Die Solarthermie wird vergleichbarer!

Quelle: BSW Solar

Wer  hin und wieder auf meiner Website vorbeischaut, hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich mich neben dem Thema Photovoltaik, nun auch vermehrt mit Solarthermie beschäftige, da die Sonne mehr zu bieten hat, als Licht und wir von ihrer Wärme deutlich mehr brauchen, also von ihrem Licht. Obwohl Österreich ein Vorreiterland im Bereich der Solarthermie war, ist es in der öffentlichen Debatte etwas ruhiger geworden. Das mag daran liegen, dass es ohnehin schon selbstverständlich ist, eine thermische Anlage zu bauen (jeder 7. Haushalt besitzt eine!) oder eben, dass die Aufmerksamkeit etwas geschwunden ist.

Bei der Solarthermie gibt es nun auch einen Vergleich nach STC

Nachdem sich auch in diesem Bereich einiges tut, möchte ich über aktuelle Entwicklungen berichten. Es gibt nun nämlich eine Möglichkeit Kollektoren besser untereinander zu vergleichen, so wie es bei der PV mittels der STC=Standardtestbedingungen möglich ist.  Bei der PV gibt es Module mit einer bestimmten Wattpeak Leistung  (zb. 250 Wp) und bei gegebener Horizontaleinstrahlung von 1000 W/m2 liefert es soundso viel kWh/Jahr. Fälschlicherweise wird hier oft die Peakleistung als „Höchstleistung“ übersetzt, bei besserer Einstrahlung als 1000W/m2 kann es aber durchaus mehr liefern. Jedenfalls kann ich mit ein wenig wissen, recht gut einschätzen, wie dieses Modul bei mir arbeiten wird.

Wer schon mal vor der Entscheidung stand eine solarthermische Anlage zu kaufen, musste sich bislang zu 100% darauf verlassen, dass der Anlagenbauer das für ihn passende und perfekte Produkt aussucht. Es gab fast keine Möglichkeit die Kollektoren (Unterschied Kollektor/Modul) zu vergleichen. Es wurde zwar im Jahr 2000 von europäischen Normungsinstituten das Qualitätszeichen Keymark geschaffen, mit dem sich Hersteller ihre hohe Qualität mit der sogenannten „Solar Keymark“ zertifizieren lassen konnten, aber der Vergleich der Zertifizierungsergebnisse war für Endkonsumenten ohne Simulationsprogramm nicht möglich. Hier konnte sich jeder die Zertifizierungen und das dazugehörige Datenblatt runterladen.

Datenblatt 2: Ein großer Schritt in Richtung Transparenz

Erst kürzlich hat man sich deshalb entschieden noch einen zweiten Anhang, bzw. ein zweites Datenblatt dem Zertifikat hinzuzufügen. In der Branche wird der Term „Solar Keymark Datenblatt 2“ verwendet, weil eben dem schon bestehenden Datenblatt   ein zweites hinzugefügt wurde.

Als Ergänzung zu den Kollektorkennwerten, die für Simulationen notwendig sind, wird jetzt  ein „Buttowärmeertrag“ für vier typische Standorte  in Europa (Stockholm, Würzburg, Davos, Athen) ermittelt. Es soll dabei hauptsächlich um einen möglichen Kollektorvergleich für den Endkunden gehen. Der Ertrag wird so gerechnet, als ob der Kollektor immer Wärme auf einem bestimmten Temperaturniveau liefern muss (25°C; 50°C; 75°). Lediglich wenn der Kollektor  einen positiven Wirkungsgrad hat, werden die Erträge, die in einer Stundensimulation ermittelt werden, gezählt. Es wird dann der Ertrag für ein Kollektormodul an den 4 Standorten mit den vorgegebene Neigungen in der Ausrichtung Süd (= praktisch jeweils optimale Orientierung) für ein Jahr angegeben. Es handelt sich daher um fiktive Kollektorerträge und um keine Systemsimulation. Es geht darum Kollektoren und ihre Erträge einigermaßen vergleichbar darzustellen. Es ist dies ein großer Schritt zu mehr Transparenz für den Endkunden.

