Grüner Konflikt zeigt die Visionslosigkeit

Vorneweg: Ich habe intensiv darüber nachgedacht, ob dieser Blog überhaupt dazu geeignet ist, ein sehr aktuelles parteipolitisches Thema aufzugreifen. Ich hoffe am Ende meines Postings kommt zutage, was ich mir dabei gedacht habe.

Der aktuelle Konflikt der Grünen rund um Johannes Voggenhuber’s Kandidatur für die Europawahlen bringt einige sehr unschöne Zusammenhänge hervor. Ich stellte mir rund um diesen Personalkonflikt auch die Frage: Hat irgend eine relevante politische Kraft in diesem Land eine Vision zu Ökothemen? Wie geht das?

Kurz zur parteipolitischen Dimension des Konflikts: An der Oberfläche – so scheint es – wurde da ein innerparteilicher Machtkampf ausgetragen. Viele Internetpostings unterstreichen diese These: Die Grünen, das einzige was stört, ist der Wähler (helge.at), Europa wählen (Peter Drössler), Feinde der Logik (Niko Alm), Basis- oder Funktionärsdemokratie (Christoph Chorherr).

Wie enorm die Wirkung dieser Debatte über das Internet war sieht man – inklusive eindrucksvoller Grafiken – auf „Wissen belastet.“ Diese positive Entwicklung des Internets als Kommunikationsmedium lässt mich also als Mit-Autor des Ökoenergie-Blogs hoffen … ;-)

Was hat das nun mit dem Titelthema zu tun?

Auch wenn die Bundesgeschäftsführerin der Grünen Michaela Sburny z.B. meint, dass „es schon die Verantwortung der Grünen Gremien [ist] zu sagen, was der Durchsetzung der Inhalte unserer Vorstellungen am besten dient“ [vgl. der Standard Online]  dann verweist sie zwar auf inhaltliche Unterschiede bei der Kandidatenwahl. Ich habe aber – trotz eingehender Recherchen – überhaupt keine inhaltlichen Aussagen rund um die Kandidaten-Debatte gefunden. Auch kein diesbezüglicher Blog-Beitrag beschäftigt sich mit Inhalten. Dies lässt für mich den Schluss zu, dass es sie nicht gibt oder durch die Personaldebatten völlig überdeckt werden. Jedenfalls kommt auch der o.a. Artikel „Die Grünen: Die Kommentare und die Folgen“ zu dem Schluss, dass „in den beobachteten […] fast zwei Monaten […] über kein einziges Thema diskutiert wurde„!

Warum diskutiert man in der Politik nicht über die besseren Ideen sondern immer wieder über Personen?

Die Frage in aller Kürze beantwortet: Ich behaupte, weil es die besseren Ideen nicht gibt. Weil wir – z.B. im Gegensatz zu Schweden – noch immer in Österreich auf der Suche nach einem Visionären Ziel in der Ökologie sind. Weil seit dem Atomausstieg in Österreich kein großes Umweltziel mehr formuliert wurde. Weil wir auch in Europafragen – und die Ökologiefrage ist zumindest auch eine Europafrage – keine Ideen haben. Weder die Grünen, noch eine andere politische Kraft in Österreich. Uns fehlen große Ideen, eine große Vision. Uns fehlt eine breit angelegte Diskussion darüber, wie wir Österreich energieautark machen können. Wie können wir regional verwurzelt und nachhaltig wirtschaften und so unsere Abhängigkeit von russischem Gas und amerikanischen Immobilienblasen reduzieren? Soviele Themen, die wir zu lösen hätten …

Und warum gehen wir’s nicht an? Weil wir in politischen Debatten noch immer viel lieber über Personen streiten, als über Visionen. Ist das typisch Österreichisch oder nur Grün?

Ich würde gerne über die Vision streiten, Österreich bis 2020 energieautark zu machen. Lasst uns damit endlich beginnen. Dieser Blog wird einen Beitrag dazu leisten.

 
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Günter Strobl

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Günter Strobl leitet seit 2006 den Bereich Information & Organisation in der Raiffeisen-Leasing. 2003 hat er das Qualitätsmanagement für das Unternehmen entwickelt und aufgebaut. Neben IT und Unternehmensstrategie ist er für das Betriebsmanagement und damit für Beschaffung und Gebäudemanagement verantwortlich. Die bisherigen privaten und beruflichen Stationen des gebürtigen Waldviertler waren nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Wien und den USA u.a. das Unternehmen PHILIPS, der ORF, die Stuttgarter Managementberatung Horváth & Partners sowie die Wiener Grünen. Sein XING-Profil:

5 Comments

  1. Eneuerbare Energien ausbauen, Energieeffizienz steigern und Energieverbrauch senken, jedoch anstatt der Energieautarkie eine visionäre Lösung mit Strom aus riesigen Solaranlagen in Nordafrika anstreben, da diese nicht nur eine energie- und klimapolitische sondern auch eine entwicklungspolitische Chance wären. Im Gegensatz zur Energieautarkie Österreichs wäre dies auch ein europäisches Projekt, rein technisch durchführbar sollte es laut jüngsten Artikeln und Studien auch sein.

