Die Zukunft des Elektro-Autos

Ende des 19. Jahrhunderts (1800 – 1899) stellte, neben dem zu-Fuß-Gehen, Pferde und Pferdekutschen das Hauptverkehrsmittel in Städten dar. Pferde und Pferdekot waren in vielen größeren Städten der westlichen Welt eines der Hauptprobleme. In New York City starben zum Beispiel in den 1890ern ca. 40 Pferde täglich und blieben oft auf der Straße liegen. 2 Mio Pfund Pferdekot (907 Tonnen) entstanden täglich. Beides führte, abgesehen vom Geruch und den Fliegen auch zu gesundheitlichen Problemen. (In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen im Zuge der Industrialisierung viele Städte enorm zu wachsen. Damit veränderte sich auch das Transportwesen: seit den 1830er Jahren kamen zuerst in Amerika, dann auch in Europa Pferdebahnen (also die Vorläufer der Straßenbahnen) und Pferde-Omnibuslinien, immer mehr zur Anwendung.)

Erst ca. mit der Jahrhundertwende (1900) nahm die Elektrifizierung (Straßenbahn, …) und die Verwendung von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor zu. Diese Motorisierung löste die Pferdekot-Frage, erzeugte aber neue Probleme. Unter anderem bekam das Thema „Lärm“ einen anderen Stellenwert. Waren davor das Klappern der Pferdehufe und das Läuten von Glocken die Hauptgeräuschquellen, waren es danach die Geräusche von Verbrennungsmotoren: Einerseits durch die höher werdenden Häuser, die den Schall verstärkten und andererseits durch die zunehmende Motorisierung.

Warum setzte sich das Auto durch?

  • es fährt schneller,
  • kann größere Steigungen überwinden,
  • kostet weniger in der Erhaltung: das Auto verursachte (damals) fast nur Kosten, wenn es benutzt wurde, Pferde brauchen permanent Nahrung,
  • Autos brauchen weniger Platz als Fuhrwerke (wichtig in Städten),
  • Autos erzeugen keine Kot (dafür aber Lärm, Abgase usw.),
  • am Land ist man vor Staub besser in einem Auto als in einem Furhwerk geschützt.

 

Wie wäre das Pferdekot-Probleme gelöst worden, wenn der Verbrennungsmotor nicht erfunden worden wäre?

Vielleicht hätte man ein

  • Minus 30%-Pferd gezüchtet (-30% weniger Kot),
  • ein großes Pferd, das zwar mehr Kot produziert aber auch mehr Menschen transportieren kann, verwendet
  • ein Pony benutzt, das zwar weniger ziehen kann, aber auch weniger Kot produziert
  • ein geruchloses Pferd gezüchtet, das gleich viel Kot erzeugt, der aber besser riecht.

Viele Vorschläge für den heutigen Verkehr ähneln diesen Pferdekot-Vorschlägen:

  • Das 3-Liter Auto (weniger Spritverbrauch)
  • Kleinere Autos, die weniger Treibstoff brauchen
  • Größere Autos/Kleinbusse, die mehr Menschen transportieren können
  • Mindestgeräusch-Pegel für Elektroautos wegen der Sicherheit

 

Viele dieser Gedanken machte sich „John Geraci“ in folgendem Video:

Er unterscheidet dabei zerstörende (radikal neue) und erhaltende (Verbesserungen des Bestehenden) Innovationen (disruptive and susatining innovation).

Unter zerstörenden Innovationen versteht er:

  • sie brechen mit der Vergangenheit,
  • kippen den status quo,
  • sind oft billiger und einfacher,
  • oft aber nicht wirklich besser, weil sie neue Probleme erzeugen.

Erhaltende Innovation sind

  • besser
  • schneller
  • größer
  • sicherer
  • oft teurer

 

Die Frage, die ich mir nun stelle:

Ist das Elektro-Auto – in diesem Sinne – eine disruptive oder erhaltende Innovation?

 

Was meinen Sie?

 

 

 
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About the Author

Valentin Heppner

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Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

3 Comments

  1. Ein sehr guter Beitrag, eine gute Frage. Hier ergibt sich Gelegenheit, auszusprechen: SICHER brauchen wir mit der gleichen anzahl Elektroautos die gleiche Basis-Infrastruktur wie Strassen und Verkehrsleitsysteme des Strassenverkehrs und deren Erhaltung. Hier wird also sicher nichts billiger oder „grüner“.
    Ich stelle dem gegenüber die elektrisch betriebene Eisenbahn (U-Bahn, S-Bahn,…).
    Kombiniert man diese beiden Ansätze, wird es erst richtig interessant: Kombinatorik bringt neue Muster.
    Insoferne sehe ich die bisherigen Ansätze des E-Autos als erhaltende Innovation. Die Kombinatorik mit anderen E-Mobilen wie dem Zug aber kann radikal neue Muster ergeben.

  2. Ich will die Frage umgehen, komme aber nicht umhin, anzumerken, dass mir gleich zu Beginn des Vortrags bzw. Artikels das Fahrrad eingefallen ist. So wie das Auto einst in den Städten die praktischere Alternative zum Pferd war, ist heute das Fahrrad in mehreren Punkten die praktischere Alternative:

    + es fährt schneller (d. h. man kommt schneller von Tür zu Tür, wenn man die gesamte Zeitspanne betrachtet) (zumindest in den Städten, in welchen ich bislang gelebt und gearbeitet habe)
    – es ist steigungsanfälliger als das Auto (hier aber sind Pedelecs ein sehr interessanter Ansatz)
    + es ist sehr kostengünstig in der Erhaltung und um ein Vielfaches günstiger in der Anschaffung (meine erste Stadtfahrrad-Saison hat mich € 13 Anschaffung und ca. € 30 an kleineren Reparaturen gekostet)
    + es braucht weniger Platz (auf Straße genauso wie auf dem Parkplatz)
    + es erzeugt keine Abgase oder Ähnliches
    – vor Staub, Dreck, Wasser, Regen usw. ist man schlechter geschützt

    Die einzigen zwei Minuspunkte des Fahrrads als Verkehrsmittel in der Stadt sehe ich durch kluge Kombinationen mit z. B. Öffis lösbar.

  3. Ich glaube die entgültige durchsetzung des Elektroautos scheitert an der kurzfristigen Ertragsmotivation und den laufenden Investitionen in der traditionellen Automobilindustrie. Ein staatlicher Anreiz wäre sicherlich nicht falsch, dennoch kann auch durch diesen keine Erfolgsgeschichte garantiert werden. Danke für den Artikel

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