Blogserie Teil 4: Konjunkturmotor Einspeisetarif in Gemeinden

steckdose174.jpgWas für ein schönes Schlagwort. Konjunkturmotor! Das eignet sich ja hervorragend um ein Thema den Bürgern zu verkaufen! Warum gibt es dann noch keinen Tarif, der die Konjunktur ankurbelt? Vermutlich aus dem selben Grund warum auch der Kampf um ein Budget für die thermische Sanierung jedes Jahr von neuem geführt wird, obwohl mittlerweile klar ist, dass diese Maßnahme volkswirtschaftlich gesehen tatsächlich sinnvoll ist. Wenn auch die 100 Mio. Euro Förderung viel zu wenig sind (Beitrag zum Thema) lösen sie immerhin ein Investitionsvolumen von 650 Mio. aus (WKO Beitrag).

Beim Thema Einspeisetarif haben wir neben den blockierenden innerpolitischen Interessenskonflikten noch dazu das Problem, dass vielen Politikern und auch den Bürgern nicht einmal klar ist, welche Vorteile ein sinnvolles Einspeisegesetz hätte. Deshalb beschäftige ich mich heute im Rahmen der Blogserie mit dem Thema kommunale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien.

Das breite Wertschöpfungsspektrum

Profitverteilung Erneuerbare

Selbst wenn die Kleinkraftwerke welche in einer Gemeinde installiert werden, nicht in eben dieser produziert wurden, bleibt noch ein beträchtlicher Anteil der gesamten Wertschöpfungskette im Ort. Beginnend bei Installationsbetrieben, über Banken, Versicherungen bis hin zu kleinen Betreibergesellschaften, die Bürgerbeteiligungen verwalten, erstreckt sie sich. Überall fallen Steuern, die wiederum der Gemeinde und dem Bund für weitere Investitionen zugutekommen,  an. Die obenstehende Grafik findet man in Vollauflösung hier auf S. 17.  Dieses Dokument ist übrigens ein Must-Read für alle Energieinteressierten. Ich würde mir wünschen, dass es eine Studie auf diesem Niveau auch für Österreich gäbe.

 

 

 

Wertschöpfung im Inland und nicht in Saudi-Arabien

Kommunale Wertschöfpung

Auch wenn ein EEG einiges kostet, darf man keinesfalls vergessen, dass das Geld welches der Staat hier investiert nicht abfließt, sonder hier, beim Nachbarn oder bei meiner Gemeinde bleibt. Dieses Geld wird tendenziell auch hier wieder ausgegeben. Es ist jedenfalls um ein Vielfaches wahrscheinlicher, dass mein Nachbar das Geld in meinem Laden ausgibt, als dass ein Ölscheich aus Saudi Arabien bei mir vorbeikommt. Der wird sein Geld wohl eher in eine Luxusyacht aus den USA investieren. Das Geld bleibt also in der oberen „Geldatmosphäre“. Bestenfalls profitiert ein Luxusartikelhersteller aus Österreich davon, der wiederum ebenfalls nicht zu mir einkaufen kommen wird. In der bestehenden Energieordnung ist es also schwierig, dass das Geld, welches wir über unsere Energierechnung und Energieimporte bezahlen, wieder unters „gemeine Volk kommt“. Vermutlich in Mitgrund der auseinanderklaffenden Einkommensschere. Anders bei Erneuerbaren – sie fördern die „Demokratisierung der Energieversorgung“.  In Deutschland gibt es nun erste Daten zu diesem Thema:

 

Geld für viele Kleine statt weniger Großer

Kleine LeuteDeutlich wird oben genannter Punkt in dieser Grafik. Nur 10% der Investitionen in Erneuerbare kamen von großen Energieerzeugern. Den Löwenanteil tragen die „kleinen Leute“, denen durch ihre Investition über Jahre hinweg eine sichere Energieversorgung, sowie eine ausreichende Rendite garantiert wird. Diese Verteilung ist meiner Meinung nach auch wichtig und richtig. Wie absurd wäre es, wenn die EVU’s einerseits die Einspeisevergütung selbst abkassieren und dann auch noch die EEG-Umlage an ihre Endkunden verrechnen würden.

Kosten-Nutzen Erneuerbare

In dieser Grafik wird nochmal deutlich wie haltlos jegliche Angriffe auf den Einspeisetarif sind. Der Nutzen übersteigt die Kosten und das obwohl Deutschland mit einem unglaublich hohem Einspeisetarif begonnen hat (über 50ct/kWh). Für Anlagen, die 2011 installiert werden, werden nun lediglich 28 bzw. 21 ct/kWh bezahlt. Jetzt wäre der perfekte Zeitpunkt die Trittbrettfahrt in Österreich zu starten. Politiker haben sich über Jahre dafür ausgesprochen, dass wir einfach mal warten bis die Preise weit genug gesunken sind. JETZT ist der richtige Zeitpunkt. Wir sind noch dazu in der glücklichen Lage aus allen Fehlern anderer Länder, die einen Einspeisetarif eingeführt hatten, zu lernen um nun die Rosinen aus dem energiepolitischen Kuchen zu picken. Best- Worst- und Nextpractise sind bereits vorhanden. Deshalb gibt es in den nächsten Beiträgen die Vorstellung der einzelnen Einspeisetarifen, inklusive der Hintergründe was schief und was gut gegangen war in Spanien, Tschechien, Italien, Belgien und Bulgarien.

Kosten-Nutzen

 

PS: Nur damit wirs nicht vergessen: Eine Alternative zum Einspeisetarif ist natürlich noch immer die Internalisierung der externen Kosten auf alle Energieerzeugungsarten und den Stopp der Subventionen von fossilen und atomaren Energieträgern.

Siehe auch die anderen Teile der Blogserie:

Weiterführende Links:

Bildquellen:

Agentur für Erneuerbare Energien

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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