Weltgrösste elektrische Öffi-Flotte in China

Um den zunehmenden Umweltbelastungen und steigenden Treibstoff- und Haltungskosten der Öffi-Flotte entgegen zu wirken, erweitert die südchinesische Stadt Shenzhen die Fahrzeuge der öffentlichen Verkehrsmittel von bisher 200 Elektro-Bussen und 300 Elektro-Taxis auf weitere 1000 Busse, bzw. 500 Taxis der Firma BYD. Gleichzeitig stärkt die Stadt dadurch ihre eigene Wirtschaft und senkt CO2-Emissionen.

Die Stadt Shenzhen

Shenzhen befindet sich knapp nördlich der ehemals britischen Kolonie Hongkong, hat den Status einer Sonderwirtschaftszone (das bedeutet: administrative und rechtliche Erleichterungen für Investoren) und ist eine typische, chinesische Planstadt: 1979 beschloß die Zentralregierung aus dem 30.000 Einwohner-Kreis eine Stadt zu machen. Heute wohnen 12 Mio Menschen in Shenzhen, das wirtschaftlich von etlichen Hightech-, Elektronik- und Telekomkonzernen dominiert wird. Shenzhen verfügt über 5 U-Bahn-Linien, 758 Busrouten und fast 13.000 Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs mit ca 8,8 Mio Passagieren pro Tag.

Der Test

Im April 2010 startete der Autohersteller BYD in Kooperation mit der Stadt eine einjährige Testphase mit einigen Elektro-Bussen und 50 -Taxis. Nach einem heißen Sommer, einem kalten Winter und erfreulichem Feedback von den Fahrgästen, zog BYD ein positives Resümee. Die zwei wichtigsten Ergebnisse des Tests waren einerseits eingesparte Treibstoffkosten von ca. € 270.000.- (bei 2,74 Mio gefahrenen Kilometern). Andererseits, dass die verwendeten Lithium-Eisenphosphat-Akkus trotz Schnelladungen keinen Leistungsabfall aufwiesen.

Die Fahrzeuge

Der Bus der Firma BYD vom Typ K9 ist ein reiner Elektro-Niederflurbus, der auf Bequemlichkeit und Fahrkomfort ausgelegt ist. Er verfügt über 32 Plätze (inklusive Fahrer), einen 160kW Motor, eine Maximalgeschwindigkeit von 100km/h, und eine Reichweite von ca. 250km im Stadtverkehr (mit Hilfe von am Dach befestigten Solarzellen!). Die Ladezeit beträgt 3-5h. Alle Chemikalien und Bestandteile der Lithium-Eisenphosphat-Akkus können vollständig recycelt werden.

Das Taxi vom Typ E6 ist ein Crossover (also ein Mittelklassewagen mit Stilelementen von Geländefahrzeugen) mit fünf Sitzplätzen. Es enthält einen 75kW Motor, die maximale Geschwindigkeit liegt bei 140km/h, die maximale Reichweite bei 300km. Der Schnelldade-Vorgang dauert 40 min, die Standard-Ladung 6h.

 

In diesem Werbevideo von BYD bekommen Sie einen ersten Eindruck von den Fahrzeugen:

 

Die Pläne und Anreizprogramme

Nächstes Jahr soll die Bussflotte auf 4000 Stück wachsen. Das wäre fast ein Drittel der Gesamtflotte von Shenzhen. Bis 2015 ist eine Erweiterung auf 6000 Fahrzeuge geplant. Die Kosten eines Busses entsprechen den Treibstoffeinsparungen von fünf Jahren.

Seit Anfang März kann man sich als Einwohner der Stadt bei der Shenzhen-Polizei registrieren (ungewöhnlich für uns Europäer, dass solche Maßnahmen von der Polizei stammen) und bekommt dann einen Stern als Auszeichnung, wenn man mindestens 30 Tage pro Jahr auf das Privatfahrzeug zugunsten von Öffis verzichtet. Bis Mitte März haben sich fast 7000 Personen angemeldet. Die eifrigsten kriegen den Titel „grüne Pendler“ verliehen, zahlen weniger Kfz-Versicherung und kriegen Vergünstigungen bei Parklizenzen.

 

Sensationelle Idee! Da könnte sich die Stadt Wien etwas abschneiden.

 
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Valentin Heppner

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Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

2 Comments

  1. Elektrobusse von BYD fahren inzwischen in vielen Städten weltweit, auch in Deutschland wurden mit diesen Bussen schon langzeittests unternohmen, allerdings haben es chinesische Busbauer relativ schwer in Deutschland. Aber auch europäische Busbauer, wie z.B. Solaris bieten sehr interessante und vor allem wirtschaftliche Lösungen für Elektromobilität im öffentlichen Personenverkehr.

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