Interview mit Reinhard Weiss – Der Visionär hinter dem Österreicherhaus

Reinhard Weiss (c) Georg AlfareWie im letzten Blogartikel versprochen, gibt es rechtzeitig zum Start der Olympischen Spiele 2010 in Vancouver das Interview mit Reinhard Weiss dem Initiator Österreicherhauses in Whistler, wo der ORF bereits das Olympia-Studio eingerichtet hat. Dem Interview vorangegangen ist ein langes, herzliches und spannendes Telefonat. Man merkt wie sehr Herr Weiss seine Vision lebt und sein Wirken von Herzen kommt. Im Gespräch bekam ich das Gefühl, dass er eigentlich ein waschechter Sustainability Entrepreneur ist, der Sustainability sowohl IM und AM Unternehmen als auch DURCH das Produkt lebt. Beim Interview geht es weniger um das Passivhaus selbst; diese Details wurden in verschiedensten Medien bereits ausführlich besprochen oder können auf der offiziellen Website nachgelesen werden. Mich interessiert vor allem die Person Reinhard Weiss, die auch Vorbild für Menschen, die etwas umsetzen wollen, sein soll.

1. Herr Weiss, die klassische Frage vorweg. Wie kommt ein mittelständisches Unternehmen wie Drexel und Weiss auf die Idee ein internationales Mammutprojekt wie das Österreicherhaus in Whistler auf die Beine zu stellen? Gab es einen besonderen Anlass, der Sie dazu bewegt hat, ein Projekt welches einer ganzen Branche Aufwind beschert, auf eigene Faust umzusetzen?

Mir als Zeitgenosse ist es ein Anliegen etwas Bedeutsames zu schaffen. So hat der Zufall es gewollt, dass ich mit dem Minister für Wirtschaftsentwicklung in BC, Colin Hansen, zusammentraf. Er erzählte mir von den „First Green Olympics„. Da war für mich klar, dass ich diese Plattform nutzen möchte, um der Welt zu zeigen, wie man das weltweite Raumwärmeproblem in den Griff bekommen kann. Euphorisch dachte ich, dass das gesamte Olympische Dorf in Passivhausbauweise gebaut werden sollte. Das war jedoch etwas zuviel Traum. Heute bin ich stolz, dass zumindest das Österreichhaus als Passivhaus an diesem Platz in Whistler steht und schon von über 1000 Fachbesuchern „gestürmt“ wurde.

2. Sie haben von politischer Seite in Österreich nur mäßige Unterstützung für das Projekt bekommen. Warum ist Ihrer Meinung nach in der Politik kein Platz für große Visionen?

Die verbale Begeisterung steckt sehr wohl in den Politikern, jedoch in der Umsetzung ist man meist „Beamten“ ausgesetzt. Hier fehlt möglicherweise der Weitblick, das Erkennen von Chancen. Ein bedeutender Österreichisch/Kanadischer Unternehmer hat mal gesagt „Sie müssen GROSS denken“. Dazu haben die Politiker meist nicht die Zeit, weil die nächsten Wahlen anstehen. Natürlich gibt es politisch aktive Personen, jedoch haben diese meist nicht die Möglichkeit entscheidend einzugreifen.

3. Wie oft haben Sie sich gedacht, dass Sie das lieber hätten sein lassen sollen? Gibt es eine kurze Geschichte, die Ihnen dazu einfällt?

Die Begeisterung der Menschen in Kanada hat mir immer wieder sehr viel Energie verliehen. Und dennoch ist mir in den vergangenen Monaten die Freude an der Sache verloren gegangen. Es ist für mich verwunderlich wie teilweise mit öffentlichem Geld umgegangen wird und es ist bezeichnend wieviele Menschen sich dieses Haus nun auf ihre Fahnen heften, und mit dieser schönen Botschaft sich in den Mittelpunkt drängen – nur weil sie ein paar tausend EUR öffentlichen Geldes beisteuern. Da verliert man mitunter durchaus die Freude.

4. Sie haben trotz aller Hürden beschlossen das Projekt umzusetzen. Was war das schönste Erlebnis in dieser Zeit, wo Sie wussten, dass Sie das Richtige tun?

Als ich mit meinen Freunden Paulus Freisinger, Erich Reiner und Nicole Mothes von der Kanadischen Botschaft mit den Gemeindeverantwortlichen von Whistler verhandelte und diese ihre Begeisterung offenherzig kundgetan hatten. Die hatten es sofort verstanden und die Chance genutzt. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, dass die Botschaft der Energieeffizienz – „das Passivhaus aus Österreich“ – Realität wird.

5. In der Öffentlichkeit halten sich hartnäckig diverse Vorurteile gegen Passivhäuser, allen voran, dass es in einem Passivhaus kein gutes Klima gäbe da es luftdicht wäre. Wie stehen Sie dazu und wie werden Sie das Österreicherhaus nutzen dies sprichwörtlich aus der Welt zu räumen?

