Entrepreneurship und das halb volle Glas

Group of Business People in MeetingEntrepreneurship – Dieses Wort begleitet mich nun schon so viele Jahre und immer wieder trifft man Menschen, die mit dem Begriff so gar nichts anfangen können. Dabei ist es eines der spannendsten Konzepte unserer Zeit und beinhaltet ua. dass grundsätzlich JEDER die Möglichkeit hätte, wirklich etwas zu UNTERNEHMEN um die Welt, sein Umfeld oder zumindest sein eigenes Leben ein klein wenig zu verbessern.

Deshalb finde ich wichtig, dass der Begriff einer öffentlichen Diskussion ausgesetzt wird und beteilige mich an der  Mingo Blogparade (Was ist eine Blogparade) zum Thema Entrepreneurship. Ich lade auch andere Ökoenergiebloggerinnen ein, es mir gleich zu tun. Österreich braucht eine gehörige Entrepreneurship Impfung damit jene, die den inneren Ruf schon spüren, endlich dem Drang zu gründen nachgeben und im besten Fall zum Sustainability Entrepreneur werden.

Um darzustellen, was Entrepreneurship für mich bedeutet und warum es so wichtig ist, möchte ich meine persönlichen Leitsätze zum Besten geben. Sie sind mein Antrieb Unternehmerin und nicht Angestellte sein zu wollen und zeigen auf, was Unternehmertum in unserer Welt bewirken kann.

 Sei nicht nur gut, sei gut für etwas

Dieser Leitsatz der WeissSee Initiative begleitet mich nun schon viele Jahre. Er beschreibt jedoch deutlich, den Antrieb vieler Unternehmer und Unternehmerinnen. Eine Unternehmerpersönlichkeit will keine Marketingkonzepte für die 17.000. Zahnpastavariation schreiben. Eine Unternehmerin will am Ende des Tages sagen können, dass sie mit dem was sie tut zufrieden ist und das Gefühl hat, ein wichtiger Teil der Gesellschaft zu sein und nicht eine beliebig austauschbare Nummer. Sie kennt auch ihre Fähigkeiten und weiß diese umzusetzen. Letzteres ist wohl die größte Herausforderung am Weg zum Unternehmer. Wie viele Leute wissen schon, was sie wirklich gut können? Wissen Sie es?

Wer seine Arbeit liebt, braucht nie mehr zu arbeiten!

Der Unternehmer weiß wo seine Stärken liegen und ist auch der Überzeugung, dass er es besser kann als seine Mitbewerber. Warum? Weil er es gerne macht und jeder weiß – Was man gern macht, macht man gut! Ich finde es traurig, wie viele Menschen sich jeden Montag zur Arbeit schleppen und nur mehr die Stunden bis Freitag abzählen. Manche Rundfunkanbieter fördern diese Gedanken auch noch mit extra dafür angefertigten Jingles. (Ich glaub jeder weiß, wovon ich rede…). Natürlich gibt es auch Menschen, die auch in der Anstellung aufgehen, weil sie eben etwas gefunden haben, was sie gerne machen. Von denen spreche ich nicht, schließlich braucht jeder Unternehmer auch motivierte Mitarbeiter. Hier spreche ich aber von jenen, die eigentlich in sich fühlen, dass sie für etwas anderes bestimmt sind und noch nicht das tun, was sie wirklich gerne und gut machen.

If life gives you citrons – make lemonade!

Ich weiß leider nicht mehr, wo ich diesen Spruch zum ersten Mal gehört habe. Er erheitert mich jedoch jedes Mal auf Neue und übersetzt in unsere Gesellschaft beschreibt es genau das was Sustainability- Eco- und Social Entrepreneure tagtäglich machen. Anstatt in die saure Zitrone zu beissen, was so viel heißt wie den Status quo hinzunehmen oder sich beschweren, wie schlimm nicht alles ist und die armen Eisbären auf ihrer Scholle umkommen, ersetzt die Unternehmerin Wasser und Zucker durch Kreativität und Innovation und findet Lösungen statt Problemen.

 Possibilisten sind die besseren Optimisten

In eine ähnliche Kerbe schlägt dieser Spruch, den ich erst gestern bei der Rede von Hermann Scheer aufgeschnappt habe. Ich kann nach seinen Ausführungen nur sagen: Entrepreneure sind definitiv Possibilisten – und Optimisten laut Scheer Pessimisten mit zu unzureichender Information.

