Think im Selbsttest – Tag 2+3

Der Think steht nun wieder wohlbehütet in der Garage und ich darf  über die letzten beiden Tage resümieren. Vielen Dank übrigens für die vielen Kommentare und die zahlreichen Interaktionen auf Twitter.

Die Rückreise nach Wien

Am Mittwoch habe ich die Heimreise nach Wien angetreten. Natürlich mit 100% „Tankfüllung“. Wir erinnern uns – die Hinreise von ca. 95 km hatte mich über 80% der Ladeleistung gekostet und für eine kleine Spritztour danach hatte es womöglich aufgrund der rauhen (sorry liebe W4 Kollegen) Witterungsverhältnisse nicht mehr gereicht. Bei der Fahrt nach Wien wollte ich mich selbst challengen und immer versucht die Energienadel in Richtung Null-Verbrauch bzw. Einspeisezustand zu bringen. Es gibt beim Verbrennungsmotor zwar auch diese Anzeige, die zwischen 5 und 15 Liter Verbrauch hin und her pendelt, man misst ihr aber im Normalfall keine grosse Bedeutung zu. Anders beim Elektroauto, möchte ich meinen. Das Gefühl zu haben gerade mit 0 Verbrauch zu fahren hat schon wirklich was. Der Haken: Auf der Landstrasse bedeutet das bei leichtem Gefälle eine Geschwindigkeit von ca. 85 km/h; die Autofahrer hinter mir waren dementsprechend „not amused“. Ich bin natürlich nicht die ganze Zeit 85 km/h gefahren aber mehr als 110 km/h sind auch auf der Autobahn nicht drin. Das Ergebnis konnte sich jedoch sehen lassen. Nach über 100 km waren nur 55% der Ladeleistung verbraucht.  Der Umstand, dass das Waldviertel ein paar HM über Wien liegt  und ich weder Scheibenwischer noch Licht benötigte, haben sicher einiges zu dem grossen Unterschied im Vergleich zu Hinreise beigetragen (80% Verbrauch).

Die Nachtparkplatz Challenge

Wie gesagt hatte ich für die erste Nacht die sichere Variante der Garage mit Waldviertel gewählt. Für die 2. Nacht in Wien hatte ich mir jedoch vorgenommen den Versuch zu starten einen Stellplatz mit Steckdose in Wien zu finden. Wirklich nicht so einfach. Es gibt zwar zahlreiche Stromtankstellen, die sind leider nur für untertags und bei Privathaushalten vor allem nicht für mehrere Stunden konzipiert. So startete ich einen Aufruf auf Twitter und hier im Blog. Zu meiner Überraschung bekam ich wirklich viele Inputs und wurde so auf die WiPark Garage am Westbahnhof aufmerksam. Meine Anfrage ob ich die Nacht nicht kostenlos drin parken und Strom tanken könnte und so auf die Lademöglichkeit aufmerksam zu machen, wurde vom freundlichen Marketingchef Herrn Richter promptest bejaht und vor Ort wussten auch alle Parkwächter Bescheid. Mit „Ah Sie san Sie des mitm Elektroauto?“wurde ich begrüsst und in den vorreservierten Parkplatz eingewiesen.

Die Krux mit den Stromtankstellen Plattformen

Bei meiner Suche nach einem Ladeparkplatz in Wien wurde ich natürlich mehrmals auf die Stromtankstellenplattformen hingewiesen. Ich dachte eigentlich, dass alle Plattformen dieselben Tankstellen eingetragen haben, dem ist aber nicht so. Um so ziemlich alle Tankstellen einzusehen,  müsste man alle Plattformen Elektrotankstellen.netE-Tankstellen-Finder, LEMnet  durchforsten und bei ersterem sogar ein PDF durchsuchen!! Meine lieben Leute, da geht noch mehr! Mir war das wirklich zu mühsam und ich hatte das Glück etwas Crowdsourcing betreiben zu können, diese Möglichkeit haben aber nur Wenige. Das grösste Potential sehe ich derzeit beim E-Tankstellen-Finder. Das Manko ist jedoch, dass nicht alle Plätze eingetragen sind.  Interessant wäre auch noch eine Suchfunktion“über Nacht“ Es gibt zwar „Jederzeit“, das heisst für mich jedoch nicht, dass ich das Auto dort lassen kann.

Aufwendige Suche umsonst

Gestern früh habe ich mich dann im Laufoutfit auf den Weg gemacht das Auto zu holen. Ich hatte erwägt öffentlich hinzufahren, aber da ich von mir zu Ubahn schon mal 10 min gehe und der Parkplatz auch nicht wirklich bei der U-Bahn Station liegt, war es definitiv besser zu laufen.  Ich weiß, ziemlich umständlich das alles, eine Steckdose vor der Haustüre wär da schon feiner gewesen. Er war dann auch voll geladen, aber da ich gestern keine großen Wege mehr zurückzulegen hatte, hätte ich ihn nach meiner sparsamen Fahrweise am Mittwoch eigentlich gar nicht mehr laden müssen. In der Stadt ist der Verbrauch ja wirklich unglaublich gering. Leider gibts aber gerade in Wien (noch) wenige Tankstellen. Vermutlich ist das ohnehin schon in Planung aber es sollten zumindest ALLE Parkhäuser diese Möglichkeit bieten und auch eingetragen sein. Vielleicht können auch leistbare Nachttarife verhandelt werden.

Fazit

Was bleibt nun nach diesen 3 Tagen zu sagen.

  • Sinnvolle Carsharing Modelle sollten bereits bei der Herstellung und im Vertrieb mitgeplant werden, da die Spritkosten wirklich deutlich geringer sind und nur die Anschaffungskosten ein Problem für viele darstellt.
  • Nutzen statt kaufen heisst die Devise. Mit € 36.000 wäre mir dieses Auto zu teuer, da auch die Verarbeitung noch zu wünschen übrig lässt; in einem Käuferverbund sieht dies vermutlich anders aus.
  • Wenn sich die Ministerien nun so sehr für Elektromobilität einsetzen, müssen Sie mit derselben Energie auch für sinnvolle Ökostrom Einspeisetarife kämpfen, sodass auch dezentral ausreichend Erneuerbare Energie produziert wird. Die Betonung liegt auf DEZENTRAL!!
  • Die Infrastruktur und die Plattformen haben noch grosses Entwicklungspotential.
  • Neben der Diskussion um Elektromobilität muss sich unbedingt auch unser Zugang zu Mobilität als Ganzes ändern. Die verstopften Strassen, die lärm- und luftverpesteten Städte und die (für viele) unattraktiven Alternativen zum Auto schreien nach neuen Mobilitätskonzepten mit Fahrrädern, öffentlichem Verkehrsnetz á la Schweiz und sinnvoller Ergänzung durch Individualverkehr. Derzeit ist es ja eher umgekehrt.

Soweit zum Selbsttest. Ich mach mich jetzt auf die Suche nach einem Entwicklungspartner für mein energieautarkes Auto. Freiwillige vor – Öllobby nach hinten :-)

 
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About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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