Google Insights meets Solar

(c) FotoliaNach den etwas „schweren“ Artikel der letzten Zeit habe ich heute eine kleine Spielerei und vielleicht ein nettes Marketingtool für so manchen Leser. Kürzlich habe ich das (für mich) neue „Google Insights“ entdeckt. Mit diesem Tool kann man sogenannte Suchvolumenmuster über bestimmte Regionen, Kategorien, Zeiträume und Webdienste hinweg vergleichen. Ich hab natürlich gleich die Begriffe Photovoltaik und Solar gesucht und wollte wissen, wo die Begriffe in Österreich am häufigsten vorgekommen sind. So konnte ich einiges über unser Land lernen.

Wer sind die „Solar“ Bundesländer?

Wenn man bei Google Insight das Wort „Solar“ und „Österreich“ eingibt, sieht man untenstehendes Bild. Wer will kann auch selbst direkt „mitspielen“. Was sagt das nun aus? Hier meine Meinung dazu, freu mich aber wie immer über eigene Ansichten im Kommentarfeld.

 

  • Derzeit wird das Wort „Solar“ in Oberösterreich am häufigsten gesucht. Könnte es an der schwarz-grünen Regierung liegen, dass das Bewusstsein gestiegen ist?
  • Zum ersten Mal relevante „Suchaufkommen“ gab es Anfang 2006 in Tirol und Oberösterreich (es gibt eine wirklich geniale Zeitreihenfunktion. Mir kommt das etwas spät vor, also diesen Teil müsste man vielleicht nochmal hinterfragen, es ist aber durchaus möglich, dass bis dahin wirklich alles auf persönlicher Basis weitergegeben wurde.
  • Das Burgenland liegt an 2. Stelle, was vermutlich der Vorbildregion Güssing zu verdanken ist. Es zeigt wieder auf, wie viel wirksamer positive Vorbilder als jede Förderung sind.
  • Wien und Salzburg liegen an letzter Stelle. Wien ist relativ leicht erklärbar. Durch die urbanen Strukturen war das Thema Solar bislang in Städten nicht relevant, bei Salzburg hab ich jedoch keine Erklärung, außer dass beide seit Jahren von der SPÖ regiert werden. Bitte das als völlig wertfrei aufzufassen, das ist lediglich eine Beobachtung.
  • Von April bis August 2010 war das mit Abstand höchste Suchaufkommen nach „Solar“ in den meisten österreichischen Bundesländern. Damals dürften viele Länder Förderaktionen ausgeschrieben haben. Auch hier ist Salzburg aber weniger relevant.

Wer hat den Begriff Photovoltaik am öftesten gegoogelt?

Nun nehmen wir natürlich auch noch den Begriff Photovoltaik unter die Lupe. Hier kann man wieder selbst mitmachen.

 

  • Beim Suchbegriff „Photovoltaik“ sind wieder das Burgenland und Oberösterreich ganz vorne. Diesmal aber in umgekehrter Reihenfolge. Danach kommen Steiermark und Niederösterreich.
  • Auffällig ist, dass dieses mal der Abstand zwischen dem 1. und 2. Platz deutlich größer ist. Man könnte jetzt vermuten, dass außer im Burgenland dieses Wort in den anderen Bundesländern noch nicht so bekannt ist und die Bürger im Burgenland durch Güssing einfach schon viel stärker sensibilisiert sind.
  • Wie auch bei „Solar“ sind Wien und Salzburg wieder an letzter Stelle.
  • Die Betrachtung im Zeitverlauf zeigt, dass die ersten Häufungen von Suchanfragen erst Anfang 2009 aufgetreten sind. Man sieht also wie unglaublich jung das Thema in Österreich ist.
  • Beim Zeitverlauf wird das Burgenland nicht miteinbezogen, also ist auch hier wieder Vorsicht geboten.

