Sollte das Ökostromgesetz nicht Windstromgesetz heißen?

Gestern war der große Tag, wo das neue Ökostromgesetz in Kraft getreten ist. Es hat medial nur wenig Aufmerksamkeit erregt und bis auf einige wenige Pressemeldungen (WKO, Land NÖ, Lebensministerium) wurde nicht viel darüber diskutiert.

Überall wird ziemlich unisono berichtet: Endlich neues Ökostromgesetz, Mehr Geld für Windkraft, 21 Mio. Förderung, … Ich habe noch keine kritische Auseinandersetzung gefunden, die sich damit beschäftigt, was diese neue Verordnung nun bewirken wird. Hier eine erste Prognose, beginnend mit einer Auflistung der Tarife:

Wind:  9,7ct/kWh

Photovoltaik:

  • 5-20 kWp Gebäudeintegriert: 38ct/kWh → richtiger Weg!
  • > 20 kWp Gebäudeintegriert: 20ct/kWh
  • 5-20 kWp Freifläche: 35ct/kWh
  • > 20 kWp: 25ct/kWh

Biogas

  • bis 250 kW 18,5 Cent/kWh
  • bis 500 kW 16,5 Cent/kWh
  • über 500 kW 13 Cent/kWh
  • zustäzlich gibts noch Zu-und Abschläge für diverse Leistungsklassen

Fällt Ihnen etwas auf? Warum gibt es so viele Unterteilungen bei PV und Biogas und nur eine Klasse bei Wind? Wer wird diese Windräder bauen? Private Haushalte oder EVU’s? Werden eher mehrere kleine oder wenige große Windparks gebaut werden?  Wo wird der Großteil der 21 Millionen Förderung hinfließen?

Es wird also deutlich, dass der Staat bei Windkraft einen Investitionsboom durch Großinvestoren auslösen möchte. Außerdem will er Häuslebauer dazu ermutigen, eine PV-Anlage zu integrieren, anstatt Freiflächen zuzupflastern und den Kauf von leistungsstarken und mehreren kleinen Biogasanlagen ankurbeln. So weit so gut wirklich löblich, wenn da nicht dieses „First come, first serve“ Sätzchen wäre…

Die großen Windkraftanlagen, die bereits seit längerer Zeit in Planung sind und wegen des geringeren Einspeisetarifes gestoppt wurden, könnten die Millionen sehr schnell aufbrauchen und in die Taschen einiger Weniger fließen lassen, da es nur bei der Windkraft möglich ist, große Volumina zu realisieren. Ich verweise hier auf einen Artikel aus dem Burgenland wo Landeshauptmann Niessl von 100 neuen Anlagen spricht und verspricht die UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung) Verfahren zu beschleunigen. Mit dem Know-how, das in den letzten Jahren im Burgenland im Bereich Wind aufgebaut wurde, ist es gut möglich, dass auch im Großprojektbereich effizient und schnell gearbeitet werden kann. Sie sind vielleicht aber auch schneller als die vielen kleinen PV und Biogasanlagen, die erst geplant und genehmigt werden müssen. Heißt es dann schlichtweg: „Pech gehabt!“?

Ich sage nicht, dass das Vorgehen grundsätzlich falsch ist, denn jede, wirklich jede Erneuerbare Energieform hat ihre Berechtigung und soll unter allen Umständen den Fossilen vorgezogen werden. Ich bin auch die Letzte die eine Erneuerbare Energieform gegen eine andere ausspielen möchte, aber dieses Gesetz, welches alle Energieformen in einen Topf wirft und so ausgerichtet ist, dass tendenziell der Großteil des Geldes in eine Richtung fließt, kann nur dazu führen, dass es zu Konkurrenzdenken kommt. Es werden dadurch in der Öffentlichkeit gegenseitig nur die Nachteile der anderen Energieform aufgezählt, anstatt zu fragen wie viel Steuergelder zB. in die Förderung von fossilen Energieträgern laufen. Zahlen über die Höhe letzterer sind übrigens unauffindbar.

Ich hoffe, dass ich mit meinen Vermutungen falsch liege und trotzdem auch ein kleiner Boom bei PV und Biogas ausgelöst wird. Das Schöne dabei ist, dass im schlimmsten Fall eben „nur“ die Windkraft gefördert wird. Falls das letztendlich der Fall sein sollte, erwarte ich mir für das nächste Gesetz jedoch mehr Transparenz, was den Sinn der Maßnahme betrifft.

Letztendlich bleibt noch die Hoffnung auf die neue Energiestrategie Österreichs, von der ich mir wünsche, dass sie als oberstes Ziel hat, Anreize für viele kleine Energieversorger, anstatt weniger Großer zu setzen und Gelder von der Förderung für fossile Energieträger in Richtung Erneuerbarer zu lenken. Vor allem wäre es wichtig endlich Planungssicherheit in allen Erneuerbaren Energieformen zu bekommen, weil nur dann Investitionen in großem Ausmaß getätigt werden. Ich bin übrigens Fan des Belgischen EEG. Vielleicht eine alternative zum ständig verlangten Deutschen EEG?

Ich freue mich auf eine anregende Diskussion und lasse mich gern eines Besseren belehren. Vielleicht stehen auch schon reihenweise PV und Biogas Projekte in den Startlöchern, die nur mehr auf die Erlassung des Gesetzes gewartet haben und sofort einreichen können?

 
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Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

4 Comments

  1. Wenn ich mir diesen Artikel über die PV ansehe – http://www.pvaustria.at/content/page.asp?id=320&menurt=206&menuid=206 – dann werden diese Reihen leider noch länger stehen …..

    ….. und auf die sommerliche Spaßveranstaltung des Klimafonds für Kleinanlagen bin ich auch heuer wieder gespannt.

    Ich wollte ursprünglich auch auf das neue Ökostromgesetz warten, habe mich dann 2007 doch entschlossen, nach dem alten Gesetz einzureichen (damals war noch die Tarifförderung mit 46ct/kWh für Kleinanlagen bis 5 kWp möglich), seit Mitte 2008 läuft meine Anlage problemlos, und ich bin froh, nicht zugewartet zu haben.

    Und solange die Deckelung von 21 Mio. besteht, wird es auch in Österreich keine großen Sprünge bei den Erneuerbaren geben – Einspeisetarife hin oder her.

  2. Danke für den Link! Ist ja unfassbar! Hab heute auf der Envietec mit einigen Biogas und PV Betreibern gesprochen und auch sie sind etwas verzweifelt ob der Auf-und Ab Gesetzgebungspolitik. Berlakovic hat mich überrascht als er von seiner Vision gesprochen hat: Sie lautet tatsächlich: Österreich soll Energieautark werden. Dafür müssen jedoch noch die richtigen Instrumente für eine dezentrale Energieversorgung geschaffen werden. Er scheint aber wirklich was verändern zu wollen und muss nun gewaltige Überzeugungsarbeit bei Herrn Mitterlehner leisten.

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