Fossile Energie: Droht uns die nächste Krise?

Dieser Blog-Eintrag ist mir nicht leicht gefallen: Ich war gestern bei einem Vortrag von Dr. Hans Kronberger, Präsident der Photovoltaic Austria, zum Thema „Kein Öl, kein Gas, gute Nacht Europa!„. Der Biomasseverband hat in der Akademie der Wissenschaften dazu eingeladen. Jetzt sind wir gerade mitten in einer der größten Finanzkrisen, die die Welt je gesehen hat – von einer Bewältigung derselben dürften wir noch weiter entfernt sein – und ich hocke in einem Vortrag über die nächste Gefahr: Eine Energiekrise ungeahnten Ausmaßes bedroht Europa in den kommenden Jahren.

So zumindest zeichnet der Vortragende Hans Kronberger das Bild: Die Gasreserven werden zunehmend knapp. Die EU wird im Jahr 2020 – so Kronberger – 25 % des benötigten Erdgases nicht bekommen! Die Preise werden drastisch steigen. Kronberger erzählt von Aktivitäten der russischen Gazprom, die sich die Gasvorkommen von Lybien und Algerien sichern, letztlich um die Gasversorgung Europas unter ihre vollständige Kontrolle zu bekommen. Diese Aktivitäten, die sich im wesentlichen in den letzten 24 Monaten abgespielt haben, würden von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Das ist nur eine Facette einer düsteren und vor allem dramatischen Entwicklung am fossilen Energiesektor. Er spitzt es zu und bezeichnet Europa als „Gas-Junkie“, das demnächst in der vollständigen energietechnischen Abhängigkeit Russlands steht.

Die EU ist in dieser Frage zerstritten und ohne Perspektive, meint Kronberger und fordert eine Initiative Österreichs, sich auf den Weg zur energietechnischen Unabhängigkeit zu begeben. Er bricht eine Lanze für die Photovoltaic und meint, dass spätestens 2015 der Durchbruch beim Preis für Solarenergie erfolgen wird. Wahrscheinlich schon früher, wenn man sich die letzten Preissteigerungen ansieht. Aber so lange sollen und dürfen wir nicht warten. Wir müssen jetzt beginnen, Photovoltaic zu nutzen, die Technik sei ausgereift. Österreich kann beweisen, dass Energieunabhängigkeit umsetzbar ist.

Warum mir dieser Blog-Eintrag nicht leicht gefallen ist. Weil ich grundsätzlich ein Optimist bin, der gestrige Vortrag mich aber doch einigermaßen depremiert hat. Ist es tatsächlich so schlimm? Wird Kronberger einer jener sein, von denen man in 10 Jahren sagen wird, er hätte damals schon darauf hingewiesen? Sind solche Vorträge und Informationen bloße Schwarzmalerei und Öko-Radikalismus? Wieviel Zeit bleibt noch für die Energiewende in Europa? Und: Wie bewältigen wir eine derartige Energiekrise, wo wir doch gerade mitten in der Finanzkrise stecken?

Eines fällt mir jetzt beim Schreiben schon ein: Ein umfassendes Investitions- und Förderprogramm der öffentlichen Hand für Ökoenergieprojekte! Der Staat ist – angesichts der Finanzkrise ohnehin gefordert zu investieren – jetzt geht es vor allem darum in die richtigen, zukunftsweisenden Projekte zu investieren! Fordern wir die Energiewende, jetzt!

Bericht auf Photovoltaic Austria

Antwort zum Kommentar von Ingo Oberortner:

Zum Thema „Photovoltaic ist noch zu teuer bzw. was kann man tun, damit es auch für Private erschwinglich wird“ hat eine Frau aus dem Publikum der Veranstaltung gemeint, dass man beim Auto oder beim Urlaub derartige Wirtschaftslichkeitsfragen nicht oder kaum gestellt werden. Sie plädierte dafür, dass man sich auch schon jetzt Sonnenenergietechnologie leisten sollte. Ihr jedenfalls mache es Spaß, wenn sie täglich sieht wie ihr Elektroauto mit Solarenergie aufgetankt wird. Außerdem – so ließ mich der Vortrag auch schließen, sind alle gestrigen Wirtschaftlichkeitberechnungen Makulatur: Die fossilen Energiepreise werden derart steigen, dass sich eben schon sehr bald (weit vor 15 Jahren) die Alternativenergieträger rechnen. Außerdem: Man halte sich immer vor Augen: Die Sonne, der Wind selbst bleiben immer gratis!

