Österreich im EU-Vergleich: Pro Person leuchtet eine Energiesparlampe

Photovoltaik, Market Outlook, Europe, 2015

Derzeit installierte Phovovoltaik Leistung in Europa

 

Die Begutachtungsfrist für den neuen „Fleckerlteppich“ aka Ökostromgesetz ist seit gestern zu Ende. Jetzt geht’s ans verhandeln. Ein guter Zeitpunkt um auf den neuen Market Outlook der European Photovoltaik Industry Association (EPIA) hinzuweisen. Dabei werden die Prognosen der installierten Leistung für ganz Europa veröffentlicht und gleichzeitig eine Momentaufnahme der derzeit installierten Leistung gezeigt. Ich hatte schon lange auf diese Zahlen gewartet und anscheinend wurden 2010 in Österreich so viele Anlagen installiert, wie in allen anderen vorangegangenen Jahren zusammen. Nämlich 50 MWp in 2010. Das bringt uns zu einer gesamt installierten Leistung von sehr mageren 103 MWp. Aber immerhin, wir haben  die 100 MWp Marke geknackt! Dass in anderen Ländern einzelne Projekte diese Größe aufweisen, sei mal dahingestellt.

Eine 12W Energiesparlampe pro Person ist in Österreich installiert

Interessant an dieser Karte ist der deutliche Vergleich der installierten Leistung im Verhältnis zu den Einwohnerzahlen. Mit 12,8 Watt/Einwohner  habens wirs ganz knapp in die 2. Kategorie geschafft. Alle anderen Länder dieser Kategorie haben zwar recht gute Rahmenbedingungen, kommen aber mit der Verwaltung nicht zurande und haben 1000e Anträge in der Warteschlange.  Man sieht in diesem Vergleich, dass eine unkomplizierte Abwicklung oft wichtiger wäre, als ein hoher Tarif. Kleiner Input für die österreichische Verwaltung: Wie wärs mit weniger Geld, aber absoluten Antragsvorrang und Gebührenbefreiung? EPIA hat übrigens die „overly restrictive local regulations“ als unser Problem identifiziert.

Neu installierte Leistung bis 2015

Mit dieser Vergleichsstudie wird deutlich, welchen Stellenwert dieses Thema in Österreich  einnimmt. Interessant ist jedoch die Einschätzung der EPIA, was den Markt bis 2015 betrifft. Die EPIA arbeitet immer mit einem moderaten und einem „policy driven“ also gesetzesabhängigen Szenario, welches die Zahlen natürlich entsprechend höher ausfallen lässt.  Demnach werden wir pro Jahr  ca. 80-200 MWp Zubau haben.

Photovoltaik-Marktentwicklung in Österreich bis 2015

Für mich sind das sehr traurige Aussichten. Mit dem starken Willen der Bevölkerung, der in Österreich vorhanden ist, wäre deutlich mehr drinnen und dabei gehts nicht nur um monetäre Hürden. Ein Abbau der Bürokratie für Gewerbebetriebe wäre zum Beispiel ein großer Schritt nach vorne.

Keine Erfahrung mit Gesetzen, die sich überflüssig machen sollten

Was das neue Gesetz betrifft, muss endlich verstanden werden, worum es geht. Es braucht ein Gesetz, welches sich in 2-3 Jahren überflüssig macht und muss heute so ausgerichtet sein, dass der österreichische Markt auf die Netzparität vorbereitet ist. Man kann sich gar nicht vorstellen, was passieren wird, wenn alle entwickelten Länder (D, I, CZ) das österreichische Potential entdecken. Niemand hat noch mitbekommen, dass die Preise unglaublich gefallen sind und Photovoltaik eben nicht mehr die teure Alternative ist. Leider hat  man in der Politik keine Erfahrung mit Gesetzen, die sich überflüssig machen sollen und ist es gewohnt, dass Subventionen immerwährende Budgetbürden sind. Dazu bräuchte es wohl mehr Volkswirte im Parlament, gibts überhaupt welche dort?

PS: Unbedingt S. 27 der EPIA Studie ansehen: Ein Wetterbericht der einzelnen Support Schemes in der EU. In Österreich ist’s übrigens bewölkt.

 

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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