Wikinger als Elektroauto-Pioniere

Am 11. Juni entschied das norwegische Parlament – mit der Zustimmung aller Parteien (! Alle. Das muß man sich einmal vorstellen! In Österreich wäre das, glaube ich, ein Ding der Unmöglichkeit!), – die zur Zeit bestehenden Vorteile für Elektroautos entweder bis 2018 oder bis 50.000 Elektroautos auf Norwegens Straßen zugelassen sind, beizubehalten. 50.000 Elektroautos sind ein gutes Ziel, um aber einen für die Autoindustrie interessanten Markt darzustellen, geht die Norwegische Elektroauto-Vereinigung „Elbil“, die seit 20 Jahren an der Einführung von Elektroautos arbeitet, von 100.000 zugelassenen Elektroautos aus und will dieses Ziel bis 2020 erreichen.

Norwegen verfügt weltweit über die höchste Anzahl von Elektroautos pro Einwohner. Absolut sind es etwas über 7000 (bei nur 5 Mio Einwohnern), relativ 2,5% der Neuwagenverkäufe. Zum Vergleich: weltweit gibt es etwas über 50.000 Elektroautos zugelassen. Auch die Infrastruktur dafür ist schon weit gediehen: es existieren landesweit ca. 3200 Ladestationen für Elektroautos, 70 Schnelladestationen sind im Bau.

Folgende Vorteile werden Elektroauto-Besitzern gewährt:

  • Sie zahlen keine Mehrwertsteuer (25%).
  • Sie zahlen keine Kaufsteuer (ähnlich unserer NOVA). (Diese beiden Steuern zusammen können in Norwegen bis zur Verdoppelung des tatsächlichen Autopreises führen!)
  • Sie dürfen Busfahrbahnen benutzen.
  • Sie zahlen keine Parkgebühren in den Städten.
  • Sie zahlen keine Autobahngebühren.

Zusätzliche Vorteile

Weiters kommt der realitv günstige Strompreis Elektroauto-Besitzen entgegen: Strom in Norwegen kostet 6-7 Cent/kWh (in Österreich knappe 14 Cent). 98% der gewonnen Energie Norwegens stammt aus Wasserkraft, es existiert nur ein Kohlekraftwerk und keine Atomkraftwerke. Obwohl das Land ein wichtiger Erdölförderer (3% der weltweiten Förderung) ist, wird das Erdöl und -gas wird nicht zur Energiegewinnung verwendet. Außerdem verfügt Norwegen – durch die Größe und Gebirgigkeit des Landes – über eine relativ dezentrale Energie-Versorgungsstruktur. Es gibt diverse kleine und größere, private und öffentliche, lokale und staatliche Energie-Versorger.

Unten ein Video von der Elektroauto-Parade am 11. Juni beim norwegischen Parlament. Beachten Sie bitte die Vielfalt der Autotypen!

Kältetod für Elektroautos?

Das immer wieder geäußerte Argument, dass Kälte der Tod von Elektroautos ist (die Heizung eines Elektroautos kostet im Winter ca. 1/6 der Reichweite.), scheint sich in Norwegen nicht zu bewahrheiten. Das Land, das mit Grönland auf einer ähnlichen Höhe liegt, ist zwar klimatisch begünstigt durch den Golfstrom, trotzdem liegen die Durchschnittstemperaturen im Winter um ca. 4 Grad unter denen Wiens und -40 Grad sind speziell in bergigen oder tiefernen Regionen abseits der Westküste keine Seltenheit.

 

Alles ist aber auch in Norwegen nicht Eitel, Wonne und Sonnenschein: Die Norwegen haben durch den günstigen Strom ein eher gering ausgeprägtes Energiespar-Bewußtseinden und weltweit den höchsten Stromverbrauch pro Kopf: es wird hauptsächlich mit Strom geheizt, Licht und Geräte rennen oft permanent – weil´s eh nix kostet.

 

 
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Valentin Heppner

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Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

3 Comments

  1. Ich weiß nicht, wie es in Österreich aussieht, aber hier in Deutschland hat das Elektroauto noch einen SEHR langen Weg zu bestreiten. Selbst die scheinbar für das junge Publikum attraktiven Leichtkraftfahrzeuge (http://www.leichtkraftfahrzeuge.net/) sind fernab vom Mainstream. Man sollte sich doch ein Beispiel an Norwegen nehmen, da der Artikel doch sehr gut beschreibt und bestätigt, dass Elektroautos kein Thema für Science-Fiction mehr sind.

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