Gesellschaftlich ist Photovoltaik in Österreich erst 2,5 Jahre jung

Ich finde vor allem die Zeitreihenanalyse sehr spannend, weil man enorm gut sieht, wann und wo sich Ideen oder eben Begriffe in der Gesellschaft verbreiten. Ich habe dieselben Suchbegriffe auch in Deutschland eingegeben und dort gab es 2004 bereits eine starke Häufung der Suche nach „Photovoltaik“. Kein Wunder, damals wurde das EEG in Deutschland dahingehend novelliert, dass PV-Anlagen wirtschaftlich interessant wurden. Erst fünf Jahre später haben auch in Österreich mehr Menschen nach dem Begriff gesucht. Gesellschaftlich ist diese Technologie also erst 2,5 Jahre „hier“ und jetzt fängt das Kind auch tatsächlich an zu laufen. Ich freu mich aufs Helfen beim Erwachsen werden, wenn ich mir den großen Bruder anschaue, der jetzt mit 7 Jahren schon so reif geworden ist ;-)

 

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

5 Comments

  1. Ad Oberösterreich: Die OÖer haben schon lange – auch vor schwarz/grün – eine gute und solide Förderung für Solaranlagen gehabt. Weiters sind die OÖer auch bei der Abfallverwertung im Spitzenfeld. Durch den Charakter des Oberöstereichers, der gerne Häuselbaut und auch saniert begründet sich das meines Erachtens ganz gut. Sehe das also nicht politisch motiviert!

    Zweiter Punkt die Genauigkeit der Statistik. Alle Handynetzsurfer von T-Mobile surfen was ich weiss über eine einzige IP Adresse. Da glaub ich ihnen die Regionalverteilung nicht so ganz, den Goopglianern. Aber: Cooles Tool

  2. Hallo Sigi,

    as OÖ: stimmt, war ja schließlich auch das Land in dem 2006 die ersten Häufungen von Suchanfragen verzeichnet wurden. Wollt auch nur ein bisschen Diskussionsmaterial liefern ;-)

    Das mit den Handynetzsurfern wusste ich nicht, ist das tatsächlich so? In der Gesamtheit der österreichischen Internetsuser ist die Anzahl der T-Mobile-Smartphoneuser, die nach diesem Wort suchen aber glaub ich vernachlässigbar. Aber natürlich gibts auch hier – wie in jedem anderen Versuch die Wirklichkeit darzustellen – bestimmt Lücken.

  3. Ad Handysurfer: Ich hatte letztens bei einer UBIT Veranstaltung aufgeschnappt, dass die meisten Handygesellschaften mir nur ganz wenigen IP Adressen ins Netz gehen. Bei TMobile waren sie sich sicher, bei allen andren war zumindest nicht als fix gegeben, wird aber ähnlich sein.

    Google kennt seine User aber sehr genau, die merken warhscheinlich auch ohne IP Adresse wer man ist :-)

  4. Es freut mich das die Photovoltaik langsam in Österreich ankommt, es ist auch eine Frage ob das Thema der Bevölkerung bewusst wird. Österreich beruft sich auf die Wasserkraft. Mit Solartechnik kann ich dezentral Energie produzieren und mit dem Eigenverbrauch direkt selbst die eigene Energie nutzen. mit den Fallenden Modulpreisen Profitieren besonders Länder in denen es kein EEG wie in Deutschland gibt. Aber wei in Italien wo zuerst die Förderung zu hochangesetzt wurde ist dies Unterstützung falsch. Die Solar Branche soll so günstig die Anlagen Bauen so das sich jedermann eine eigenes „Kraftwerk “ Leisten kann. Der große Unterschied wenn ich von Bayern über die Grenze fahre die Photovoltaik Anlagen hören auf und langsam sieht man immer mehr Solarwärme / Thermie anlagen. Dieser Trend freut mich. Hoffe das die Situation auf der andren Seite besser wird.
    Mit sonnigen Grüßen aus München Sepp

  5. Hallo Sepp,

    danke für deinen Beitrag. Das Thema zieht tatsächlich an. An der Einstellung der Leute würde es bei uns nicht liegen. Es fehlt aber leider ein wenig am politischen Willen einen richtig großen Wurf im Bereich Solarthermie und Photovoltaik zu machen. Aber wie gesagt, langsam gehts voran und ich bin zuversichtlich, dass sich die nächsten Jahre sehr positiv für diese beiden Felder entwickeln werden. Wie zu sagt – dezentrale Energieversorung is key!

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