Selbsterfahrung: Elektrisch mobil!

Alle Einträge in diesem Artikel! Aktuell Tag 10 und Zusammenfassung!

Schon seit geraumer Zeit habe ich still bei mir gedacht: Eigentlich müsste man einmal das was man in Vorträgen so alles als machbar anpreise, auch mal in der Praxis als Selbsterfahrung testen.

Seit gestern ist es nun so weit!

Ich möchte mal die nächsten 10 Tage so viel wie möglich elektrisch unterwegs sein. Ich möchte testen, wie viele der Wege, die ich täglich privat und beruflich fahre, ohne Einschränkung mit dem Think City zurückzulegen sind. Wird nicht ganz leicht, da ich derzeit ja recht oft beruflich auch „Überland“ unterwegs sein muss. Aber schaun wir mal, welche Alternativen es da dann gibt.

Ich möchte täglich darüber berichten, auch wenn’s mal nur fossil weitergehen sollte.

Tag 1

Meine Wegstrecke führt mich von Wien aus dem Büro nach Hause in die Gegend Wr Neustadt. Das sind täglich so um die 70 km einfach. Mit den Öffis brauche ich für eine Strecke normal so rd 1:45 Stunden, mit dem Auto sinds mal gerade 50 Minuten. Da sind 2 Stunden mehr Freizeit oder Arbeitszeit pro Tag. Außerdem komme ich recht unregelmäßig aus dem Büro und muss oft während des Tages weg zu Terminen. Daher haben Öffis für mich nicht erste Priorität.

Heute Abend um 19:00 ist das Wetter mal recht angenehm, das Schiebedach lässt den Sommer erträglich erscheinen.

Der Think rollt in der Stadt eigentlich erstaunlich flott, es ist überhaupt kein Problem im Stadtverkehr – auch auf der Süd Ost Tangente mitzuhalten. Durch die gute Beschleunigung und das lautlose Fahren macht’s so richtig Spaß. Ein BMW -Fahrer wird erst richtig munter, als ich ihn flott überholt habe. Das war offensichtlich mit dem Psychogramm meines fossilen Mitbewerbers nicht unbedingt vereinbar.

Zeigt aber auch, dass ein E-Auto (als Stadtauto konzipiert) bis so etwa 70-80 km/h flott beschleunigt und spritzig unterwegs ist – drüber lässt der Elan dann doch merklich nach. Da hatte dann mein BMW-Konkurrent deutliche Vorteile.

Auf der Autobahn bin ich halt statt auf der Überhol- nunmehr deutlich auf die rechte LKW-Spur reduziert. So bei 110 bis 115 ist halt Schluss mit Lustig. Aber so spätestens ab Baden macht sich doch ein deutliches Gefühl der Entschleunigung breit und je länger ich fahre, umso angenehmer empfinde ich dieses Gefühl des lautlosen Gleitens und stelle fest, dass damit der Weg um einiges stressfreier bewältigbar ist.

Auch kein schlechtes Gefühl.

Insgesamt brauche ich für die rd 70 km keine 7 Minuten länger als mit 130+ auf der linken Spur. Die Ladeanzeige zeigt mir Zuhause noch immer eine Ladung von 55%. Das bedeutet, dass die rd 150 km Reichweite, die der Hersteller angibt, durchaus realistisch sind. Natürlich hatte ich keine zusätzlichen Stromfresser wie Licht, Lüftung. Heizung( eh klar) etc an. Diese können die Reichweite doch empfindlich verringern.

Aber trotzdem, bei 55% Restladung bleibt auch dafür noch genug Reserve vorhanden.

Daheim angekommen hänge ich den Think gleich mal an die Steckdose. (da ich seit Jahren 100 % Wasserkraft verbrauche, tanke ich daher auch Grünstrom, wie gewünscht).

Es ist 20 Uhr. Wenn es in dem rd 1100 Seelen-Ort mit geschätzten 450 Autos einmal 250 E Autos geben sollte, dann wird das sicherlich ein Thema für die Netzbelastung. Denn eigentlich sollten die E- Autos in der Nacht zu den Schwachlastzeiten geladen werden und nicht zu den Spitzenverbrauchszeiten. Da gehört die Zeit bis ca 22:00 noch dazu.

