interessanten Antworten. Ist jemand unter den Lesern anderer Meinung? Welche Fragen interessieren euch außerdem? Dieses Interview und noch mehr Infos zu verschiedenen Modularten erscheint in der aktuellsten Ausgabe des Fortschrittlichen Landwirts der im Juli eine Sonderbeilage „Photovoltaik“ beiliegt. Mal sehen ob dies einen Boom unter den Landwirten auslösen wird, ich könnts mir gut vorstellen!

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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