Solare Infrastruktur funktioniert anders

Zwei Meldungen im aktuellen Trend lassen aufhorchen: Zwentendorf soll nach Plänen der EVN zum größten Solarkraftwerk Österreichs werden, der Verbundkonzern möchte vom beginnenden Trend zu Elektroautos profitieren und ein Netz von Stromtankstellen errichten. Good News, erstmal. Beide haben sich ja in diesen Geschäftsbereichen bislang eher zurück gehalten, höchste Zeit, dass sich da etwas tut.

Zweifel, ob dabei der richtige Weg gegangen wird, kommen dennoch auf. Der große Vorteil solarer Energie –  ob Fotovoltaik oder Wind – liegt darin, dass sie überall anfällt, überall geerntet werden kann. Solare Infrastruktur ist dezentral. Sollte die EVN versuchen, das zentralistisch-monopolistische Konzept mit Großkraftwerken (nur so konnten Kraftwerke wie das verhinderte AKW Zwentendorf überhaupt realisiert werden) auf das solare Zeitalter zu übertragen, wird sie damit scheitern.

Der Verbund wiederum spricht davon, bei den Tankstellen solle ein Tarifmodell angewandt werden, das günstigere Aufladung der E-Mobile erlaubt, wenn sonst wenig Strom nachgefragt wird. Also in der Nacht. Gut so, vernünftig. Aber auch hier sollte man, wenn das denn funktionieren soll, eher von einem Tank-Netz als von Tank-Stellen sprechen. Die Anschlüsse müssen  – besonders im urbanen Bereich – dorthin gebracht werden, wo die Autos ohnehin über Nacht stehen. Denn wenn man von Besitzern von Elektroautos verlangen sollte, ihre Nachtruhe zu unterbrechen um ihr Gefährt aufzuladen, wird man ebenso Schiffbruch erleiden.

Bleibt zu hoffen, dass EVN und Verbund das verstanden haben. Dann sind die im Trend berichteten Initiativen auf alle Fälle positiv.

 
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Peter Drössler (Public Relations, Content Creation)

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Dr. Peter Drössler, gebürtiger Steirer, ist PR-Berater in Wien. Nach dem Studium der Kommunikationswissenschaft und Soziologie war er fünf Jahre lang Pressesprecher und Vorstandsmitglied der österreichischen Umweltschutzorganisation Global 2000. Seit 1995 selbstständig, ist er seit dem Jahr 2000 Mandatar der Grünen Wirtschaft im Fachverband Werbung und Marktkommunikation in der Wirtschaftskammer Österreich, dem er seit 2005 auch als Obmann vorsteht. Seit Herbst 2007 ist Peter Drössler auch Vorsitzender der Grünen Wirtschaft. Dr. Peter Drössler: "Wirklich spannend ist es immer dann, wenn verschiedene Einstellungen, Lebenswelten, Konzepte aufeinander treffen. Wenn es gut läuft, entsteht dabei etwas Neues. Darin liegt eine große Chance. In vielen Bereichen. Ich widme mich der Aufgabe, Verständigung herzustellen und Menschen und Ideen zu vernetzen. In der Politik und im Job als PR-Berater."

2 Comments

  1. Wie`s der Zufall so will. Gerade heute hatte ich ein hoch interessantes Gespräch mit einem österreichischen Unternehmen, das “ Stromspeicher“ ab jetzt in Serie baut, die in der Lage sind, Elektroautos in rd 30 -45 Minuten wieder zu betanken. Also in Wahrheit ,mal die Zeit für einen gemütlichen Kaffee im Autobahnrestaurant.
    Schreibe demnächst darüber , hier in diesem Blog

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