Zu Besuch im olympischen Passivhaus – Wissenstransfer at its best

Austria House Vancouver

Schon lange vor meinem Aufenthalt über Silvester in Vavouver bin ich auf das tolle Projekt der Austrian Passive House Group (APG) aufmerksam geworden und war begeistert von der Idee, das Österreicherhaus für die Olympischen Winterspiele 2010 im Passivhausstandard zu bauen um so auf die Technologieführerschaft Österreichs für Passivhausbauweise hinzuweisen.

Als dann mein Aufenthalt näher kam hatte ich die Idee das Private mit dem Nützlichen zu verbinden und beim Initiator Reinhard Weiss von Drexel&Weiss um ein Interview für den ÖkoEnergieblog und einen Besichtigungstermin in Whistler anzufragen. Wir hatten ein wirklich interessantes Telefonat über Ökobaustandards in Österreich und Kanada, und schon hatte ich die Kontaktdaten von  Matheo Durfeld, dem General Contractor. Fast hätte ich dort auch Christof Drexel, das technische Genie hinter dem Projekt, getroffen, der ebenfalls über Silvester in Vancouver war. Leider war mein Whistleraufenthalt etwas zu spät, und so hatte ich das Vergnügen Matheo Durfeld und seine Crew vor Ort anzutreffen und die letzten Arbeiten am Haus hautnah mitzuerleben.

Ursprünglich wollte ich die Besichtigung nur nutzen um mich auf das Interview mit Reinhard Weiss vorzubereiten, ich nahm von dort und meinem Aufenhalt in Kandada jedoch so viele Eindrücke mit, dass es nun ein eigener Blogeintrag über das Haus und in weiterer Folge das Interview mit Herrn Weiss geworden ist.

Als Einführung gibts hier ein You-tube Video und den Link zum offiziellen Blog, wo über das Projekt und den Baufortschritt berichtet wird. Besonders spannend finde ich das Fundament (Foto des Fundaments), welches das Haus stark von herkömmlichen Bauten abgrenzt.  Beim Gespräch mit Matheo hat auch er auf die einzigartige Bauweise zertifizierter Passivhäuser hingewiesen. Er meinte:

„We do have Green Building Standards in Canada, but what’s happening here, THAT’S A WHOLE NEW LEVEL of building standards“

Interessanterweise wird in Kanada eben sehr oft von Green Building Standards gesprochen, diese sind aber weit entfernt von den Standards eines zertifizierten Passivhauses (Kriterien). Die Isolierung ist außerdem oft aus Ölnebenprodukten wie Styropor, wo doch Kanada große Holzressourcen hat und so zum Beispiel Naturdämmstoffe, wie Holzfaser, verwenden könnte.  Ich war wirklich schockiert von der Bauweise mancher Häuser hier. Es wird Tag und Nacht geheizt und die Fenster und Türen sind praktisch „luftdurchlässig“ um es etwas überspitzt auszudrücken. Hier ein Foto einer „luftdurchlässigen“ Tür. So etwas wäre in Österreich doch undenkbar, oder? Leider ist die Energie so günstig, dass sich darüber niemand so richtige Gedanken zu machen scheint.

Länderübergreifender Wissenstransfer

Man kann nur hoffen, dass es mehr Projekte dieser Art geben wird um den internationalen Wissenstransfer auch in anderen Bereichen zu forcieren. Es zeigt auf, welche Möglichkeiten wir derzeit bereits haben um viele unserer Probleme zu lösen. Das Wissen ist global bereits vorhanden, es braucht nur die richtigen Kanäle und mutige Unternehmer&innen die das vorhandene Wissen umsetzen. Wenn man daran denkt wie lange geforscht wurde um die Passivhäuser zu perfektionieren, und wie mühsam es wäre, wenn jedes Land den gesamte Trial&Error Prozess selbst durchlaufen müsste!

Es gibt sicherlich auch ausgereifte Technologien aus anderen Ländern die in Österreich implementiert werden könnten.  Nordamerika steht beim Hausbau quasi im Mittelalter und könnte mit einem Sprung ins 21. Jahrhundert aufsteigen wenn die Regierung die Zeichen der Zeit erkennt und Energiestandards verpflichtend einführt oder regulierend eingreift. Von selbst werden Kanadier  und US-Amerikaner bei diesen Energiepreisen wohl nicht auf ein Passivhaus umsteigen.  Ich frage mich in welchen Bereichen Österreich noch etwas hinterher hinkt, jedoch selbst glaubt schon weiter zu sein?

In einem der nächsten Blogbeiträge wird, wie erwähnt, das Interview mit Herrn Weiss veröffentlicht. Ich möchte auch Fragen der Leser und Leserinnen einfließen lassen.

Falls Sie sich fragen warum ich mir die Mühe gemacht habe im Urlaub zu rechechieren und Leute zu treffen, dann kann ich nur sagen, dass es einfach Projekte gibt, die nicht oft genug erwähnt werden können. Wir brauchen viel mehr Vorbilder von Menschen, die Visionen haben und diese auch umsetzen.

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About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach  mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

2 Comments

  1. Werden beim neuen Raiffeisengebäude nur ökologische oder auch biologische Baustoffe zum Einsatz kommen. Klimaschutz heißt nicht nur CO², sondern bei der Produktion und vor allem bei der Abfallwirtschaft wird zuwenig auf den Primärenergieverbrauch und die Nachhaltigkeit geschaut.

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