Blogserie Teil 7: Der Sklavenhandel und die Energiewirtschaft

steckdose174.jpgDas neue Jahr hat begonnen und es ist Zeit die Blogserie, die mit viel positivem Feedback aufgenommen wurde, abzuschließen. Die Einleitung macht eine ziemlich populistische Anekdote von Robert F. Kennedy jr, der letztes Jahr eine ARA-Lecture gehalten hat. Er verglich die derzeitige Abhängigkeit von Öl, mit der Zeit als man während des Sklavenhandels in Grossbritannien diskutierte, warum der Sklavenhandel nicht abgeschafft werden könnte:

Die Abschaffung des Sklavenhandels würde zu einem massiven Verlust an Energie, die die Industrie braucht, führen und durch die massive Erhöhung der Energiekosten (Anm. Sklaven waren ja quasi gratis) hätte man massive Wettbewerbsnachteile gegenüber anderen Kolonialmächten.

Na, klingt das vertraut? Das Ende des Sklavenhandels liest sich wie die  Zukunft der Energiewirtschaft. Ein mächtiges Land stellt seine Energieversorgung komplett um und zwingt alle anderen Länder, es ihnen gleich zu tun, um keine Wettbewerbsverluste zu erleiden.

Im Übrigen führte die Abschaffung der Sklaverei nicht zu dem befürchteten Energieengpass, sondern entfesselte ein ungeheures Potential an unternehmerischen Aktivitäten.

Die große Chance

Meiner Meinung nach haben wir gerade eine Riesenchance. Das EEG wurde in 43 Ländern kopiert; da und dort wurden Fehler gemacht, die auch nachvollziehbar und deshalb vermeidbar sind. Da es nun mal leider so ist, dass zwischen fossilen Energien und Erneuerbaren ein Marktungleichgewicht besteht (Externe Kosten, Subventionen) haben wir nur wenige Möglichkeiten das Ruder rumzureissen bevor der letzte Tropfen Öl verbraucht ist. Da die Politik nicht den Mumm hat jegliche Subventionen für fossile Energien einzufrieren und externe Kosten einzupreisen, haben wir derzeit nur die teure Variante der Einspeisetarife, die gesamtwirtschaftlich gesehen so teuer gar nicht ist.

Wenn wir schon die Trittbrettfahrerstrategie fahren, dann bitte so, dass wir es jetzt anpacken, die Rosinen aus all den Gesetzen rauspicken und so den maximalen Nutzen für die Gesellschaft herausholen. Für die Gesellschaft!!! Das muss den Gesetzgebern wohl immer wieder gesagt werden. Da diese oft nicht weiß, was langfristig gut für sie ist, haben Politiker eben die Aufgabe diese Entscheidungen zu treffen. Nur weil viele glauben, dass billige Energie das Beste für sie ist, muss man darauf hinweisen, dass billige Energie eben nicht nur gut ist. Sie führt zu

  • unglaublich viel Schrott, der dann mit viel finanziellem Aufwand vermarktet wird
  • einem Konsumzwang der rational nicht mehr nachvollziehbar ist
  • Luft die nachweislich krank macht
  • einem unvergleichbaren Raubbau an der Erde
  • Lärmverschmutzung, Gewässerzerstörung, Artenverlust…
  • … die Liste lässt sich unendlich verlängern

Was muss ein EEG nun können…

… um die gute Ausgangssituation Österreichs zu nutzen. Am Beginn der Blogserie habe ich versprochen auch darauf einzugehen, welche Eckpunkte ein gutes EEG meiner Meinung nach beinhalten sollte:

  • Es muss Investitionssicherheit von mindestens 20 Jahren bieten
  • Die Einspeisetarife müssen stark auf Angebot und Nachfrage, sowie an die Lernkurve angepasst, gestaltet werden
  • keine Deckelungen
  • Die Tarife müssen flexibel und doch planbar sukzessive herabgesetzt werden
  • Kleinanlagen muss der Vorrang gegeben werden und der Tarif entsprechend attraktiver gestaltet sein
  • Der Genehmigungsprozess muss im öffentlichen Interesse einfach gestaltet sein, klare Richtlinien und einfache Verfahren für Aufdachanlagen
  • Anreize für Eigenverbrauch schaffen (gesonderte Tarife, Förderung von Speichertechnologien)
  • Vorrang für Erneuerbare bei der Einspeisung
  • Möglichkeiten für Bürgerbeteiligungen im Gesetz verankern

Mit diesen Punkten beende ich die Blogserie Einspeisetarife und freue mich über Erweiterungen dieser Liste, sowie andere Meinungen zu diesem Thema.

PS: Ich bastle bereits an einer neuen Serie – stay tuned!

Alle Teile der Blogserie:

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

3 Comments

  1. Kennedy\’s Vergleich zwischen (fossiler) Energie und Sklavenarbeit ist überhaupt nicht \“populistisch\“. Energie (kWh) = Arbeit! Wenn wir nicht die fossilen Energien genutzt hätten, gäbe es heute noch Sklavenarbeit. Aber angesichts der Tatsache, dass heute jeder Westeuropäer annähernd 100 virtuelle Energie-\“Sklaven\“ zur Verfügung hat, konnte man auf die menschlichen Sklaven offenbar verzichten. Lesetipp: http://www.oekosystem-erde.de/html/energiegeschichte.html Angesichts dieser Lektüre wird dann aber auch deutlich, dass der Umstieg von fossiler auf erneuerbare Energie viele, aber nicht alle Probleme löst!

  2. Etwas verspätet aber trotzdem: Vielen Dank für diese sehr interessante und vor allem informative Serie. Da steckte sicherlich viel Arbeit dahinter. Ich freue mich immer, wenn man im Netz Informationen findet, die über das übliche Gejammere (Die Einspeisevergütung ist teuer etc.) hinausgeht und mal wirklich fundierte Informationen liefert. Ich bin gespannt, was ich in der neuen Serie über Speichertechnologien so alles lernen kann :-)

  3. Danke Anika! Das Kompliment kann ich zurückgeben. Hab den Sonnengärnter Blog schon lange abonniert, wie du sicher gemerkt hast ;-) Eure Artikel sind immer sehr knackig und kurz, deshalb toll zum zwischendurch lesen. Bin schon gespannt wie eure Einspeisetarife Serie weitergeht!

    @MC auch dir vielen Dank für den Link. Bin endlich dazugekommen reinzuschauen!

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