Die Photovoltaiktagung im Jahr der „Wende“

Photovoltaik Fachtagung 2011 mit Schwerpunkt Haus der Zukunft

Seit mindestens drei Jahren besuche ich die Jahrestagung der Photovoltaik Austria bereits. Bislang war die Empörung über das Ausbremsen der Industrie durch widrige Investitionsbedingungen vorherrschend. Heuer sollte es anders werden, hat doch mit dem Jahr 2011 auch in Österreich das PV-Zeitalter begonnen. Hier möchte ich meine Eindrücke des Tages schildern.

120 MWp durch den Abbau der Warteliste

Die Tagung eröffnete Hans Kronberger, Präsident des österreichischen Photovoltaikverbandes PV-Austria mit einer großen Zahl. Angeblich wurden die letzten Monate 120 MWp aus Warteliste und dem übrigen Geld des 28 Mio. Topfes genehmigt/beantragt. Das ist wirklich unglaublich viel, wo doch die letzten 10 Jahre insgesamt knapp 100 MWp installiert wurden.  Das Jahr 2012 wird somit ungeschlagen das zubaustärkste Jahr aller Zeiten, schließlich sind KLIEN und das neue Ökostromgesetz dabei noch gar nicht enthalten. Es macht sich aber auch deutlich die Sorge darum breit wie es dann weiter gehen soll. 2013 ist vorerst deutlich weniger veranschlagt und man kann nur hoffen, dass bis dahin die Politik erkannt hat, dass die PV kein Nischenprodukt mehr ist, sondern sehr viel schneller als es der optimistischste PV-Fan erwartet hätte,  einen erheblichen Beitrag zur Stromversorgung leisten wird. Auch Cedric Philibert von der IEA (Internationale Energieagentur), welche erst seit kurzem von ihrem Anti-PV-Kurs abgewichen ist, bestätigt, dass es sich bei der Photovoltaik um DIE Zukunftsindustrie der nächsten Jahre handelt. Er betont aber gleichermaßen, dass bis 2015 alle Staaten gefordert sind, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen um den Weg zur Grid-Parity zu bereiten. Es ist ihm auch bewusst, wie schwierig es für die Gesetzgeber dabei ist auf einen so dynamischen Markt richtig zu reagieren. Das sollte die Verantwortlichen meiner Meinung nach aber nicht in Angststarre versetzen, sondern im Gegenteil zu raschem Handeln bewegen, um eben nicht auch noch die letzten Möglichkeiten für inländische Wertschöpfung in diesem Markt zu verhindern.

Wien Energie nimmt sich EVN als Vorbild

Erfreulich für mich waren auch die Gespräche mit den Energieversorgern. Nicht nur, dass einige nun selbst in den Anlagenbau in Österreich einsteigen werden (es wurde ja auch Zeit, liebe Leute…), setzt man sich in der Bundeshauptstadt auch ambitionierte Ziele was die Genehmigungszeiten angeht. Neben Verbesserungen bei den Magistratswegen will man bei Wien Energie die Zeit, die es braucht um eine Zählpunktnummer zu bekommen deutlich verkürzen. So hieß es: „Wenn das die EVN in zwei Wochen schafft, muss das bei uns doch auch funktionieren.“ Genau dieser positive Wettbewerb hat bislang in Österreich gefehlt.  Ich wünsche mir mehr davon – in Unternehmen, in Magistraten, in Ministerien. Ich weiß, dass nebst allen Verschwörungstheorien in all diesen Gremien bereits Leute sitzen, die das Thema wirklich gerne vorantreiben wollen und hoffe, dass diese Menschen sehr bald zum Zug kommen.

Architekten vergeblich gesucht

Die diesjährige Fachtagung hatte den Schwerpunkt „Haus der Zukunft„. Seit Jahren versucht man sich in Österreich als Spezialanbieter für integrierte Lösungen auf dem Weltmarkt zu etablieren. Dies sei ein ungehobenes Potential, welches es die nächsten Jahre noch zu heben gibt. In einer sehr lebhaften Podiumsdiskussion wurden dann aber einige Probleme, die es auf diesem Weg gibt, offen gelegt. Das Allergrößte: Die Architekten dafür fehlen anscheinend. Eine dach- oder fassadenintegrierte Lösung kann nur sinnvoll erarbeitet werden, wenn sie Teil des Designs wird. Dieses muss vom Architekten kommen. Bis auf eine Architekturstudentin war nur leider kein einziger Architekt anwesend, was auch deutlich macht, wie unwichtig dieses Thema unter österreichischen Architekten noch zu sein scheint. Auch die Studentin erzählte von Professoren, die Studenten nur belächeln wenn man die Photovoltaik anspricht. Nur jene Studenten, die sich aus Eigenmotivation für erneuerbare Energien interessieren, holen sich die Informationen, die sie brauchen. Im Lehrplan verankert ist das aber noch lange nicht. Wobei ich sicher bin, dass es auch dort positive Kräfte gibt, sollte Österreich aufpassen, nicht noch einen Zug zu verpassen.

Das Fazit der Veranstaltung. Es geht tatsächlich los in Österreich! Viele Projekte laufen in Österreich gerade an, unter anderem auch das Solar-Label, welches demnächst in Österreich an den Start gehen wird. Aber das ist eine andere Geschichte ;-)

Foto: (c) bmvit

 

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

2 Comments

  1. Schade, dass ich es heuer nicht zur Tagung geschafft habe. Deine Schilderungen decken sich mit meinem Wissensstand. Eine Anmerkung erlaube ich mir aber: WO bitte sind all die Genehmigungsbescheide der ÖMAG … am Markt ist noch reichlich wenig angekommen! Gab’s da antworten von den Veantwortlichen? Der Wartelistenabbau gehört langsam begonnen, 2011 ist leider nicht mehr viel möglich :-(

  2. Ich hab grad für meine eigene Anlage nachgefragt. Die Aussendung der Verträge hat bereits begonnen (O-Ton: Seit Wochen werden Berge an Verträgen verschickt) aber sie sind noch nicht durch. Ich melde natürlich sofort, wenn mein Vertrag da ist, aber für heuer sieht es tatsächlich schlecht aus, weiß nicht wie viele das heuer noch abschließen werden.

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