Die „neue“ Ökostromverordnung – Das ich nicht lache!

Ganz klammheimlich, ohne große Medienaufmerksamkeit zu suchen (oder zu finden) wurde die „neue“ Ökostromverordnung verabschiedet. Wäre ich nicht durch meinen RSS-Feed über den oekonews Artikel oder diesen deutschen!! Blog darauf aufmerksam gemacht worden, wüsst ichs wohl noch immer nicht. Und oh Wunder, die Herrschaften haben sich mächtig viele neue Gedanken gemacht: Alles bleibt wie bisher und Österreich hat so, wohl den höchsten Einspeisetarif Europas für PV und das obwohl die Kosten in den letzen paar Jahren deutlich gesunken sind. Nicht falsch verstehen, natürlich ist ein hoher Tarif ganz gut, aber bei einem angepassten Tarif hätten vermutlich mehr etwas davon. Was mich aber wirklich, wirklich ärgert ist, dass in der PA noch dazu dieser Satz, der vor Hohn nur so strotzt, vorkommt:

„Wir setzen auf Kontinuität und Berechenbarkeit für die Ökostrom-Branche“

Mir liegen die drei berühmtem Buchstaben auf der Zunge, aber WIE BITTE???? Seit Monaten – Nein Jahren!! rätselt die Branche wie es weitergeht und die Unternehmen haben massivste Probleme sich auf die nicht vorhersehbaren Bedingungen einzustellen. Österreich ist bald das einzige Land ist, welches keine kontinuierlichen Richtlinien für Ökostromförderung hat. (JEDES JAHR WIRD DIE VERORDNUNG NEU GEREGELT = NULL INVESTITIONSSICHTERHEIT)

Zwischendurch gab es Hoffnung, da sich ein Gerücht breit gemacht hatte indem es hieß, dass Mitterlehner den Deckel bei der Förderung fallen lassen könnte (hier die PA). Ich hatte aber auch andere gehört, nämlich jene, dass gar nicht daran gedacht wird auch nur irgendwas zu ändern. Läuft doch alles prima im Ökomusterland Österreich! Schließlich wurde die Förderung in dieser Form bereits einige male“erfolgreich“ abgewickelt und das bedeutet so viel wie absolut wiederholenswert.

Alles bleibt also wie bisher. OK, man könnte sagen, die Branche hatte bei solchen Bedingungen ja absolut keine Chance sich zu etablieren und den Betrieb wirtschaftlicher zu gestalten, aber so viel Weitsicht verlange ich eigentlich gar nicht. Eine geplante Absenkung von Tarifen führt nachweislich auch zu geringeren Kosten. Eine geplante und langfristig angekündigte Absenkung führt auch zu Beschleunigung von Kaufabschlüssen und Abwicklungsmechanismen. Ohne diesen Mechanismus würde ein kWp vermutlich immer noch € 10.000 kosten wie vor 10 Jahren.

Das schöne ist, die Lernkurve (S. 8.) ist noch lange nicht zu Ende. Hier von „fehlender Marktreife“ zu sprechen ist so, als hätte man zu Beginn der Handyära gesagt: „Ach dieses teure Riesending brauchen wir in Österreich nicht, wir warten mit dem Bau der Leitungen bis in 10 Jahren das iPhone auf dem Markt ist…“

Regt das eigentlich nur mich so auf?

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

4 Comments

  1. Anderseits ist das Beruhigend, dass es Euch auch nicht besser geht. In welchem Land gibt es noch Kontinuität in der Solarförderung? Überall liest man von Kürzungen der Einspeisevergütung. In Spanien gibt es sogar Kürzungen für bereits gebaute Anlagen. Wer kann da noch von Planungssicherheit reden und hat Lust zu investierten, das möchte man keinem Investor in keiner Branche zumuten -doch, in der der Solarbranche. Und die deutsche Presse ist sich nicht zu schade über den neuesten „Kompromiss“ zu schreiben, das hätte nicht mal die Atomlobby geschafft. Wie verbohrt sind die denn? Oder haben die Alzheimer? Im letzten Jahr wurde die Betriebsgenehmigung von 30 Jahre alter Technik verlängert – wo gibt es denn sowas? Vermutlich nur mit der deutschten Atomlobby.
    Eine Anpassung an die Preisentwicklung von PV-Anlagen kann man sicher auch verlässlicher gestalten als es gerade überall geschieht.

  2. Hmm, nur mit dem Unterschied, dass wir noch keine Möglichkeit hatten, dass sich der Markt entwickelt. Ich finde ja nach wie vor das spanische Modell, wo sich der Tarif vierteljährlich, je nach Angebot und Nachfrage anpasst einen guten Denkansatz. Sicher nicht ganz einfach administrierbar, aber vermutlich besser als ständige ad hoc Anpassungen.

  3. Gut geschrieben… finde auch, dass die Tarife gesenkt werden sollten, womit mehr Anlagen realisiert und mehr kWh Ökostrom erzeugt werden können.
    Wieso aber immer von Förderungen sprechen? PV ist längst konkurrenzfähig, würden alle anderen Energieerzeugungsformen ihre wahren Kosten beinhalten. PV hat laut dieser Berechnung (http://www.leitron.at/Pages/1P.html) bereits einen Wert von über 36 Cent/kWh. Worauf also noch warten???

  4. Danke für den Link Alois. Der Link geht leider nicht Am Besten auf auf http://www.leitron.at gehen und dann „Photovoltaik Initiative anklicken.

    Sollten diese Zahlen stimmen, haben wir wieder das Problem der Marktmacht der EVUs. Die Energieversorger werden den Teufel tun, diese Einsparungen an die Versorger weiterzugeben und ich bin mir sicher, dass diese auch ganz tolle Rechnungen haben um diese Berechnungen zu wiederlegen. Wem also glauben?

    Es bräuchte wirklich einen Mechanismus, der verhindert, dass sich nur die Stromversorger bereichern, sondern ein Gleichgewicht hergestellt wird von denen beide Seiten profitieren können.

    Diese Zahlen verdeutlichen jedenfalls, dass es wichtig ist, dass die EVUs die Einspeisetarife bezahlen und nicht eine Extra-Institution aus Steuergeldern. Nur jener Teil, der wirklich zu Mehrkosten führt, sollte durch eine EEG-Umlage gedeckt werden.

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