2012: Auf zur nächsten Runde Glücksrad

(c) FotoliaPünktlich zum Jahreswechsel geht ein brandaktueller Gastartikel zum Thema PV-Förderung 2012 online. Ich habe bereits auf Dachgold eine Anleitung zum Berechnen der Einspeisevergütung vorgestellt und Ing. Dietmar Stotter, Leiter des Geschäftsfeldes Photovoltaik bei LS-Sonnenstrom, beschreibt hier die aktuelle, etwas verzwickte Situation aus der Sicht eines Anlagenerrichters der das Geschäft seit Jahren kennt. Vielen Dank dafür Dietmar und an alle Leser einen guten Rutsch und viel Glück für das nächste PV-Jahr.

Die Sicht eines Errichters

Kürzlich im Photovoltaik-Forum habe ich die Diskussion „Heiteres Tariferaten“ entdeckt  und mir gedacht, dass ich etwas Licht ins Dunkel bringen möchte. Cornelia hat mich dann gebeten das als Gastbeitrag auch in den Öko-Energie-Blog reinzuschreiben; der Aufforderung komme ich im Sinne einer breiteren Aufklärungsarbeit sehr gerne nach.

Aus meiner Sicht eines PV-Anlagen Planers und Errichters ist es in Österreich schon außerordentlich mühsam mich mit ständig ändernden und schwer durchschaubaren Förderbestimmungen beschäftigen zu müssen. Gerne würde ich mich doch der eigentlich wertschöpfenden Tätigkeit selbst widmen, PV-Anlagen zu planen und zu errichten. Die Gesetzgebung hat es aber wieder einmal geschafft, eine halbfertige Regelung aufs Volk loszulassen, welche auch für Experten kaum durchschaubar, geschweige denn kalkulierbar ist.

Ich erinnere daran, dass die bestehenden Töpfe 2011 bereits leer geräumt sind, sowohl der reguläre Fördertopf als auch der „großzügig“ bemessene Sondertopf zum Abbau der Förderantrags-Warteliste. Das neue Ökostromgesetz 2012 ist daher in aller Munde, zumindest bei jenen welche sich für eine Investition in eine Photovoltaik-Anlage interessieren. Und davon gibt es jede Menge. Viele dieser Interessenten warten bereits sehnsüchtig auf die Neujahrs-Klänge der Pummerin, weil es ab 1.1.2012 um Schlag 0.00 Uhr wieder die Möglichkeit gibt aus dem nächstjährigen Fördertopf ein Stück abzubekommen. Also auf zur nächsten Runde Glücksrad! Allerdings gibt es zum neuen Ökostromgesetz 2012 in der Öffentlichkeit viele Fragen, wir so genannten Experten wissen einiges aber auch nicht alles. Etwas Licht ins Dunkel zu bringen ist mit diesem Beitrag meine erklärte Absicht.

Ing. Dietmar Stotter, Leitung LS-Sonnenstrom (LEIT-SCHUTZ GmbH)

 

 

Die Tarife sind bei Einreichung nicht klar

WAS ich weiß: Am 1.1.2012 gilt definitiv noch das alte Ökostromgesetz (ÖSG) und es werden jährlich die Fördertarife neu festgelegt. Was ich allerdings NICHT weiß, welcher Tarif für Förderanträge ab Morgen dem 1.1. gelten wird. Ich weiß also nicht, mit welchen Einnahmen ein PV-Investor die nächsten 13 Jahre zu rechnen hat. Ich weiß auch, dass der Fördertopf für 2012 wieder mit 2,1 Mio. Euro gefüllt ist, aber nur etwa 400.000 Euro „frei“ verfügbar sind. Wie kommt so etwas zustande? Der Einfachheit halber erkläre ich Ihnen lieber Leser die Situation anhand der Fördertarife für Dachanlagen bis 20 kWp.

