Verantwortliches Wirtschaften

  • Die scheinbar unbegrenzten menschlichen Bedürfnisse werden durch wirtschaftliche Tätigkeit befriedigt. Die dafür notwendigen Güter haben jedoch ihre Limits. Trotzdem muss gewirtschaftet werden. Aber Nachhaltig! Jährlich wächst der Wald, aber die Bäume wachsen nicht ins Unendliche.

Durch die Globalisierung bestehen heute enge Verbindungen zwischen Einzelwirtschaft, Volkswirtschaft und Weltwirtschaft.

Diese Verbindungen zu ordnen ist Aufgabe der Politik. Es ist nicht ihre Aufgabe selbst zu wirtschaften, wohl aber ist es unerlässlich dafür ein Regelwerk aufzustellen. Es gilt die These von Ludwig Erhard: wer die Spielregeln aufstellt sollte nicht selbst Mitspieler sein.

In diesen Tagen wird besonders deutlich, wie durch internationale Handelsverträge verantwortliches Wirtschaften gefördert und geprägt werden kann und zwar mit einer neuen Generation von breitangelegten Handelsverträgen. Es geht dabei nicht nur um die viel diskutierten Zölle, sondern auch um die Einhaltung höchster Standards im Umwelt- und Verbraucherschutz, bei Nachhaltigkeit und Sicherheit sowie bei Arbeit und Sozialem.

Denn regelgebundenes Wirtschaften und Verantwortung gehen Hand in Hand. Das Schiedsgericht dafür ist die Haftung. Für das was ich tue (wirtschafte), muss ich einstehen. Richtig ist aber auch: Moral muss sich lohnen. Denn wenn verantwortliches Handeln immer mit Nachteilen verbunden ist, weil die Konkurrenz sich erfolgreich nicht an die Spielregeln hält, dann ist es unmoralisch, die reine Lehre zu verlangen. Deswegen noch einmal: Haftung ist wichtig. Moral braucht Kontrolle, denn der Mensch ist ein Mängelwesen. Kontrolle ist nur dann wirksam, wenn sie in den einzelnen Menschen hineingelegt wird. Was jeder Einzelne tut, ist selbst zu verantworten. Haftung ist ein grundsätzliches Prinzip. Das Prinzip der Haftung ist entscheidend, denn nur derjenige, der auch für die Folgen seines Tuns vollumfänglich haftet, wird wirklich verantwortlich handeln.

Auf die individuelle Moral kann nicht verzichtet werden, aber auf sich gestellt kann sie nur verlieren. Es muss auch die Moral in den Institutionen und in den Regelwerken geben.

Prof. Dr. Schallenberg sagt:

„Es ist offenkundig, der Mensch braucht eine Ordnung seiner Freiheit, die mit Hilfe von Anreizen und Sanktionen dem Guten zum Durchbruch verhilft. Im Austausch und im Anreiz besteht die sittliche Qualität von Markt und Wettbewerb. Denn der Mensch, in seiner Individual- und Sozialnatur, bedarf des Austausches und der gegenseitigen Bereicherung. Damit dieser Austausch in friedlicher Form gelingt, muss es entsprechende Anreize menschlicher Motivation geben. Wir wissen: Sittlich gut handelt auf Dauer nur, wer gute und bereichernde Erfahrung mit dem Guten macht. Dem dienen der Wettbewerb und die ihm zugrundeliegende Ordnung. Der Appell an die individuelle Tugend reicht nicht aus, es bedarf geeigneter Anreize und Sanktionen. Das Gute braucht rationalen Anreiz und die Aussicht auf langfristigen Gewinn, so wird das handlungsweisende Interesse des Einzelnen geweckt und dies ist besonders wichtig in einer stark individualisierten Welt. Moral muss sich lohnen, dementsprechend sind moralische Regeln und ein wirtschafts-ethischer Datenkranz als Ordnungsgefüge zu gestalten“.

 
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Hermann Kroll-Schlüter

Hermann Kroll-Schlüter

Hermann Kroll-Schlüter schloss 1965 die landwirtschaftliche Meisterprüfung ab und übernahm 1970 den elterlichen Hof in Belecke in Nordrhein-Westfalen. Von 1969 bis 1975 war er Bürgermeister der Stadt Belecke und von 1975 bis 1989 Bürgermeister der Stadt Warstein. 18 Jahre (von 1972 bis 1990) gehörte Kroll-Schlüter als CDU-Abgeordneter dem Deutschen Bundestag an. Von 1991 bis 1998 amtierte er als Staatssekretär und Amtschef im Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten des Freistaates Sachsen. Hermann Kroll Schlüter ist Vorstandsmitglied des Ökosozialen Forum Europa und vielfältig ehrenamtlich tätig, zuletzt 1995 bis 2000 als Präsident der Internationalen Assoziation Ländlicher Katholischer Organisationen und von 2001 bis 2009 als Vorsitzender der Katholischen Landvolkbewegung Deutschland. Von 2001 bis 2017 hatte der den Vorsitz des Internationalen Ländlichen Entwicklungsdienstes inne.

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