Ich denke in einem Jahr schon wird es Wallboxen mit Smartmeter geben, die genau diese Steuerung durch den Netzbetreiber bequem erledigen. Dann wird automatisch so zwischen 22:00 und 5:00 geladen, also in Zeiten, wo wenig Strom verbraucht wird und daher das Netz nicht überbeansprucht wird. (Das wird übrigens mit ein Grund sein, dass wir für 1 Million E-Autos in Österreich lediglich 3% mehr Strom brauchen würden. Das ist aus dem Ausbau der Erneuerbaren gut bewältigbar)

Interessant auch, um 22:00 ist der Think wieder auf knapp 80% aufgeladen. Das reicht für weitere gut 100 km.

Werde weiter berichten.

Statistik:

KM: 70

Zeit:57 Min

Tag 2

In der Früh hatte ich meine Fahrprüfung zum E Führerschein. (um allen Gerüchten vorzubeugen – D U R C H G E K O M M E N) Natürlich bin ich mit dem Think vorgefahren. Dies hatte natürlich bei allen Anwesenden, inkl Prüfer und Fahrschulbesitzer sofort Interesse aber auch Skepsis zur Folge.

Einerseits war ich erstaunt, dass bei einigen Mitstreitern doch recht viel Wissen über E-Mobility vorhanden war aber auch großer Wissensdurst. Andererseits kämpft man sogar bei Fachleuten mit Vorurteilen, die naturgemäß – da es sich ja um Fachleute handelt – nur mit Hardfacts zu entkräften waren. Eh klar, das meiste Wissen der Fachleute stammt von Einzelumbauten der letzten 10 Jahre. Zeigt mir aber auch, dass es noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten gibt, denn die sind ja die Meinungsbildner.

Jedenfalls wollte der Eine oder Andere gleich mal am Übungsplatz Probe fahren und war hinterher schwer begeistert. Die Reichweite oder das doch etwas gewöhnungsbedürftige Ladeverhalten waren nicht wirklich das Thema. D a s Problem bei allen Gesprächen war der Preis. Da muss sich in den nächsten 1-2 Jahren massiv was tun, ansonsten bekommt die E-Mobility das Image von Unleistbar. Die Bereitschaft mit einem E Auto auch tatsächlich im Alltag zu fahren war bei der Hälfte der Leute ehrlich da.

Auch die Fahrschule überlegt die Anschaffung eines E Autos im nächsten Jahr. Thema: Reichweite. Die fahren so 200 Km pro Tag. Ich denke 2012 wird das bei einigen Autos machbar sein.

Ich denke, da sind wir aber nach meinen Gesprächen der letzten Tage in der richtigen Richtung unterwegs.

In Wien angekommen und für ein paar Stunden ans Netz gehängt, hat sich der Think doch wieder teilweise aufgeladen. Untertags war ich mit dem Auto in Wien unterwegs, sodass ich nicht immer laden konnte. Bin dann mit rd 80% weggefahren.

Beim Termin im Lebensministerium konnte ich mit dem Fahrer von Minister Berlakovich reden. Immerhin fährt der Minister wo immer es geht seit März einen Think. Da wurde mir bestätigt, dass das Auto problemlos läuft und im regionalen Verkehr gut einsetzbar ist. Jedenfalls ist der Minister schwer begeistert von unserem Auto und promotet die E Mobility wo immer es geht. Ist ja immerhin seine Aufgabe, besonders schön ist’s, wenn das mit dieser gelebten Begeisterung geschieht.

Na so bei 30% Restladung bei Wöllersdorf und 20km Restheimreise machen sich schon mal die ersten nervösen Gedanken breit. Ist ja nicht so wie bei Benzin – einfach zur Tankstelle und weiter geht’s. Bei E Mobility geht’s doch, derzeit zumindest noch, um einige Stunden, falls einem der Saft ausgehen sollte. Ich denke, da muss ich erst Vertrauen in die Restkapazität – immerhin fast noch 45 km- aufbauen. Tatsächlich war der Rest kein Thema .Und auch der anschließende Einkauf in Wr. Neustadt hat kein Problem bereitet.

Übrigens das Faltdach meines Think war heute beim Heimfahren einfach Gold wert. Hätte ich eine Klimaanlage laufen gehabt, wäre sich der Einkauf wahrscheinlich nicht mehr ausgegangen.

Fazit: Man muss schon lernen, die Mobilität und Nutzung vorausschauend zu planen. Eine zusammenhängende Ladedauer von 5-6 Stunden tut jedenfalls gut, wenn man in der Früh schon 90 km heruntergespult hat.

Aber trotzdem: mein Mobilitätsverhalten- und das ist sicher umfangreicher als das vieler anderer Autofahrer- hat die E Mobility bewältigt. Ich bin heute 186 km gefahren.

