Amortisationszeit von Erneuerbaren – ein Aufräumen mit Mythen

Lesedauer: 3 Minuten

Gestern – im Kreise zahlreicher Energieinteressierter – hat ein Mitarbeiter eines EVU’s das ich jetzt nicht nennen werde,  behauptet:

„Die Energie die ein Photovoltaikmodul für seine Erzeugung benötigt, produziert es über seine gesamte Lebensdauer nicht.“

Wie bitte? Diese Aussage, welche schon lange zur Kategorie „Energielegende“ gehört, kursiert tatsächlich noch unter uns!?! Noch dazu unter Menschen, die sich mit dem Thema Erneurbare Energien ernsthaft auseinandersetzen??

Deshalb hier ein kurzer Beitrag zum Thema. Leider sind sich die unterschiedlichen Studien, ähnlich wie bei den Externen Kosten nicht einig; nichtsdestotrotz sind sie eine Indikation. Die verwendeten Quellen sind  teilweise schon relativ alt. Für Hinweise auf aktuellere Zahlen bin ich dankbar. Man kann aber davon ausgehen, dass sich die Werte seitdem noch um einiges verbessert haben.

Begriffe, die in diesem Zusammenhang verwendet werden sind der „Erntefaktor“ und die „Energetische Amortisationzeit„.

Der Erntefaktor beantwortet die Frage wie oft man die hineingesteckte Energie über die Laufzeit wieder herausbekommt.

Die energetische Amorisationszeit ist die Zeit, die ein Energiesystem benötigt, um die Energie bereitzustellen, die zur Herstellung, zum Betrieb und zur Entsorgung eingesetzt worden ist.

Wasser- Wind- und solarthermische Kraftwerke amortisieren sich nach 3- 13 Monaten und haben einen Erntefaktor zwischen 24 und 200.

Für Photovoltaikanlagen gibt es Angaben der energetischen Amortisationszeit von  1-5 Jahren bzw. einem Erntefaktor zwischen 2 und 38.  Hier gibt es riesige Unterschiede je nach Lage (zB. Südeuropa) und verwendetem Modul. In der Branche spricht man derzeit von 1-1,5 Jahren Amortisation für Dünnschichtmodule und ca. 2,5 Jahre fü kristalline.

Für fossile Anlagen gibt es diese Angaben ebenfalls. Erneuerbare Energie Gegner argumentieren häufig mit einem sehr hohen Erntefaktor für fossile Energien (zwischen 100 und 200), wobei meist nur die Herstellungsenergie für das Kraftwerk miteingerechnet wird, nicht aber der laufende Input, der bei fossilen Kraftwerken notwendig ist. Nachdem die hineingesteckte Energie nie zu 100% verwertet werden kann (Wirkungsgrad ca. 30%) gibt es bei fossilen Kraftwerken de facto keine energetische Amortisation.  Die Lobby sieht das natürlich anders (siehe hier).

Einmal mehr wird deutlich, dass wir mit Pauschalaussagen nicht weiterkommen. Mit wirklicher Genauigkeit kann man ein Urteil nur nach Standort und verwendeter Technologie fällen. Es wird auch an entsprechenden Kennzeichnungen gearbeitet um diese Information transparenter zu machen.

Nachtrag:

Nach Veröffentlichung des Beitrags wurde mir eine aktuellere Quelle zum Thema PV zugespielt. Sie entspricht zwar dem, was ohnehin schon gesagt wurde, zeigt aber die Entwicklung der letzten Jahrzehnte und enhält außerdem noch andere spannende Daten. Der für uns relevante Teil ist die letzte Spalte. Demnach amortisiert sich eine durchschnittliche Anlage bei einer Einstrahlung von 1300 kWh/kWp  in weniger als 2 Jahren, tendenz fallend. Diese Eintrahlungswerte gibt es bereits im Norden Italiens. Für Österreich bei durchschnittlich 1100 kWh/kWp wird die Amortisationszeit ein wenig höher sein.

Photovotaic Technology Platform

Quelle: European Communties 2009, Photovoltaic Technology Platform: Today‘s actions for tomorrow‘s PV technology

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

4 Comments

  1. Vielen Dank Michael, wirklich tiefgreifender Artikel. Vor allem die Kommentare!
    Die Grafik ist sehr komplex aber die verwendeten Quellen möchte ich nochmal hervorheben. Leider sind auch sie schon einige Jahre alt. Irgendwie hat man dieses Forschungsgebiet die letzten Jahren etwas vernachlässigt…

    PV: What is the energy Payback for PV (2004) http://www.nrel.gov/docs/fy04osti/35489.pdf

    Wind: Energy Return on investment for Wind energy (2007)
    http://www.eoearth.org/article/Energy_return_on_investment_%28EROI%29_for_wind_energy

  2. Also das sich Wasser- Wind- und solarthermische Kraftwerke schon nach 3- 13 Monaten amortisieren halte ich ja für ein Gerücht. Das ist halt ganz unterschiedlich von der Art der Anlage, also ob privat, gewerblich oder als Energiewerk und von den Anfangsinvestitionen abhängig. Dabei spielt indirekt die Energiebilanz mit rein.
    Würden z.B. die Subventionen an die Kohle- und Atomkraftwerke mit eingerechnet, verschiebt sich die Amortisierungszeit auch um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte.

  3. Hallo Norman!
    Achtung! Es geht hier rein um die energetische Amortisation, also ab wann die Kraftwerke jene Energie wieder produziert haben, der für die Erstellung notwendig war. Investitionskosten sind hier völlig irrelevant. Leider sind die Zahlen dazu unglaublich schwer zu bekommen, da auch hier große Unterschiede bezüglich Herstellungsort, verwendete Materialien, etc… bestehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.