Aktuell gelten noch immer die 38 Ct/kWh Einspeisetarif, wenngleich man keine Chance mehr hat diese auch zu bekommen. Das wäre in Anbetracht der gesunkenen Anlagenpreise ein recht attraktiver Tarif. In den Genuss dieses Tarifes kommen aber nur jene, welche bereits im Laufe des Jahres 2010 eingereicht hatten und aufgrund der Erschöpfung des 2010er Fördertopfes in den Jahren 2011, 2012 und 2013 drangekommen wären. Laut altem ÖSG werden Anträge bis max. 3 Jahre weiter gereiht, danach fallen diese raus. Es lautet im alten ÖSG folgendermaßen „… es gilt der Fördertarif zum Zeitpunkt der Antragstellung (also 38 Ct aus 2010)“. Da aber ein Streichen der Anträge, welche über 2013 hinausgingen politisch nicht machbar gewesen wäre (die Warteliste hatte aufgrund der Antragsflut letztlich bis 2024 gereicht), hatte man die Idee des Wartelistenabbaues mit reduzierten Tarifen erfunden. Für alle Anträge, welche auf der Liste ab 2014 gestanden sind, eine durchaus interessante Lösung, weil ja zuletzt die Anlagenpreise massiv nach unten gepurzelt sind und somit die Möglichkeit bestand rasch und sogar mit einer kleinen Rendite zu bauen. Für jene Antragsteller, welche auf der Warteliste für 2012 und 2013 gestanden haben gab es 2 Entscheidungsmöglichkeiten: Tarifabschlag annehmen UND gleich bauen ODER den 1.1.2012 (bzw. den 1.1.2013) abzuwarten. Für mich wäre der Fall SONNEN-klar: warten! Ich bekomme schließlich die vollen 38 Ct Einspeisetarif und es ist zu erwarten dass die Anlagenpreise weiter fallen werden = garantierte Renditeentwicklung, wie es sie in dieser Form bei keiner anderen, sicheren Anlageform gibt (sorry für die rein ökonomische Betrachtungsweise). Es war also zu erwarten, dass die für 2012 vorgesehenen 2,1 Mio Euro bereits vergeben sind. Warum trotzdem ca. 20% des Fördervolumens, also etwa 400.000 Euro Anfang 2012 überhaupt noch frei sind, kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen. Da haben offenbar einige Antragsteller nichts durchschaut oder geschlafen, schade eigentlich …

Ich gehe davon aus, dass auch am 1.1.2013 bereits der größte Teil der 2,1 Mio Euro vergeben sein wird, ohne dass irgendjemand anderer eine Chance auf diese Fördergelder hat. Eigentlich eine traurige Geschichte sondergleichen „Made in Austria“.

 Wartelisten, Unsicherheit, weiter drehen…

Jetzt wäre es ja nicht das österreichische ÖSG, wenn es das schon wäre! Das neue ÖSG 2012 sieht einen höheren Fördertopf von jährlich 8 Mio. Euro vor, das Gesetz wird aber vermutlich erst am 1.7.2012 in Kraft treten . Daher wäre es logisch, dass man bereits am 1.1.2012 schnell einreichen muss um aus dem zusätzlichen Fördertopf ab (wahrscheinlich) 1.7.2012 bedient zu werden. Wenn ich morgen kurz nach Mitternacht schnell einreiche, dann bin ich sehr wahrscheinlich wieder auf einer 2012er Warteliste und hoffentlich klappt es diesmal. Da aber das ÖSG eh nicht mehr zu durchschauen ist und auch keine Logik mehr hat, habe ich (m)eine persönliche Erwartungshaltung, dass bis Mitte 2012 nochmal etwas passieren wird, womit keiner gerechnet hat … z.B. die ab Anfang 2012 neu entstehende Warteliste nicht anzuerkennen? Es tritt ja (wahrscheinlich) am 1.7.2012 dann das neue ÖSG 2012 in Kraft, und da gibt es keine Warteliste mehr. Dann bliebe mir nix anderes übrig, als wieder das Glücksrad zu drehen!

Übrigens, auch etwas Positives sei erwähnt. Das neue ÖSG gilt für die kommenden 10 Jahre, es gibt jedes Jahr einen zusätzlichen Fördertopf mit 8 Mio. Euro dotiert. Das Interesse an PV-Anlagen wird stetig steigen, dieser Trend ist unumkehrbar. Es wird daher auch die nächsten Jahre deutlich mehr Nachfrage geben, als der Fördertopf bedienen kann. Ich sage deshalb voraus: Das Glücksrad wird jedes Jahr aufs Neue gedreht werden müssen!

Keine Klarheit über das tatsächliche Volumen im Markt

Erwähnen muss ich im Zusammenhang mit den Förderanträgen auch folgende diskussionswürdige Praxis. Es wurden bzw. werden auch weiterhin viele Anträge eingebracht, obwohl die obligatorischen Genehmigungsbescheide nicht vorliegen. Laut ÖSG hat man 6 Wochen Zeit den notwendigen „Anerkennungsbescheid für Ökostromanlage“ nachzureichen. Speziell bei größeren PV-Anlagen übersehen bzw. ignorieren die Antragsteller die erforderliche Laufzeit für die Behördenbescheide, diese können im Einzelfall schon mal bis zu 6 Monaten dauern! Dadurch fallen ständig Anträge raus, speziell solche für größere Anlagen, Fördervolumen wird wieder frei, Anträge rücken nach, Neue werden eingereicht … es entsteht ein „Spielchen“ welches Niemandem dienlich ist. Ich ärgere mich sehr über die dadurch entstehenden Bearbeitungs- und Prozesskosten. Aus diesem Grund kennt sich am Markt niemand mehr aus, ob das Fördervolumen tatsächlich schon verbraucht ist oder nicht.

Das Wichtigste: Trotzdem EINREICHEN

Trotzdem rate ich allen PV-Interessierten: Bitte einreichen, damit weiterhin großer politischer Druck ausgeübt wird!

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.