Natürlich muss hier auch gesagt werden, dass das System, welches hinter dem Kollektor steht, ebenfalls entscheidend ist. Welcher Kollektor für den Anwendungsfall letztendlich der beste ist, muss trotzdem von Fall zu Fall entschieden werden. Ein hocheffizienter Kollektor für ein Schwimmbad wird wohl wenig Sinn machen, aber bei Prozesswärme und ganzjährigen Heizsystemen sieht es wieder anders aus. Jedenfalls haben nun die Endkonsumenten auch die Möglichkeit ein wenig mitzureden und das ist in jedem Fall förderlich für die Entwicklung der Branche.

Da das Berechnungssystem noch relativ neu ist, sind erst sehr wenige Anlagen mit dem neuen Datenblatt ausgestattet, mann kann aber jederzeit ein wenig durchschmökern und schauen wie sich das entwickelt. Ich habe hier zwei Datenblätter gefunden, wo es schon eingefügt ist. Eines von der deutschen Ritter Gruppe und das zweite vom portugiesischen Hersteller MCG.

Bei Gelegenheit werd ich nochmal darüber schreiben und erklären, wie die Datenblätter zu deuten sind.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

4 Comments

  1. Einge gute Entwicklung. Sonst war man immer von der Werbe bzw dem Marketingversprechen abhgänig. Etwas glauben ist etwas anderes als reale Vergleichswerte. Besonders bei den Steigenden ÖL und Heizölpreisen ist eine Solarthermie oder ein BHKW Blockheizkraftwerk immer wichtiger.

  2. Dein Beitrag ist sehr informativ und bringt eigentlich den Kern der Solarenergie auf den Punkt. Ich selber setze auf Solarenergie und bin damit bisher sehr zufrieden. Die Debatte darüber, wie effektiv die Solarenergie ist, finde ich schwachsinnig, da natürlich Atomkraftenergie effizienter ist. Jedoch sollte man doch den Augenmerk nicht auf die Effizienz, sondern auf die Umwelt richten.

  3. Danke! Mir gehn die Wirkungsgraddiskussionen auch etwas auf die Nerven, da man nie unterscheidet ob es sich nun um eine rohstofffreie oder eine rohstoffintensive Art der Energieerzeugung handelt. Innerhalb der Energieformen selbst sind Effizienzsteigerungen natürlich wünschenswert und sollten auch sichtbar gemacht werden können. Die Energieformen selbst lassen sich aber schwer mit dem Wirkungsgrad vergleichen.

  4. Die Leistung von Röhrenkollektoren und Flachkollektoren kann jetzt auch ganz einfach über die Internetseite: http://www.kollektorleistung.de miteinander vergleichen werden. Hier kann man von verschiedenen Herstellern egal ob Billiganbieter aus China oder von Markenhersteller eine Leistungskurve erstellen, so dass man die Solarkollektoren verschiedener Hersteller miteinander vergleichen kann. Zwar kann man hier nur immer mit den Kollektoren von Solarbayer vergleichen aber man kann ja auch auch mehrere Vergleiche anstellen und dann die Kollektoren schön miteinander vergleichen. Die verschiedenen Kollektordaten von zur Berechnung verwendet werden werden sogar mit einer Prüfberichtsnummer vom Solar-Keymark Prüberichts belegt. Hört sich also sehr seriös an. Ich habe mich aufgrund von diesem schönen Vergleich der Kollektoren nicht für eine China-Röhre entschieden obwohl der Preis schon sehr verlockend war, aber über die Jahrzehnte gerechnet …

    Mir hats bei der Auswahl geholfen, also schaut mal drauf: http://www.kollektorleistung.de

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