Zur Erinnerung: 85% aller täglichen Wegstrecken mit dem Auto sind unter 90 km.

Statistik:

Km:186

Zeit: 160 Min

Tag 3:

In der Früh geht’s durchgehend ins Büro. Komme mit rd 35% Restladung an. Think  kommt an die Steckdose für 4,5 Stunden.

Mit rd 65 % Ladestand muss ich dann nach Eisenstadt. Wohlweislich habe ich mir dort schon eine Lademöglichkeit gesucht, da der Termin ca 3 Stunden dauern wird. Genug Zeit, den Think soweit zu laden, dass ich problemlos nach Hause kommen werde.

Komme mit 30% Restladung an.

Finde tatsächlich die Steckdose und man hat mir freundlicherweise gleich eine Kabeltrommel  hergerichtet. Es geht halt nichts über eine gute Kundenbeziehung!

Nach dem Termin bin ich gespannt, wie weit sich der Think aufgeladen hat.

Na biiiiiitte nicht!

Kabeltrommel

Beim Aufladen ist die Sicherung der Kabeltrommel, ein älteres Exemplar, gegangen. Das bedeutet mein Think ist hat sich auf 35% aufgeladen und dann keinen Saft mehr bekommen.

Jetzt hab ich noch ca 45 km nach Hause. Das könnte knapp werden.

Ich gleite mal recht dosiert durch Eisenstadt und gehe mal vorsichtshalber auf der Autobahn lediglich auf rd 80 km/h. Da braucht das Auto – eh klar – nicht so viel Strom. Je länger ich fahre, desto weniger wird mein Ladestand und je mehr komme ich ins sanfte Gleiten.

Schön langsam verstehe ich, was der ÖAMTC damals mit Gleiten statt Hetzen gemeint haben könnte.

Spätestens bei der Autobahnabzweigung Mattersburg Richtung Wr Neustadt bin ich  dann in der sanften Mobilität mit homöopathischen Beschleunigungdosen angekommen.

Danach geht’s bergab, zumindest – eine zeitweise Wohltat. Bei Bad Sauerbrunn geht’s lange bergauf! Bitte nicht noch Gegenwind!? Mir wird wirklich nichts geschenkt.

Ab der Kuppe gebe ich wirklich nur mehr nahe dem absoluten Nullpunkt des Stromverbrauchs „Gas“. Die Anzeige ist auf rd 10%.

Jetzt wirds kritisch, denn immerhin noch rd 20 km. Die ersten Alternativ – und  Notfallsszenarien werden in Erwägung gezogen.

Was tun? Den ÖAMTC anrufen und um Strom bitten? Bei der nächsten Tankstelle anstecken, dauert einige Stunden!

Egal – no risk no fun – irgendwie geht’s sichs aus!  Gleiten statt Hetzen.

Bei Schwarzau lebt die Hoffnung wieder, es schaut nicht schlecht aus.

Als ich dann in meine Strasse einbiege, ist die alte Sicherheit wieder da und es wird –  eh klar – noch einmal kräftig beschleunigt. Das kostet wahrscheinlich die restlichen 3 %.

Jedenfalls zur Steckdose ist sich’s ausgegangen.

Seitdem hängt der Think süchtig am Netz.

Also heute bin ich ehrlich ins Schwitzen gekommen. Relativ kurze Zeit zum Zwischenladen im Normalmodus ist für solche Umwege doch ein wenig riskant. Und Kabeltrommeln älteren Semesters sollte man im Rahmen der E- Mobility halt auch nicht wirklich benutzen.

Habe Brot zum Abendessen vergessen! Egal, zuviel Brot ist eh ungesund. Ich fahre keins mehr holen!

Statistik:

Km: 185

Zeit: 140 Min

Tag 4:

Starte in Richtung Wien mit rd 80% Ladung. In Wien angekommen bleiben noch 30%. Im Endeffekt zeigt sich jetzt schön langsam, dass rd 15 km  ca 10% Ladung brauchen. Gesamt ergeben sich daher die ca 140 km Reichweite.

Überrascht bin ich, dass die Normalladung doch so lange dauert. In unserer Garage ist die Stromtankstelle mit 40 Ampere abgesichert. Unser Think hat eine Schnelllademöglichkeit, die jedoch zumindest 16 A Absicherung benötigt. Geht sich also locker aus.

Daher nutze ich mal die Schnellladung, da ich noch nach Strasshof und dann erst nach Hause fahre. Mit der Normalladung von 30% weg geht sich das in 6 Stunden nicht aus.

