Ökoinnovationen beim Staatspreis für Innovation – oder doch nicht?

Letzte Woche war ich beim Österreichischen Staatspreis für Innovation und einiges dort hat mich so bewegt, dass dies nun ein Blogbeitrag wert ist. Ich muss gestehen, dass ich mich vorab nicht wirklich über die Nominierten erkundigt habe. So ließ ich mich also gemeinsam mit einer Geschäftspartnerin von den vielen Nominierungen berieseln und war überrascht, wie hoch der Anteil an Ökoinnovationen unter den teilnehmenden und nominierten Unternehmen war. Ganze 9 von 24 teilnehmenden Unternehmen können dem Bereich Ökoinnovation zugeordnet werden; sogar etwas mehr, wenn man die fadenscheinigen Ökoinnovationen dazurechnet, dazu aber später…

Das Ambiente in der Orangerie war wunderschön und die neuartigen Projektionsmöglichkeiten haben den wirklich witzigen Moderator Josef Broukal in einem futuristischen Licht erstrahlen lassen. Meine Begeisterung war groß als auch der Waldviertler Möbelstoffhersteller Backhausen nominiert wurde. Das Unternehmen hat sich seit 2 Jahren auf Cradle2Cradle Stoffe spezialisiert und wird nun den weltweiten Textilmarkt mit Stoffen, die zu 100% wieder in den Produktionsprozess zurückgelangen, gehörig aufmischen (Returnity). Generell waren unter den Innovationen wie gesagt auffallend viele in Richtung Ressourceneffizienz und Ökoinnovation orientiert, doch dann kam die Nominierung von Bosch

Das Unternehmen wurde nominiert für die Verbesserung einer Komponente zur Dieseleinspritzung für Nutzfahrzeuge…. Moment mal, Dieselmotor? Sind wir hier nicht bei einer Innovationsveranstaltung und küren ein Produkt als Innovation, welches seit 1928 nur inkrementell verändert wurde?? Ich glaub ich bin im falschen Film. Meine Kollegin und ich schauen uns kopfschüttelnd an. Es geht weiter… Die Entwicklung des Produktes hat 4 Jahre gedauert? Wie bitte? Mehr desselben á la Watzlawick, während der komplette Automotivmarkt auf alternative Antriebe umgerüstet wird und Bosch verkauft die neue Einspritzdüse noch als große Innovation? Inkrementelle Innovation gut und schön, es ist wichtig, dass Dieselmotoren in der Übergangszeit noch effizienter werden, das sehe ich jedoch als gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmens, da sie anscheinend eben nur das tun was sie können und den Schlüssel leider im Hellen suchen…. Es handelt sich dabei meiner Meinung nach jedoch in keiner Weise um eine Innovation die eine Nominierung zum Staatspreis verdient hätte.  Schön für Bosch, dass Sie soviel Geld haben, dass sie 4 Jahre Entwicklungsgelder in eine auslaufende Technologie investieren können. Natürlich machen sie damit noch einige Jahre Geld, aber mit Weitblick, welcher für mich bei Innovation dazugehört, hat das nichts zu tun.

Gott sei Dank hat sich letztendlich aber doch ein weiteres Vorzeigeunternehmen im Umwelttechnologiebereich durchgesetzt.  Staatspreisgewinner war die  Binder+Co AG. Sie entwickelte ein Sensorsystem zur Sonderglas-Aussortierung und ist Weltmarktführer im Glasrecyclingmarkt. Der sympathische Vorstand Dr. Karl Grabner hat uns im Anschluss auch erzählt wie nervös er vor der Verkündigung war und hat sich sichtlich über den Preis gefreut. Die Nominierten wissen also bis zuletzt wirklich nicht, wer gewinnt.

Jedenfalls war es schön zu sehen, dass Österreich wirklich gute Köpfe im Ökoinnovationsbereich vorzuweisen hat. Wirtschaftsminister Mitterlehner punktet ebenfalls immer öfter mit grünen Vorstößen. Kein Wunder, dass ich immer an Al Gore denken muss, wenn ich ihn sehe. Hier der direkte Fotovergleich – Die Ähnlichkeit ist verblüffend ;-) 

 
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Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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