Mein Fazit daraus: Wären wir nur überall so kritisch bei der Wirtschaftlichkeit gewesen, dann hätten wir wahrscheinlich die Probleme gar nicht, die wir heute haben.

 
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Günter Strobl

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Günter Strobl leitet seit 2006 den Bereich Information & Organisation in der Raiffeisen-Leasing. 2003 hat er das Qualitätsmanagement für das Unternehmen entwickelt und aufgebaut. Neben IT und Unternehmensstrategie ist er für das Betriebsmanagement und damit für Beschaffung und Gebäudemanagement verantwortlich. Die bisherigen privaten und beruflichen Stationen des gebürtigen Waldviertler waren nach dem Betriebswirtschaftsstudium in Wien und den USA u.a. das Unternehmen PHILIPS, der ORF, die Stuttgarter Managementberatung Horváth & Partners sowie die Wiener Grünen. Sein XING-Profil:

4 Comments

  1. Dem Link folgend, habe ich auch den Untertitel des Vortrags gelesen „Blut für Öl – der Kampf um die Restressourcen spitzt sich zu!“
    Und wer ist darüber wirklich erstaunt? Seit wie vielen Jahren ist absehbar, dass das die unweisweichliche Folge des Organisierten Verschlafens in der Energiepolitik ist?!
    Wird nicht immer noch die Photovoltaik berechnet ohne die eingesparten Militärkosten und den so vermiedenen „Blutzoll“ mit einzurechnen?

    Warum will es immer noch nicht in die Köpfe mancher Politiker und Wirtschaftsstrategen hinein, dass keiner in Europa eine Öl – oder Gasquelle in seinem Garten und keinen Uranmeiler in seinem Keller — aber so ziemlich jeder die Sonne über seinem Haus hat!!!
    Das zu übersehen, ist zukünftig nicht nur sträflicher, sondern tödlicher Leichtsinn!

    Trotzdem –oder gerade deswegen..
    mit sonnigen Grüßen
    Wilfried Michalski

  2. Der letzte Absatz in diesem Beitrag ist aus meiner Sicht der Schlüssel. Ich habe selbst vor einem Jahr mein Haus gebaut und mir über alternative Energie- und Heizformen Gedanken gemacht. Gescheitert bin ich schließlich daran, dass ich neben dem Kredit für den Hausbau nicht auch noch einen Kredit für die Etablierung einer alternativen Energie- und/oder Heizquelle bekommen habe und die Förderung ein absoluter Witz ist.

    Aus meiner Sicht müssen 2 Sachen geschehen, damit auch für Private die alternative Energie erschwinglich wird:
    – Verbesserung der staatlichen Förderung (wobei es in manchen Bundesländern besser aussieht als in anderen)
    – Unternehmen, die die Investitionskosten für den Privaten übernehmen, für die Dauer von z.B. 15 Jahren die bisherigen Energiekosten des Haushaltes als „Miete“ kassiert und aus der Differenz der „Miete“ und der geringen bis kaum vorhandenen Kosten der ökoenergie seinen Ertrag erziehlt.

    Wenn mir jemand angeboten hätte, auf 15 Jahre die selben Energiekosten wie bisher zu haben und nach 15 Jahren die Kosten gegen 0 zu senken, wäre ich sofort eingestiegen.

    Wenn beide Maßnahmen greifen, bin ich überzeugt, dass kein Weg an Ökoenergie (und damit meine ich nicht nur die Sonne) vorbeiführt!

  3. Das ist schon richtig, dass es sich Ökoenergie 100%ig rechnet – wenn ich aber zum Zeitpunkt, wo ich die Investition tätigen müsste (also z.B. beim Hausbau) die Investitionskosten nicht zur Hand habe und auch von der Bank kein Geld zusätzlich zu meinem Hauskredit mehr bekomme, dann hilft es mir nichts, dass es sich rechnet, ich kann’s mir trotzdem nicht leisten (obwohl ich die monatl. Mehrbelastungen für einen weiteren Kredit unterbringen würde).

    Hier muss angesetzt werden, um Private in die Lage zu versetzen, Ökoenergie auch wirklich leistbar zu machen!

  4. Genau zu dieser Problematik findet derzeit in Aachen das Europäische Wissenschaftsparlament statt, bei dem unter dem Titel „Europe energised – will lights go out in 2050?“ die verschiedenen Teilnehmer ihre Sichtweisen darstellen und gemeinsam versuchen Lösungsansätze zu entwickeln. Ziel ist es, die sog. „Aachener Erklärung“ zu verfassen und der EU als eine Art Empfehlung vorzulegen.
    Nähere Informationen u.a. im live-blog:
    http://www.science-parliament.eu/blog/275

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