Tatsächlich. Mit der Schnellladung komme ich in den 6 Stunden wieder auf rd 85%.

Bei der Rückfahrt von Strasshof stehe ich auf der Südosttangente im Megastau. Noch dazu quäle ich mich durch 2 Tunnel im Staumodus.

Also eigentlich frage ich mich ja wirklich ob wir Menschen noch dicht sind. Da stehen hunderte Autos im Tunnel, jeder lässt den Motor laufen, die Luft wird unerträglich und alle blasen wir jede Menge CO² und sonst noch viel in die Umwelt. Vom Lärm der Motoren lassen sich auch offensichtlich nur wenige begeistern. Mancher raucht noch schnell ne Zigarette, damit die Stresssituation Tunnel-/ Megastau leichter bewältigt werden kann.

StauUnd so mitten drin stehe ich – und bin emissions- und lärmfrei. Stell Dir mal vor, alle anderen sind auch Elektroautos und Du kannst im Tunnel mal so richtig Durchatmen sowie in der Stille Dich vom Ärger des Staus entspannen.  Ist das nicht eine schöne Vorstellung.

Viel besser ist eigentlich nur mehr – kein Stau.

Wie`s wieder weitergeht verläuft die restliche Fahrt problemlos und ich erreiche mein Endziel mit 35% Ladung.

Statistik:

Km: 187

Zeit:195 Min

Tag 5:

Also bis Monatag hätte ich nie gedacht, dass man sich Wien auch mit 100 km/h nähern kann.

Bis dorthin bin ich immer im Strom der linken Spur bei 130plus mitgeschwommen, was natürlich eine erhöhte Konzentration und damit aber auch wesentlich mehr Stress bedeutet.

Die irgendwie notgedrungene Entschleunigung sorgt in Verbindung mit dem lautlosen Dahingleiten schon für ein wesentlich stressfreieres und entspannteres Fahren. Man hat da schon wieder etwas Zeit zum Beobachten und nachdenken.

Und da fällt mir plötzlich auf , wie viele Autos älteren Datums so um die Kilometer mitkämpfen und bei jedem Mal gasgeben eine dunkelschwarze Wolke aus allerlei Giftmix hinauspusten. Manchmal hat man den Eindruck, die fahren mit Heizöl.

Ist ja eigentlich ein Wahnsinn daß so etwas beim jährlichen Pickerl nicht überprüft wird und diese Luftverpester aus dem Verkehr gezogen werden.

Im gleichen Ausmaß wie der Ärger über diese Zeitgenossen steigt ( die bleiben einem ja vor sich fahrend länger erhalten, weil die ja auch lediglich so 100 km/h rausbringen) steigt aber das gute Gefühl CO² frei unterwegs zu sein und einmal nichts zur Verpestung beizutragen.

Eigentlich ists schon merkwürdig, aber die Wahrnehmung im Tunnelstau vorgestern und die alten Diesel fallen einem als Normalautofahrer ( obwohl auch schon umweltfreundlicher unterwegs) gar nicht mehr so auf.

Nebenbei : das Entschleunigen und Gleiten macht mir zunehmend Spaß.

Ansonsten wars ein normaler Tag ohne Aufregung, durch die Ladung im Büro bin ich hin und retour sehr gut zurechtgekommen.

Statistik:

Km: 153

Zeit: 120 Min

Tag 6:

Gestern bin ich insgesamt nur 39 km gefahren. Also so ziemlich genau den statistischen Schnitt von 80% aller Autofahrten.

Natürlich problemlos.

Am Parkplatz vor den Einkaufszentrum fällt das E-Auto das erste Mal auf und wird überrascht zur Kenntnis genommen und was von Zukunft geraunt.

Aber noch was fällt mir auf: Habe das Auto über Nacht fast 14 Stunden am Netzt gehabt und jetzt ist es voll. In den vergangenen Nächten waren es immer nur ca 8-9 Stunden und rd 90% Vollladung.

Ich weiß zwar, daß die letzten 20% Ladung sehr lange dauern, aber sollte die 100 % Ladung tatsächlich 14 Stunden dauern?

Werde mal den Cheftechniker von Think fragen.

Wenn’s so wäre, dann sind Tagesstrecken bis 120-140 km doch recht normal zu bewältigen, aber 170-180 km sind an der Grenze der normalen Machbarkeit.

Statistik:

km: 39

Zeit: 50 Min

Tag 7:

gönne mir und dem Think einen Schlaf – und Pflegetag(Waschstraße)-wetterbedingt!

daher unspektakulär.

