Deutschland im solaren Schockzustand

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte! (c) campact.de

Dieses treffende Bild habe ich im Artikel „Bremser der Energiewende“ im Solarladen gefunden. Der PV-Musterschüler Deutschland muss seit letzter Woche eine Schocknachricht verarbeiten. Nachdem die Zubauzahlen 2011 erneut weit über den erwarteten Zahlen lagen (7500 MWp), ist die deutsche Politik in einen Reaktionismus sondergleichen verfallen. Im Blog 100 prozent erneuerbar ist dies sehr gut beschrieben und auch bei SMA wurde ausführlich  über die Hintergründe berichtet.

Kurz was passiert ist: Nach einer starken Senkung der Tarife, die erst im Jänner 2012 in Kraft getreten ist, soll ab 9. März erneut massiv gekürzt werden und  Tarife gelten, die ich frühestens 2014/15 für möglich gehalten hätte. Außerdem wurden noch unzählige Fallstricke, die den Zubau begrenzen sollen, eingebaut.

  • Anlagen bis 10 kW: auf 19,5 ct/kWh
  • Anlagen bis 1.000 kW: auf 16,5 ct/kWh
  • Anlagen bis 10 MW: auf 13,5 ct/kWh

Das sind schon Preise die unter den Bezugskosten für Haushaltsstrom liegen! Um den Lesern eine Möglichkeit zu geben diese Tarife in unser System einzuordnen, hier ein direkter Vergleich mit der aktuellen Situation in Österreich. Seit 1.1.2012 gelten hierzulande folgende Tarife:

  • Aufdachanlagen von 5 kWp bis 20 kWp: 27,6 Cent/kWh
  • Aufdachanlagen über 20 kWp: 23 Cent/kWh
  • Freilandanlagen von 5 kWp bis 20 kWp: 25 Cent/kWh
  • Freilandanlagen über 20 kWp: 19 Cent/kWh
  • Grid Parity Tarif: 18ct/kWh

Bei uns gibt es jedoch ein paar gravierende Unterschiede. Der Tarif wird in Deutschland für 20 Jahre gewährt und in Österreich  für 13 Jahre, was Investmentprodukte praktisch verhindert.

Der viel größere Unterschied: In Deutschland steht der Tarif für ALLE Anlagen zur Verfügung, die es schaffen in diesem Jahr anzuschließen; in Österreich nur für jene Anlagen, die es in das ca. 40 MWp kleine Kontingent der OeMAG geschafft haben. Es ist davon auszugehen, dass ein Großteil davon bereits wieder vergriffen ist und sich viele im Juli um den Grid Parity Tarif anstellen müssen, zu dem es hoffentlich bald nähere Informationen gibt. Sollte dieser ebenfalls ausgeschöpft werden, ist davon auszugehen, dass wir nächstes Jahr in Österreich ähnliche Tarife sehen.

So gesehen wären wir Österreicher froh, wenn es überhaupt einen ungedeckelten Tarif für 20 Jahre gäbe. Wir haben aber auch keine riesige PV-Industrie im Land und riskieren mit diesem Kahlschlag nicht eine vollkommene Übernahme des Marktes durch asiatische Produkte. Die Senkung der Tarife ist gut, wichtig und Teil des EEG, aber bitte nicht in dieser Form. Viele Artikel weisen auf das große Bedrohungspotential hin, welches gerade von der Photovoltaik ausgeht und so nun bekämpft werden soll. Ich weiß nicht ob diese Pläne bereits in Stein gemeisselt sind, oder ob es noch Verhandlungsspielraum gibt. Ich hoffe letzteres für meine deutschen Kollegen!

Fest steht jedenfalls, dass die Stolpersteine, die den Erneuerbaren ständig in den Weg gelegt werden nicht mehr groß genug sein können, um die Energiewende zu verhindern, wir verlieren mit solchen Aktionen jedoch wertvolle Jahre…

Hier noch weitere Links zum Thema:

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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