Die Wachauer Stromboje

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(c) FotoliaSeit kurzem wird in der Wachau, etwas unterhalb von Spitz, die „Stromboje 3“ von der Firma „Aqualibre“ getestet. Die Stromboje ist ein schwimmendes Strömungskraftwerk – sie wandelt den Strom in Strom um. Begonnen hat das Projekt 2005 mit Fritz Mondl, einem Indurstriedesigner und zwei Partnerunternehmen aus der Windbranche. 2006 war der erste Prototyp „Stromboje 1“ fertig. Er hatte 150 cm Durchmesser und wurde 18 Monate lang getestet. Mit Hilfe der Länder Niederösterreich, Oberösterreich, der EU und der Forschungsförderungsgesellschaft entwickelte Aqualibre den Prototypen weiter, verbesserte den Strömungskanal, Rotor, Generator und die Verankerung. 2009 wurde die „Stromboje 2“ gebaut und mit deren Testbetrieb begonnen. Seit Mitte November läuft die einjährige Testphase der „Stromboje 3“. Ab dem nächste Jahr soll es die erste Kleinserie geben.

Die „Stromboje 2“ wurde übrigens von einer Privatperson gekauft und soll bald ein Restaurant und einen Kellerbetrieb versorgen.

 

Was sind die Vorteile der Stromboje?

Die Stromboje produziert Ökostrom, sie greift nicht in die Natur eines Flusses ein – sie beeinflußt weder die Flussökologie, noch ist keine Gefahr für Fische – sie ist kein Hindernis für die Schiffahrt, sie braucht keine Wehre oder Dämme, keine Flussabdichtungen am Rand (wegen des Grundwassers), sie verändert das Landschaftsbild und die Wasserqualität nicht. Die Errichtung und der Betrieb haben keine negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Gefertigt wird die Stromboje hauptsächlich aus wiederverwertbaren Kunststoffen. Die Stromboje liefert auch bei Hochwässern, bei denen Laufkraftwerke abgeschaltet werden müssen, Strom. Und das alles „Made in Austria“!

Letztes Jahr war das Projekt sowohl Preisträger beim österreichischen Klimaschutzpreis, als auch beim „Energy Globe Award“ einem der renommiertesten Umweltpreise weltweit.

 

Welchen Markt gibt es für die Stromboje?

Zunächste einmal ist das Projekt „Stromboje“ in das Regionalkonzept „Wachau 2010 plus“ eingebettet. Eine Säule dieses Konzeptes ist die Energieautarkie der Region. Mit 500 Strombojen kann erreicht werden, dass die Wachau, inklusive Krems, energieautark wird (das enspricht ca. 35.000 Haushalten).

Bis jetzt gibt es die Stromboje in den drei Größen 150cm, 200cm, und 250cm (Durchmesser). Das bedeutet, das sie in Flüssen mit einer Mindesttiefe von 200cm, 250cm und 300cm bei Niedrigwasser eingesetzt werden kann. Eine Strömungsgeschwindigkeit ab ca. 2m/s und eine Durchschnittswasserführung ab 50m3/s ist notwendig, damit die Boje wirtschaftlichhaftlich rentabel arbeitet.

In Österreich eignen sich dafür einige größere Flüsse wie zum Beispiel der Rhein, der Inn, die Enns, die Mur und die Drau und kleinere Flüsse wie etwa die Saalach, Salza und die Gail.

Mit Strombojen könnte man in Österreich bis zu 2 TWh erzeugen, (das entspricht ca. 500.000 Haushalten) und würde sich dadurch den Bau von Laufwasserkraftwerken, die einen unvergleichlich größeren Eingriff in die Umwelt bedeuten, ersparen.

Auch in Deutschland und der Schweiz finden sich natürlich ettlich Flüsse als Strombojen-Kandidaten. Aber auch Südamerika wird als zukünftiges Exportmarkt angedacht.

 

Sehr spannend, wieviel Innovationskraft in unserem kleinen Land vorhanden ist!

 

 
About the Author

Valentin Heppner

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Aufgewachsen in Graz, kam ich durch das Studium „Kulturtechnik und Wasserwirtschaft“ an der Universität für Bodenkultur nach Wien und wechselte dann in die Finanzbranche. 2004 machte ich mich als Vermögensberater selbständig. 2006 spezialisierte ich mich auf „Nachhaltige Investments“, bei denen neben der Rendite auch soziale und ökologische Kriterien mitberücksichtigt werden. In weiterer Folge gründete ich die Firma „Fair investieren“ – mit dem Ziel die Welt zu retten. Seit Anfang 2011 führe ich Projekte für Unternehmen und NGO´s durch, die mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ und „nachhaltige Investments“ zu tun haben – mit den drei Schwerpunkten: schreiben, vernetzen und Know-how-aufbereiten.

2 Comments

  1. Da kann ich eigentlich nur mehr hoffen, dass die Initiatoren bereits über entsprechende Patente verfügen …. und da die Strombojen auch bei Hochwasser nicht abgeschaltet werden müssen (und auch bei Niedrigwasser Strom liefern) ist eine kontinuierliche Lieferung gegeben. Nicht zu vergessen: so wie Sonne und Wind schickt auch Wasser bis in alle Ewigkeiten keine Rechnung !!

  2. Die Stromboje ist sicher eine funktionstüchtige Innovation, die sich als Produkt am Markt nur in ihrer Wirtschaftlichkeit, die bisher über die Subvention der Verbraucher angestrebt wird, behaupten dürfte.

    Der Hersteller gibt bei einem 2,5 m-Rotor eine Leistung P von 70 kW bei einer Fließgeschwindigkeit v von 3,50 m/s an. Diese lässt sich hydromechanisch nach der Formel P = 1/2 *A*cp*v³*ρ*η = 0,4*4,91*0,59*1,0*0,9 = 55,88 kW nicht nachweisen.

    Der Leistungsbeiwert cp beträgt maximal 0,59 und dürfte schwer zu erreichen sein. Ebenso der Wirkungsgrad η von 0,9, der nur bei einer Zwangsführung des Triebwassers wie z.B. bei der Rohrturbine möglich wird.

    Der Diffusor ergibt nach der Fachliteratur etwa eine Leistungssteigerung von 10 %.
    Eine Erhöhung der Fließgeschwindigkeit dürfte dieser ausschließen, da das Venturi-Prinzip mit Verengung des Fließquerschnitts nur in geschlossenen Systemen wirksam wird.

    Die Verankerungsstelle setzt eine Mindestwassertiefe von > 3,00 m auch bei Niedrigwasser sowie eine Mindestfließgeschwindigkeit von etwa 1,50 m/s für eine Leistung von 5 kW voraus. Die meisten Flüsse dürften an den wenigsten Stellen Strömungen von 3,50 m/s und wenn, dann nur bei Hochwasser aufwei-sen.

    Dazu, da sich in bisherigen Veröffentlichungen keine Wirtschaftlichkeitsaussagen finden, einige Anmerkungen. Bei einer wahrscheinlichen Durchschnittsleistung von 15 kW beträgt bei einem geplanten Ab-satzpreis von 250.000 € die Investitions-Kennzahl 16.700 €/kW. Bei dieser errechnet sich ein möglicher Umsatz von 0,12*15*8760*0,9 = 14.191 €, dem bei Bewirtschaftungskosten von z.B. 10 % (AfA- und Kapitalkosten ohne Verwaltungs- und Betriebskosten) 25.000 € gegenüberstehen.

    Hele

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