Start der Interviewserie „PEOPLE“: Michael Richter von Sonneninvest

Michael Richter von der Sonneninvest AG

Im Laufe der letzten Jahre habe ich viele herausragende Persönlichkeiten getroffen, die sich mit der Zukunft unserer Energieversorgung beschäftigen. Leider gibt es in den Massenmedien viel zu wenig Platz für diese Vordenkermacher aus der Energieszene. Deshalb wird es im ÖkoEnergieBlog ab jetzt das Format „PEOPLE“ in der Rubrik „Best Practise“ alle paar Wochen ein Interview mit Persönlichkeiten aus der Energieszene geben.

Den Anfang macht Michael Richter von Sonneninvest, einer der wenigen Sonneninvestoren Österreichs.

Du kommst eigentlich aus der Investmentbranche und warst früher Chef des Investmenthauses EPICON. Was hat dich auf die Sonnenseite gebracht?

Nach  20 Jahren in der Bank- bzw. Investmentbranche war es einfach an der Zeit für eine Veränderung. Ich wollte mich vorerst eigentlich nur an einem Solarpark beteiligen. Leider habe ich jedoch nur Investitionsmöglichkeiten gefunden die eine Behaltedauer von 20 Jahren verlangt hätten. Da mir dies zu langfristig war, habe ich die Sonneninvest AG 2009 gegründet. Bei uns können Investoren ganze Solarparks in Deutschland oder Italien erwerben oder sich einfach nur mittels Unternehmensanleihe ab 50.000€ beteiligen.

Hier in Österreich ist das Investmentklima sowohl im Bereich Private Equity, als auch im Bereich Erneuerbare Energien besonders schlecht. Was sind die größten Hürden, die ausländische Investoren von unserem Land fern halten?

Die mit Abstand größte Hürde ist sicherlich nach wie vor das Fehlen eines Ökostromgesetzes ähnliche dem deutschen Erneuerbaren Energie Gesetzes (EEG). Ausländische Investoren wollen Sicherheit ihrer Veranlagungen sowie ein klares Bekenntnis der österreichischen Politik zu langfristig geregelten Einspeisetarifen der Photovoltaik.

Ein gern verwendetes Argument der Politik, wenn es um geregelte Einspeisetarife für Österreich geht, ist dass Photovoltaik viel zu teuer sei. Was entgegnest du diesen Menschen?

Die ganz große Mehrheit der österreichischen Politiker haben keine Ahnung was Photovoltaik eigentlich genau ist und wie verlässlich Sie für viele Jahre arbeitet. Man kann ihnen nur mit Aufklärung begegnen indem man ihnen z.B. Photovoltaikanlagen „live“ zeigt. Photovoltaik ist in den letzten Monaten so günstig geworden, dass sich eine Anlage in Österreich in ca. 10 Jahren amortisiert. Dies war vor wenigen Jahren noch undenkbar und wäre ohne geregelte Einspeisetarife wie z.B. in Deutschland niemals möglich gewesen.

Ein weiteres Argument ist, dass die Energiepreise nicht steigen dürfen und wir mit einem EEG nach dem Vorbild Deutschlands eine Desindustrialisierung riskieren. Wie kann man dieses Schreckgespenst vertreiben ?