Heute muß ich am Abend mit meinem Sharan fahren, mein Bello hat eine OP und braucht nachher einen Transport.Könnte das zwar auch mit dem Think machen, aber der Sharan ist halt doch seine fahrende Hütte.

Morgen wirds wieder hoch interessant. Da hab ich was Spektakuläres vor.Was, das verrate ich nicht.Das müssen Sie dann schon mal selbst lesen.

Statistik:

km: 30

Zeit:30 Min

Tag 8:

Ganz normaler Bürotag.Tagsüber lasse ich den Think an der Schnellladung, damit er auch morgen sicher auf 100% geladen ist.

Morgen haben wir ein Experiment vor. Mal schauen ob das auch gelingt.Das wird eine erstmalige Fahrt mit einem Serienelektrofahrzeug.

Übrigens: es stimmt, wenn der Think ziemlich entladen ist, dann kann es bei 9 A durchaus bis zu 15 Stunden dauern, bis 100% Ladung erreicht sind.In der Praxis, bei den Tageskilometerleistungen, die ich letzte Woche gefahren bin, ist wahrscheinlich derzeit mal ne natürliche Grenze erreicht.Für bis zu 120 kmTagesleistung reichen auch 80-90% und die sind über Nacht doch ladbar.

ps: meinem Bello gehts wieder besser, er hat sein geliebtes Auto heute wieder gehabt, das doch noch ein wenig brummt. Er ist halt doch schon 11 Jahre und auf diesen modernen fahrbaren Untersatz vom Herrl will er sich doch nicht so schnell umstellen.

Tag 9:

Falls jemandem der vertraute Bericht vom Tag 9 abgegangen ist, hier jetzt zum Nachlesen.

Dr. Hörl und Mag. Würger mit Think City vor dem Großglockner   Also wie angekündigt und nebenan ersichtlich ( das ist keine Fotomontage!) war ich am Dienstag mit unserm Think am Großglockner. Immerhin war das, soweit sich das recherchieren lies, die Erstbefahrung der Großglockner Hochalpenstraße mit einem serienmäßigen Elektroauto. Also durchaus eine kleine Sensation zum 75. Bestehen der Straße.

Was ich bis letzte Woche nicht wusste, ist, dass die Hochalpenstraße heute von fast allen namhaften Autoherstellern als Teststrecke für die Erprobung der Leistungsfähigkeit von neuen Autos permanent benutzt wird. Das war auch vor 75 Jahren schon so und hat man damals die Leistungsfähigkeit der Autos mit Verbrennungsmotor unter Beweis gestellt. Kein Wunder bei teilweise 12% Permanentsteigung.

Also so hat sich letzte Woche die Idee bei mir gefestigt, das auch mit unserem Think zu testen. Ehrlich gesagt, eine Portion Unsicherheit hat bei der Idee schon mitgeschwungen. Immerhin , was mach ich am Großglockner mitten in der Landschaft ohne Steckdose? Lange Strecken mit hoher Steigung von bis zu 12% und das noch rd 40 km lang.

Also gewagt ist halb gewonnen:

Von der Kassenstelle Fusch aus bin ich mit Dr. Hörl, von der Großglockner Hochalpenstraße AG, mutig und unerschrocken, mit keiner Ahnung was jetzt passieren würde, die Fahrt angegangen. Mit rd 95% Ladung gings los.

Zur Sicherheit – so quasi als Backup- ist uns Herr Bönisch konventionell fossil gefolgt. Man kann ja nie wissen!

Die ersten 8 km:

Das Auto meistert die ersten Steigungen ohne murren und ächzen und hält problemlos mit dem vor uns fahrenden Touristenauto mit. Wir sind eigentlich beide überrascht und begeistert. So bei Kehre 5 oder 6 schaue ich mal vorsichtshalber mal auf die Tankuhr und werde leicht nervös. Immerhin hat die Strecke bisher laut Anzeige rd 15% gefressen. Ob sich das ausgeht? Ich fange leicht an in Alternativszenarien zu denken. So nach dem Motte, zum Umdrehen wird’s wohl noch reichen. Aber interessanterweise geht die Nadel im weiteren Verlauf nicht mehr so rasch gegen 0.

