Finanzwirtschaft vs. Realwirtschaft am Beispiel der Solarenergie

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Realwirtschaft vs. Finanzwirtschaft in der Solarenergie (cc) sxc.hu | Jorge Vicente

Realwirtschaft und Finanzwirtschaft, diese beiden Wörter hört man seit Beginn der Finanzkrise sehr oft. Ich wage aber mal wieder zu behaupten, dass auch diese Termini nicht für jeden Österreicher und jede Österreicherin sonnenklar sind, schon gar nicht im Zusammenhang mit Photovoltaik. Da ich gerade über einen Wirtschaftsblattartikel gestolpert bin, in dem es heisst „Hände weg von deutschen Solarmoduherstellern„, möchte ich hier kurz auf das Thema eingehen. Vorweg: Ich finde es etwas schwach, dass dieser Artikel erst im März 2012 erschienen ist. Am Höhepunkt der medialen Solarhetze und NACH massiven Kursverfällen darauf hinzuweisen, dass Modulhersteller derzeit nicht die sicherste Anlageform sind, ist dann doch etwas schwach. Das Geld war bei den meisten dann eh schon futsch. Besser wäre es gewesen eben die letzten Jahre aufzuklären, dass bei fallenden Anlagenpreisen vor allem die Projektentwickler und Anlagenbesitzer profitieren und nicht die Modulhersteller, die unter massivem Preisdruck stehen. Nun aber zurück zum Thema und warum die Realwirtschaft nicht nur in der Solarenergie, die meist sicherere, wenn auch konservativere Anlageform ist.

Finanzwirtschaft und Photovoltaik

In der Aktienwelt geht es meistens um Erwartungen in die Zukunft. Ein Unternehmen zerstückelt seinen angeblichen Marktwert in Millionen kleine Teilchen und schaut, wie viel die einzelnen Akteure bereit sind, für die kleinen Stücke zu zahlen. Je nachdem wie sehr man glaubt, dass die Teilchen in der Zukunft mehr wert sein werden, ändert sich der Aktienpreis und der fiktive Unternehmenswert. Bei Solarmodulherstellern führte das die letzten Jahre zu folgenden Entwicklungen. Wer vor 2008, als der Megaboom in Spanien und Deutschland einsetzte, Aktien von Modulherstellern gekauft hatte, konnte sich zu der Zeit als die Nachfrage explodierte und zu wenig Module verfügbar waren, über eine Menge Geld freuen. Ob man das Geld behielt, hing davon ab, ob man sich rechtzeitig vor dem Crash zurückgezogen hatte. Seit 2008 sind die Modulpreise aufgrund des ungleichen Wettbewerbes mit chinesischen Herstellern immer weiter gefallen.

Die Zuversicht, dass mit Modulen noch fette Margen zu erwirtschaften sind, ist seither moderater geworden und da klar ist, dass nicht alle Hersteller die Konsolidierungsphase der nächsten Jahre überleben werden, sind die Kurse derzeit im Keller. Der nächsten Hoffnungsträger sind die weltweite Grid-Parity, welche uns in wenigen Jahren von dem leidigen Förderthema befreien wird und eben die große Frage, wer das Massaker überlebt haben wird und vom weltweiten Roll-out profitieren wird.

Man sieht jedenfalls wie sehr man bei der Finanzwirtschaft, besonders im Solarbereich von externen Rahmenbedingungen abhängig ist. Das Unternehmen kann noch so tolle Gewinne schreiben, wenn das Umfeld gerade schlecht ist, siehts eben düster aus. Dieses Thema kann man nun auf sehr viele andere Bereiche umlegen und beschreibt wohl die dunklere Seite der Finanzwirtschaft. Freilich können Profis hier trotzdem tolle Gewinne rausschlagen. Zu denen gehört die Mehrheit aber wohl nicht. Leider ist die Aussicht auf schnelle Gewinne, die zu machen sind, wenn sich die Rahmenbedingungen plötzlich ändern, noch immer sehr verlockend für unsere Spezies.

Realwirtschaft und Photovoltaik

In der realen Welt kann man nun mit den hergestellten Modulen allerhand anfangen und da kommen wir in die Realwirtschaft. Mit den Modulen werden Kraftwerke gebaut, die Strom erzeugen. Dieser Strom wird ins Netz eingespeist und man bekommt entweder über den freien Markt oder über geförderte Einspeisetarife Geld für jede einzelne erzeugte kWh. Projektentwickler rund um den Globus haben nun Systeme entwickelt um mehr Gelder für den Bau von Anlagen einzusammeln und ermöglichen es, dass man sich an einzelnen Kraftwerken beteiligen kann, ähnlich wie man sich mittels Anleihen an Unternehmen direkt beteiligt. Man kauft also einen Teil des Kraftwerks und bekommt jährlich oder oft sogar monatlich anteilig Gelder aus der Produktion. Die Laufzeiten sind hier meist länger und die Renditen nach oben hin begrenzt, da man dank jahrhundertelanger Wetteraufzeichnungen schon ziemlich genau weiß, wie viel Sonne pro Jahr auf die Anlage kommen wird. So gesehen ist es wie eine Mietwohnung, bei der die Auslastung auf 20 Jahre genau vorhersagbar ist.

So richtig in die Realwirtschaft kommen wir natürlich dann, wenn man statt in Aktien, in eine eigene Anlage investiert und so jederzeit Einblick in die Produktion hat. Natürlich ist alles auch mit Risiken verbunden, aber unterm Kopfpolster wird’s auch nicht mehr.

Ich hoffe ich konnte hier auch Laien einen Einblick in die solaren Wirtschaftsthemen geben und auch wieder darauf hinweisen, dass die Zukunft generell in der Realwirtschaft steckt. Luftschlösser und „Pyramiden“ sollen andere bauen.

Disclaimer: Die oben stehenden Ausführungen sind meine persönliche Meinung und sollen in keinster Weise eine Investitionsempfehlung sein.

 

 
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Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.