Im Kontext der nachhaltigen Entwicklung hat Hermann Scheer erklärt wie Possibilisten sich nicht von den zahlreichen Unkenrufen ablenken lassen, den Tunnelblick ablegen (zB. übertriebener Naturschutz) und nach ganzheitlichen Lösungen suchen und diese finden. Seiner Meinung nach, werden es die „Possibilisten“ sein, die die neue ökotechnologische Revolution vorantreiben.

Mir fällt dazu nur ein:

Für den Pessimisten ist das Glas halb leer 
Für den Optimisten ist es halb voll.
Was macht ein Possibilist?
Er geht zum Wasserhahn! ;-)

Wer den ganzen Tag arbeitet, hat keine Zeit, Geld zu verdienen. 

Helmut Spanner, ein spannender Unternehmer und vielleicht sogar Sustainability Entrepreneur erzählt in dem Interview mit Prof. Faltin – den ich dank der Blogparade nun endlich kennenlernen darf, wie er AN seinem Unternehmen arbeitet. In dem Interview fällt auch oben genannter Satz, der mich ebenfalls schon lange begleitet. Ihn sollten sich viele Manager und auch andere Unternehmer zu Herzen nehmen. Im Tagesgeschäft gehen die wesentlichen Dinge leider oft unter. Wirklich erfolgreiche Unternehmerinnen haben gemeinsam, dass sie sich die Zeit wirklich nachzudenken einfach nehmen. Ein tolles Beispiel dafür ist einer meiner Lieblings Sustainability Entrepreneure Yvon Chouinard von Patagonia. Er betreibt: „Management by Absence“  indem er 4-6 Monate im Jahr einfach auf Weltreise geht, damit das Unternehmen einerseits nicht zu schnell wächst (Ja, auch das ist erstrebenswert) und andererseits er Zeit für sich hat und sich auf die wesentlichen Dinge konzentrieren kann.

Politik vs. Unternehmertum

Beim Durchlesen wird denke ich klar, was dieses Thema mit Ökoenergie und Nachhaltiger Entwicklung zu tun hat. Unternehmer und Unternehmerinnen haben eine viel größere Macht als politische Regelwerke.  Die schöpferische Zerstörung nach Schumpeter kann nur unternehmerisch vollzogen werden. Kein politisches System hat die Macht, Konventionen so auf den Kopf zu stellen, wie Unternehmerinnen es tun können. Politische Entscheidungsträger haben allein aufgrund der Funktionärsstrukturen einfach nicht die Möglichkeit über den vielzitierten Tellerrand zu blicken; sie haben jedoch die Möglichkeit Strukturen zu schaffen, in denen echtes unternehmerisches Gestalten möglich und vor allem erstrebenswert wird. Damit meine ich nicht die Unterstützung von Freiberuflichen – die übrigens nur in seltenen Fällen Entrepreneure sind –  bei der Überwindung der durch den Staat selbst produzierten bürokratischen Hürden.

Mir ist klar, dass nicht jeder Unternehmerin werden will und das ist auch gut so, aber in einer Gesellschaft gibt es  immer einen kleinen Prozentsatz echter Unternehmerpersönlichkeiten. Ohne jetzt irgendwelche Zahlen strapazieren zu wollen, traue ich mir zu sagen, dass dieses Potential in Österreich bei weitem nicht ausgeschöpft ist. Projekte wie diese Blogparade sind jedoch ein erster Schritt näher an die potentiellen Unternehmer und Unternehmerinnen heranzukommen. Der nächste Schritt ist aufzuzeigen, dass Nachhaltigkeit eine unerschöpfliche Quelle für Innovationen darstellt. Es versteht sich von selbst, dass dieser Zugang auch von Herzen kommen muss. Aus reiner Profitgier Nachhaltigkeitsinnovationen anzustreben, wird nicht funktionieren.

Abschließend empfehle ich auch alle anderen Beiträge, die im Laufe der Blogparade bis jetzt geschrieben wurden. Beim Lesen der Beiträge ist aber Vorsicht geboten. Manchen werden die Beiträge weh tun, andere werden es schlichtweg nicht verstehen, und wieder andere werden bald auf ihre innere Stimme hören und dem Ruf zum Unternehmer oder zur Unternehmerin folgen.

Blogparade Entrepreneurship

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin, Speakerin & Autorin. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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