Das Fuscheretörl:

Je näher wir uns dem Fuschertörl nähern, desto dichter wird der Nebel und je mehr regnet es. Eigentlich wollten wir einige Fotos machen, so rein zur Erinnerung. Aber schwarzer Tink im grauen Nebel hätte ich Ihnen nicht wirklich als Beweis vorlegen können.Wir drehen dann doch das Licht auf. Das bringt uns zwar nichts bei der Sicht, aber zumindest haben wir die Chance vom Gegner gesehen zu werden.Was natürlich- so meine Befürchtung- den entscheidenden Strom fressen könnte.

Irgendwann geht’s dann doch wieder bergab und wir fahren mit dem „E-Gang“, da gewinnt unser Think durch die Bremsung wieder Strom zurück. Nicht viel, aber die Zuversicht steigt! Der Nebel lichtet sich, aber vom Großglockner keine Spur. Der will mich heute einfach nicht. Da hilft offensichtlich auch nichts, dass ich die Hochalpen AG mit im Boot habe.

Die letzen 8 km:

So beim Kreisverkehr haben wir zu unserer Überraschung (wohl auch Beruhigung) noch rd 60% im Tank. Die Fahrt wird für mich zumindest – zunehmend entspannter. Das Glocknerhaus gleitet mühelos an uns vorbei und am anschließenden, großen Parkplatz haben wir sogar die Kraft, einen Vorgänger zu überholen.

Ich sags Ihnen und Sie werdens mir fast nicht glauben: Aber justerment zu dem Zeitpunkt als wir auf der Franz Josefs Höhe einfahren reißt die Wolkendecke um den Großglockner auf. Fast so als wenn der Berg sich des bedeutenden Ereignisses der elektrischen Erstbefahrung mit dem Think bewusst wäre und sich fotografieren lassen wollte.

Wir rufen den Fotografen an! Und gehen einen Kaffee trinken.

Die Tankuhr zeigt 50%. Na bitte! Sorgen unbegründet, das Experiment ist geglückt! Gebe zu, der Wind vertrocknet mir die letzte Schweißperle.

Unser Fotograf macht – das Wetter hat sich weiter verbessert und die Sonne kommt durch – auf der KFJ Höhe jede Menge Fotos, teils echt liegend aus der Froschperspektive- eh klar, wie bringt man sonst den hohen Berg aufs Bild mit dem kleinen Auto.

Der Fotograf bei der Arbeit

Dann reift die Idee: eigentlich sollten wir auch Fotos machen, auf denen die Straße zu sehen ist. Gesagt – getan. So irgendwo unter dem Glocknerhaus hat unser Fotograf dann eine Kurve auserkoren, die zum Fotoshooting herzuhalten hatte. So einen leichten Stau haben wir damit schon produziert! Aber die Autofahrer habens gelassen und interessiert genommen – noch mal Danke dafür!

Interessant war, dass der Think bei der Talfahrt durch die Rekuperation insgesamt doch so an die 10% Energie wieder zurückgewonnen hat. Durch die Rekuperation hat das Auto so stark faktsch „motorgebremst“ dass teilweise trotz der 12% Gefälle kein sonstiges Bremsen notwendig war. Wieder in der Ebene angekommen, hatte ich noch einen Ladestand von 30%. Also insgesamt, da wir ja mir 95% gestartet sind, ein Verbrauch von 65% und noch genügend Reserven für den einen oder anderen Höhenmeter.

Also ich muß schon sagen, war ein interessantes Experiment bei dem die Leistungsfähigkeit des E Mobils unter Beweis gestellt werden konnte. Die Steigungen waren zwar herausfordernd, haben aber dem Think nicht wirklich Probleme gemacht. Und der Berg hat auch noch mitgespielt! Insgesamt ein lohnender Ausflug, den wir (zugegeben) nicht über die ganze Strecke elektrisch zurückgelegt haben – aber den wichtigsten Teil davon!

Statistik:

Km : 82

Zeit: 110 Min

Tag 10

Also den Tag 10 habe ich mit dem Think auch absolviert.Nach der Hochalpentour ists aber unspektakulär. Einfach ins Büro und wieder retour.

Eigentlich schade, daß es jetzt vorbei ist. Habe mich an das Dahingleiten schon gewöhnt.Und meinen Nachbarn sind offensichtlich auch schon die Fragen ausgegangen.

Also so schnell kann E-Mobility zur Normalität werden. Aber jetzt ists mal vorerst vorbei, andere Mitarbeiter wollen auch E- Auto fahren!