Vorurteile sind von Menschen die „glauben“ und nicht „wissen“. So sind wir Menschen nun mal. Und wir alle wissen: „Glauben kann Berge versetzen“. Ich rate allen Interessierten sich nur mit Menschen zu unterhalten die in einem Passivhaus wohnen, denn alle andern haben keine Ahnung – sie vermuten nur.
Das Raumklima ist genial und möchte von keinem Passivhausbewohner mehr vermisst werden. Es gibt übrigens einen tollen Film (Ausschnitt) der IG PASSIVHAUS Vorarlberg, in welchem man die Begeisterung einiger Passivhaus-Bewohner „erleben“ kann.  Das Passivhaus hat sich nun in Europa schon 20.000 mal bewiesen und es hat auf Grund des unvergleichlich besseren Raumklimas im Vergleich zum konventionellen Bau längst gewonnen!

6. Was erhoffen Sie für sich, Österreich, und die Welt mit diesem Projekt?

Für die Österreichische Passivhaustechnologie wünsche ich mir, dass sie schnell in Nordamerika zur Umsetzung gelangt und innovative Unternehmer, die sich der Nachhaltigkeit widmen auch ihre gerechte Belohnung erhalten. Für die Welt, deren unendlich kleiner Teil ich sein darf, wünsche ich mir, dass der Wettstreit zwischen der Ökologie und der Ökonomie durch intelligente Lösungen, die wir als Unternehmer entwickeln und umsetzen, aufgehoben wird. Dann haben wir die Energiewende im Griff.

7. Visionäres Unternehmertum ist in Österreich Mangelware. Sie selbst wurden von den Banken sehr ablehnend und von oben herab behandelt, als Sie 2000 Ihr Unternehmen gründen wollten. Woran liegt das Ihrer Meinung nach und wie haben Sies trotzdem geschafft?

Das liegt wohl in der Geschichte und der Tradition der Banken. Im großen „Geschäft“ wird unendliches Risiko eingegangen, wie uns die durch Banken hervorgerufene Weltwirtschaftskrise beweist. Im Innovationsbereich wird meist ein unkalkulierbares Risiko vermutet. Hier hat der Zugang zum Thema den Bank“Beamten“ gefehlt. Der Weitblick in die nächste Dekade, das Befassen mit der Thematik Energie war wohl zuwenig spannend. Hier rate ich den Banken mehr „im“ Markt zu sein und Spezialisten einzusetzen die Businessentwicklungen sachlich erkennen können.
Wir haben es geschafft, da mein genialer Partner Christof Drexel und ich absolut daran geglaubt hatten und wussten, dass unsere Lösungen den Weg in die energetische Zukunft bilden werden. Diesem Weg haben sich „alle“ unsere tollen Mitarbeiter verschrieben und die Zahl jener die bei uns arbeiten möchten wird täglich größer. Es macht Freude und ist sehr befriedigend etwas Nachhaltiges zu entwickeln, zu produzieren und zu verkaufen. Das spüren Christof, alle unsere Mitarbeiter und ich jeden Tag.

8. Sie setzen sich neben ihren zahlreichen Aktivitäten für die Umwelt auch stark für soziale Belange ein. Was sind die nächsten Projekte dieser Art?

Die Welt erspart uns leider Haiti Ereignisse nicht. Also versuchen wir Menschen zu helfen wo’s Hilfe braucht. Ich plane im März mit Freunden eine Veranstaltung mit dem unglaublichen Bergsteiger Andy Holzer – the blind climber – durchzuführen, um den Menschen zu zeigen was für uns, als verletzliche Geschöpfe, alles möglich ist und dabei können wir hoffentlich auch einiges Geld für Haiti generieren.

9. Zum Schluss eine Suggestivfrage, da dies in Wien gerade „in“ ist ;-): Wer wird Österreich und die Welt eher aus der sogenannten Krise führen? Mutige Unternehmer oder Politiker?

Ich denke, dass es innovative Unternehmer sind und sein werden. Allerdings wünsche ich mir, dass wieder die „Besten“ zu Politikern werden. Jene die etwas bewegen möchten und nicht nur verwalten, jene die weit hinaussehen und Visionen haben. Dann könnten die Politiker die erforderlichen Rahmenbedingungen schaffen, die kreative, innovative und Risiko tragende Unternehmer benötigen. Heute sind wir weit davon entfernt.

Ich bedanke mich für dieses spannende Interview und freue mich auf die weiteren Berichte über das Österreicherhaus. Wer die nächsten Wochen mit den Leuten vor Ort mitfiebern will, kann dies im Blog oder auf Twitter tun. Einfach @austriahouse folgen.

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

One Comment

  1. Finde das Interview sehr professionell gemacht. Vor allem finde ich solche Visionäre sehr bewundernswert. Wir würden solche Leute auch in der Politik brauchen…….

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