  2. Der Gedanke von Andreas Lindinger, Strom aus Sonnenenergie in riesigen Anlagen in Nordafrika zu produzieren ist eine wirklich visionäre Idee.
    Das ganze ist wirklich faszinierend. Aus quasi “ sinnlosen“ Wüstenflächen hocheffiziente Energieregionen zu machen ist mir auch schon mal als Gedanke gekommen.
    Aber,und das hat mich eingebremst, tauschen wir da nicht eine politisch instabile Energielieferregion mit einer anderen?
    Der Gedanke, statt von der Ukraine, Iran, Irak etc nunmehr von manchem nordafrikanischen Land abhängig zu sein übt nicht wirklich Faszination auf mich aus.
    Die Wahrheit wird wohl -wie so vieles -aus einem sinnvollen Mix aus regional Energieautark und Versorgung aus optimal nutzbaren Energieregionen bestehen.

  3. Ich stimme Andreas Lindinger zu: Afrika als Sonnenenergieexporteur zu etablieren schafft für diesen Kontinent auch eine Chance, Europa irgendwann in ferner Zukunft auf gleicher Augenhöhe begegnen zu können. Eine solide wirtschaftliche Grundlage Afrikas bildet die Basis dafür, dass Menschen von diesem Kontinent nicht mehr zu Hundertausenden flüchten müssten. Die aktuelle Situation auf der italienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa oder in Spanien etwa zeigt die dringende Handlungsnotwendigkeit in diesem Bereich. Hier muss europäisch gedacht werden, nicht nur aus österreichischer Sicht. Und: Auch hier wird es in Zukunft um einen vernünftigen Energiemix gehen, um auch die Abhängigkeit von einzelnen Ländern UND Energieformen gering zu halten.

  4. Zwei interessante aktuelle Artikel übrigens dazu:
    * ZEIT „Wüstensonne für Europa“: http://www.zeit.de/2008/46/E-Solarstrom
    * Worldchanging „Clean Power From Deserts“: http://www.worldchanging.com/archives/009313.html

    Ad Reinhard Würger: Man tauscht zwar eine politisch instabile Energielieferregion mit einer anderen, sofern dies aber von Beginn weg fair, nachhaltig und partnerschaftlich auf EU-Ebene gemeinsam mit den nordafrikanischen Staaten angegangen wird, so ergibt dies zumindest die entwicklungspolitische Chance, dort Stabilität zu schaffen. Nicht zuletzt ist die politische instabile Lage in vielen afrikanischen Ländern oftmals durch den Westen (mit-)verursacht, somit hätte man hier die Chance es gleich am Anfang besser als in der Vergangenheit zu machen. Und selbst wenn es bei der Stabilität der Lieferregion keine Verbesserung gibt, so gibt es vor allem den Wechsel von Öl, Kohle und Gas zu grüner, langfristiger Solarenergie! Dass natürlich eine gewisse lokale Energielieferbasis – so wie auch jetzt schon – garantiert sein muss, ist klar.

    Ad Günter Strobl: Genau dieser Ansatz einer energie- und wirtschaftspolitisch fairen Gestaltung würde Chancen in den Bereichen Armutsbekämpfung und damit Migration bringen, insbesondere da in Zukunft neben Wirtschaftsflüchtlingen aus dieser Region gerade das Thema der Klimaflüchtlinge größer werden wird, dem man nur durch rechtzeitigen, verstärkten Fokus auf saubere Energieformen begegnen kann.

  5. Also, dass der Aufbau von Sonnenenergie aus Nordafrika eine enorme entwicklungspolitische Chance und wahrscheinlich die langfristig effizienteste Methode ist, Strom ökologisch zu erzeugen , trage ich mit.
    Aber wirtschaftliche Entwicklung von außen aufgepfropft oder auch nur ein reichhaltiger Geldfluss haben noch nie zur Stabilität eines Landes beigetragen. Das muss schon von innen kommen um nachhaltig zu sein. Anstoßen und unterstützen können und sollen wir.
    Wenns anders wäre, wären die Gas und Öl exportierenden Länder wohl Horte der Stabilität.
    Da spielt wohl viel gesellschaftliche Struktur und Mentalität auch mit.
    Aber auch im Geldwesen gibt es die sogenannte Veranlagungspyramide. Grundsolide Veranlagungsprodukte als Basis und Aktien bzw Derivate als Spitze, mit Risiko aber auch entsprechenden Ertragschancen.
    Manche meinen, gleich ganz oben einsteigen zu müssen und wundern sich dann über eine blutige Nase.
    Ich denke, auch bei der Energieerzeugung sollten wir nach dem Prinzip der Pyramide vorgehen. Eine solide Eigenversorgung und abgestimmt darauf dann eine Erschließung von anderen Energieregionen.
    Denn was politische Abhängigkeit bedeutet und wie schnell ein Energieengpass von wenigen
    Ländern gleich zu einem europäischen Problem führen könnte, haben und gerade mal zwei ehemalige Bruderstaaten gezeigt.
    Also gehen wirs pyramidenförmig an! Dann haben beide Entwicklungsperspektiven nachhaltig Platz.

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