Eine Google-Abfrage verbraucht NICHT 60 Watt pro Stunde (bin mir fast sicher)

Ich höre sehr gerne auf meinem ipod die Podcasts des Philosophischen Radios von WDR5. Die Sendung beschäftigt sich mit allen möglichen Themen der Philosophie – sie ist wirklich empfehlenswert.

In der Sendung „Biokapital“ vom 23.01.2009 behauptet der Gast Andreas Weber an der Stelle 36:00 (mp3-Audio 27 MB-File) „dass für eine Google Suche soviel Energie fließt, wie für eine 60 Watt Birne eine Stunde lang nötig ist.“ Mich hat diese Information beeindruckt und inspiriert, einen Blog-Artikel dazu zu schreiben. Ich hab in mehreren Gesprächen mit KollegInnen allerdings gemerkt, dass alle über dieses immense Ausmaß des Energieverbrauchs verwundert waren und so bin auch ich skeptisch geworden. Und habe begonnen zu recherchieren.

Googled man „google abfrage 60 watt“ bekommt man als erstes Ergebnis „Google-Abfrage“ kostet so viel Energie wie eine Elf-Watt-Sparbirne„. Die „ShortNews“ Webseite auf der man landet ist wenig aussagekräftig und datiert den Artikel mit 07.07.2007, 13.25 Uhr. Immerhin wird auf eine Quelle verwiesen und man landet auf einem Artikel „Klimaschutz und Internet“ vom 06.07.2007 19.57 Uhr. Auch dort bezieht man sich auf eine nicht näher bezeichnete Untersuchung. Quelle: Das deutsche Nachrichtenmagazin spiegel.de. Dieses titelt „Einmal googeln entspricht einer Stunde Licht„. Spiegel bezieht sich auf eine bestimmte Presseaussendung der STRATO AG, die ich allerdings nicht mehr finden kann. Was ich allerdings finde, ist ein blog-Beitrag „Schadet Googeln der Umwelt?“ der es als PR-Gag der STRATO AG entlarvt. Wobei die Links allesamt nicht mehr auf die Originalpresseaussendung verweisen dürften – ich finde nirgends einen Hinweis darauf, dass STRATO AG das behauptet hat.

Ich bleibe also zurück mit einer Information, die ich – aufgrund einer scheinbar verlässlichen Quelle (Philosophisches Radio des Westdeutschen Rundfunks) – in meinem Bekanntenkreis schon gestreut habe. Es stellt sich heraus, dass sie falsch ist. Ich erkenne einmal mehr, dass ordentliche Recherche die Qualität eines Blogs ausmacht.

Aber ich befinde mich in guter Gesellschaft. Armin Wolf (ORF) hat sich in einer ZIB2 ebenfalls auf Spiegel Informationen verlassen, die sich wiederum – offensichtlich – auf Wikipedia stützten. Tja: Das Internet ist voll von Fallen – vor allem für Leute, die daraus ihre Informationen holen. Ich gehöre natürlich auch dazu – und passe immer besser auf.

Und google jetzt auch weiterhin mit gutem Gewissen und schwarzem Hintergrund. Andreas Weber sollte aber auch aufpassen!

Nachtrag vom 20.03.2009: Auch die Geschichte um Google im österreichischen Kronsdorf zeigt die Problematik von verlässlichen Quellen auf. Die Geschichte wurde von Helge Fahrnberger auf auf helge.at sehr gut rekonstruiert.

 
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Günter Strobl

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Günter Strobl leitet seit 2006 den Bereich Information & Organisation in der Raiffeisen-Leasing. 2003 hat er das Qualitätsmanagement für das Unternehmen entwickelt und aufgebaut. Neben IT und Unternehmensstrategie ist er für das Betriebsmanagement und damit für Beschaffung und Gebäudemanagement verantwortlich. Die bisherigen privaten und beruflichen Stationen des gebürtigen Waldviertler waren nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Wien und den USA u.a. das Unternehmen PHILIPS, der ORF, die Stuttgarter Managementberatung Horváth & Partners sowie die Wiener Grünen. Sein XING-Profil:

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