Statistik:

km: 150

Zeit 130 Min

Zusammenfassung:

Ich bin froh den Selbstversuch gemacht zu haben. Jetzt kann ich nicht nur aus der Theorie plaudern.Ich denke,mit bis zu 180 km pro Tag bin ich sicherlich am obersten Spitzenfeld der Normaluser.  ( Die durchschnittliche Tageskilometerleistung liegt zu 90% bei rd.90 km.) Der Selbstversuch hat aber gezeigt, daß bei vernünftiger Zwischenladung und entsprechender Zwischenladezeit Tagesleistungen von rd 180 km bewältigbar sind.

Das erscheint mir allerdings derzeit an der Grenze , die mit vernünftigem Verhalten bewältigbar ist.Dabei ist jedoch sicherlich zu bedenken, daß im Winter bei Licht und Heizung sich das Ganze wahrscheinlich auf 120-140 km reduzieren wird.Da wirds dann schon eng für Pendler.

Übrigens 92 % der gesamten Zeit ist das Auto gestanden.Ich meine, das ist genug Zeit zum Laden. Und im Übrigen entspricht das voll der Statistik von der Nutzung des Autos.

Also : E- Mobility ist heute schon für das durchschnittliche Fahrverhalten problemlos machbar – jetzt muß es nur noch leistbar werden.

Ich bin davon überzeugt, da werden wir schneller sein als wir A L L E  glauben.

 
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Reinhard Würger

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Im Jahr 1999 hat Mag. Reinhard Würger das Thema Ökoenergie, zuerst im Immobilien- und Ökoenergiebereich und anschließend im KFZ- und Fuhrparkmanagement ins Rollen gebracht. Seit 2004 ist er Bereichsleiter für den Bereich Mobilien- , KFZ-Leasing sowie Elektromobilität und ist maßgeblich für die Umstellung des Raiffeisen-Leasing Fuhrparks auf Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen (Hybrid, Pflanzenöl, Erdgas und Ethanol) verantwortlich. Im Rahmen seiner Tätigkeit in der Raiffeisen-Leasing hat er das Netzwerk Auto & Umwelt mit dem ÖAMTC initiiert und arbeitet federführend bei der Raiffeisen-Klimaschutzinitiative im Arbeitskreis Verkehr und Treibstoffe mit. Im Rahmen der Elektromobilität unterstützt und berät er mehrere Modellregionen der Elektromobilität sowie regionale Mobilitätsprojekte.

8 Comments

  1. Lieber Herr Reininger
    Wenn Sie diese info lesen bitte ich um Kurze Rückantwort per Mail an unten stehende Adressen.

    MfG Alexander Gollmer, München

  2. Wenn man diese Berichte liest, bekommt man richtig Lust aufs E-gliden und Entschleunigen. Da finde ich es fast schade, dass mein Auto nur eine automatische Motorabschaltung im Leerlauf hat (aber immerhin ein Anfang). Viel Spaß noch mit dem Think.

  3. Inspiriert vom Selbsttest von Reinhard Würger habe ich mir den Think auch für ein Wochenende ausgeborgt und einen Ausflug in die Steiermark unternommen (eine Strecke ca. 80 km – ideal zum Testfahren).
    Mein Fazit: sehr genial für Stadtfahrten und kurze Strecken. Die Erfahrung der Entschleunigung auf der Autobahn habe ich nicht nachvollziehen können. Nachdem hier ein relativ lautes Reifengeräusch entsteht, fällt das ruhige Dahingleiten für mich weg.
    Das Handling rund ums Aufladen ist sehr einfach, wenn die Infrastruktur (sprich Steckdose) vor dem Haus vorhanden ist.
    Auf jeden Fall erzeugt das Fahren mit Strom ein wahnsinnig gutes Gefühl – mir war bisher nicht bewusst, wie laut Autos sind und wie sehr sie stinken …

  4. Auch ich hatte gestern die Gelegenheit, den Think auszuprobieren. Das Fahren selbst ist definitiv ein neues Gefühl aufgrund der Ruhe (wenn man das Radio nicht aufdreht ;-) ). Allerdings musste ich aufgrund meiner Größe (194 cm) feststellen, dass der Think auf Dauer kein Auto für mich wäre. Die Windschutzscheibe ist derart klein, dass ich immer das Gefühl habe, mit gekrümmten Rücken zu sitzen und sich sehr schnell Schmerzen im Nacken eingestellt haben.

    Dies ist aber glücklicherweise kein Problem der Elektromobilität, sondern der Bauweise des Think. Da lässt hoffen, dass bald weitere Hersteller hoffentlich größere Ausführungen von Elektro-Autos auf den Markt bringen.

