Warum nicht „Sprit“ Parity statt Grid Parity?

Unter Grid Parity (Netzparität) versteht man jenen Zeitpunkt in vielleicht naher Zukunft, bei dem der Strom aus einer Photovoltaikanlage zum gleichen Preis wie der „normale“ Strom für Endverbraucher angeboten werden kann. Im Zuge der Diskussionen über alternative Treibstoffe habe ich mir überlegt wie die Sache aussieht, wenn man den Strom nicht als Haushaltsstrom verwendet, sondern als Treibstoff. Hier meine Milchmädchenrechnung:

Ein PKW mit 6 Liter Treibstoffverbrauch (entspricht ca. 60 kWh pro 100 km) verursacht bei Treibstoffkosten in der Höhe von 1,30 Euro pro Liter Gesamtkosten für die 100 km von 7,80 Euro. Im Vergleich dazu benötigt ein Elektroauto aufgrund des besseren Wirkungsgrades des Elektromotors nur ca. 20 kWh pro 100 km. Somit könnte der Strom für das Elektroauto 0,39 Euro pro kWh (7,80 Euro / 20 kWh) kosten und der Weg von A nach B wäre für beide Varianten gleich teuer.

Um 0,39 Euro/kWh kann man in Südeuropa schon heute Strom aus Photovoltaikanlagen sehr wirtschaftlich erzeugen (in Spanien diskutiert man gerade eine Vergütung im Rahmen eines Ökostromgesetzes in Höhe von 0,32 Euro/kWh). In den nächsten Jahren, aufgrund sinkender Preise für PV-Anlagen, kann man auch in unseren Breiten PV-Strom wirtschaftlich und ohne Subvention erzeugen. Bei 1,50 Euro pro Liter fossilen Treibstoffs beträgt übrigens dieser Wert 0,45 Euro/kWh!!

Mir ist bewusst, dass diese Rechnung sehr viele Parameter außer Acht lässt. Vor allem ist es eine theoretische Überlegung, da das Angebot an marktfähigen Elektroautos noch sehr gering ist. Das Ergebnis ist aber für mich jedoch sehr verblüffend, und bei diesen Zahlen sollte die Forschung in diesem Bereich eine sinnvolle Investition darstellen und der Markt für Elektroautos (wie von vielen prophezeit und auch bei einigen Artikeln in diesem Blog nachzulesen) schnell wachsen. Eigentlich wäre neben der anzustrebenden Grid Parity die „Sprit“ Parity schon längst erreicht und die Förderung von Photovoltaik in manchen Regionen Europas gar nicht mehr notwendig.

Eine weitere Überlegung möchte ich noch anfügen – die der Flächeneffizienz. Laut Österreichischer Energieagentur kann man aus 1 Hektar landwirtschaftlicher Fläche pro Jahr jene Energiemengen gewinnen um folgende Kilometer pro Jahr fahren zu können:

  • Biodiesel:                                   18.500 km
  • Bioethanol aus Weizen:           19.300 km
  • Bioethanol aus Mais:                33.200 km
  • Bioethanol aus Zuckerrübe:   57.000 km
  • Biogas:                                       71.200 km

Bei Photovoltaik kann man pro Hektar in unseren Breiten ca. 225.000 kWh pro Jahr gewinnen (40 m2 pro kWp, 900 kWh/kWp). Mit obrigen Zahlen gerechnet kann man pro Hektar und Jahr somit 1.125.000 km fahren! Und das ohne Dünger und Bewässerung.

Ich hoffe, ich bin bei meinen Überlegungen nicht einem (oder mehrer) Gedankenfehler aufgesessen – über Feedback und lebhafte Diskussion freue ich mich schon.

P.S. Nur damit kein falscher Eindruck entsteht. Ich denke, wir benötigen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten jede Form der erneuerbaren Energien (darunter Energieeinsparung als wichtigster erneuerbarer Energieträger) – die oben genannten Zahlen finde ich jedoch trotzdem bestechend.

 
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About the Author

Stefan Reininger

Ing. Stefan Reininger ist seit September 2002 im Bereich Betreibermodelle und Ökoenergie in der Raiffeisen-Leasing tätig. Seit 2007 unterstützt er auch die neu gegründete Tochtergesellschaft Raiffeisen Energy & Environment. Seine Tätigkeitsbereiche umfassen Projekte im Bereich Photovoltaik, Geothermie, Biogas, Biomasse und Bioethanol. Stefan Reininger ist seit über 20 Jahren im Bereich der erneuerbaren Energien tätig und arbeitete als Energieberater in verschiedenen Unternehmen und Positionen.

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