Die Energiepreise sind seit Jahren in Österreich höher als in Deutschland. Dies ist insbesondere verwunderlich da in Österreich sehr viel Strom in bereits abgeschriebenen und daher sehr günstig produzierenden Wasserkraftwerken produziert wird. Also kann der hohe Strompreis in Österreich nur einen Grund haben:  zu wenig Wettbewerb!  Ohne ein Ökostromgesetz – nach dem Vorbild des deutschen EEG werden die Energiemonopolisten den Preis weiterhin hoch halten. Die Behauptung, dass die Energiepreise durch die Erneuerbaren Energien steigen, wurde schon mehrfach als falsch bewiesen. Einerseits ist der Spitzenstrom tagsüber durch die Photovoltaik und Wind in Deutschland deutlich billiger geworden und andererseits sind die positiven „Nebeneffekte“ des Booms bei Erneuerbaren Energien gewaltig. Dies sind neben vielen tausenden langfristigen Arbeitsplätzen, der enormen  CO2-Einsparung, den höheren Einnahmen der Gemeinden aus Gemeindesteuern aber auch der nicht zu unterschätzende Effekt Klimaschutz zu leben. Mehr als 90% der Österreicher stehen  der Photovoltaik und dem weiteren beschleunigten Ausbaues der Erneuerbaren Energien generell sehr positiv gegenüber.

Die Sonneninvest gibt eine 7% Solaranleihe aus, kannst du kurz erklären wie das funktionieren kann?

Wir haben 2009 eine an der Wiener Börse notierte Unternehmensanleihe, den 7% Sonneninvest Corporate Bond 2009-2019 (ISIN: AT0000A0EU88) begeben. Somit können sich Investoren ab 50.000€ an der Sonneninvest AG, und somit an unseren Solarparks beteiligen. Die Anleihe kann ganz einfach über die Hausbank erworben werden. Am 15.9. jedes Jahres erhält der Investor die Zinsen ebenso problemlos auf sein Konto überwiesen. Wer also jetzt einsteigt sichert sich noch für 8 Jahre hohe Zinsen einerseits und fördert den Ausbau von Photovoltaik andererseits. Bei dieser Veranlagung handelt es sich also um ein zu 100% „grünes“ Investment.

Wo siehst du den kWp Preis in einem Jahr in Österreich/Deutschland/Italien und wie hoch müsste ein deckelloser Einspeisetarif in Österreich sein, dass ein Investitionsschub ausgelöst wird?

Leider ist Photovoltaik in Österreich im Vergleich zu Deutschland noch immer viel zu teuer. Dies liegt daran, dass es in Österreich aufgrund eines fehlenden deckellosen Einspeisegesetzes auch kaum Unternehmen gibt die sich auf Photovoltaik spezialisiert haben. Der mangelnde Wettbewerb spiegelt sich in einem höheren Endkundenpreis wider. Dies wird leider auf absehbare Zeit so bleiben. Mitte des Jahres 2012 erwarte ich bei Endkundenanlagen einen kWp Preis von im Schnitt ca. 2800€ in Österreich und 2200€ in Deutschland. In Italien erwarte ich eine Veränderung des bestehenden Vergütungsmodells zum Jahresende und rechne mit einem Niveau von ca. 2600€. (Zahlen exkl. Mwst.)

Einen Boom im Bereich Photovoltaik in Österreich erwarte ich bei einem deckellosen Einspeisetarif von ca. 15ct bei 20 jähriger Laufzeit der Vergütung. Spätestens 2015 wird es aufgrund der gesunkenen Systempreise in Österreich aber so oder so zu einem Photovoltaikboom kommen.

Was sind die Ziele der Sonneninvest AG für das nächste Jahr?

Wir wollen bis Ende des nächsten Jahres unseren Bestand auf ca. 10 MWp Spitzenleistung, das entspricht in der von uns bevorzugten Größe ca. 10 Solarparks ausbauen. Darüber hinaus wollen wir auch mithelfen die enormen Vorteile der Photovoltaik auch in Österreich bekannter zu machen.

Vielen Dank für diese interessanten Einblicke, hoffentlich gelingt uns vor allem der letzte Punkt!

Sehr gerne. Ich bedanke mich.

Es braucht also noch sehr viel Aufklärungsarbeit in Österreich und der Welt. Mit diesen Interviews möchte auch ich einen kleinen Beitrag dazu leisten. Wer mehr zu den Produkten wissen will, kann sich gerne bei Herrn Richter melden.

Ähnliche Beiträge:

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.