    Das Thema Aufladen sehe ich noch sehr skeptisch. Grund ist, dass ich in Wien lebe und damit nicht die Möglichkeit habe, direkt zu einer Steckdose zuzufahren. In meinem Fall lebe ich in einem Kleingartenwohnhaus und bräuchte erstens Glück, direkt vor dem Kleingarteneingang einen Parkplatz zu finden und müsste zweitens eine extrem lange Kabeltrommel verwenden, die ich dann auch noch über öffentlichen Grund legen müsste, um überhaupt laden zu können.

    Gerade für Ballungsgebiete werden Konzepte benötigt, die es den Menschen einfach ermöglicht, Ihre künftigen E-Cars aufzuladen.

    Aufgrund der Kreativität in dieser Branche bin ich aber überzeugt, dass auch diese Herausforderung gemeistert wird.

  5. Vergangenes Wochenende hatte nun auch ich die Möglichkeit elektrisch zu fahren. Zwar mit keinen besonderen Strecken, wie Großglockner etc. Einfach nur ein normaler „Elektro-Wochenend-Bericht“:

    Am Freitagnachmittag nach einer kurzen „Einschulung“ insbesondere hinsichtlich Ladevorgangs, konnte mein Wochenende beginnen – ab in den Think City und Richtung Niederösterreich.
    Dem vermeintlichen Wochenend-Stau auf der Südautobahn bin ich vorausschauend ausgewichen und habe mich ab Mödling von der 17er direkt auf die Weinstraße begeben.
    Bei der ersten Steigung in Mödling Richtung Panorama Restaurant an der Weinstraße wollte ich die Kraft des Think beim Bergauffahren testen, musste allerdings leider gleich wieder abbremsen, nachdem ich hoffentlich rechtzeitig noch von einer lauernden „Geschwindigkeits Kontrolle“ an die Limits erinnert wurde.
    Die übrige Fahrt auf der Weinstraße war dann sehr entspannend – mit dem wendigen kleinen Flitzer mit offenem Fetzendach bei strahlendem Sonnenschein, vorbei an Weinstöcken zu düsen, und dabei dem reifendem Jungwein nicht die Luft zu nehmen, ist wohl nicht zu übertreffen.
    Zu Hause angekommen, konnten wir dann zu zweit noch alle Einkäufe und Erledigungen fürs Wochenende vornehmen, einerseits dank des großen Kofferraums und andererseits (aufgrund der fortgeschrittenen Zeit), durch die gute Beschleunigung war dies rasch erledigt
    Zurück zum Haus ….. Auto an die Steckdose …..

    Nächster Tag:
    Mit dem Think City sollte es zur Taufe meines Neffen gehen. Leider mussten wir ungefähr nach 3 Kilometern, nach einem Kontrollblick auf die „Tankanzeige“, feststellen, dass der Ladevorgang über Nacht leider nicht geklappt hatte.
    Tja, die Kabelrolle abrollen!!! … So oft hab ich davon geredet!
    Also wieder zurück zum Haus und per Benzinschlucker zur Taufe … gerade noch rechtzeitig.
    Am Nachmittag konnten wir dann trotzdem noch den Think holen und der Taufgesellschaft zeigen.
    Neben dem Firmenwagen BMW Z4 eines der Gäste war er zwar nicht der einzige Blickfang, das Interesse war aber sicherlich größer.
    Aufgrund des niedrigen Ladestandes durften wir dann länger bei der Feier verweilen und verließen erst als letzte das Fest.
    Nach rund 4 Stunden war der, durch zahlreiche Probefahrten, fast vollständig entladene Think wieder so weit, die Heimreise anzutreten.

    Fazit:

    Der Think ist ein wendiger, sehr flotter Stadtflitzer und für Kurzstrecken mehr als geeignet.
    Das Fahrgefühl steht einem traditionellen Auto in keiner Weise nach. Geräuschlos lässt sich das offene Fahren (Cabrio-Feeling dank Fetzendach) noch mehr genießen.
    Die gute Beschleunigung, der Platz für alle Einkäufe und die sehr gute Rundumsicht (insbesondere beim Einparken) sind ein weiteres Plus.

    Abschließend noch ein paar Tipps für andere „unbedarfte Tester“:
    1. Vorausplanend fahren und an die Lademöglichkeiten denken!
    2. Kabeltrommel – immer vollständig ausrollen!
    3. Beim Starten – den Schlüssel kurz vollständig umdrehen wie wenn ein Anlasser betätigt werden würde, sonst stellt sich der Think gleich wieder ab.

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