Pauschale verhindert Ladestation

  • Alles ist vorhanden: Ein Kleinwasserkraftwerk produziert Ökostrom, die Leitungen sind nach Waidhofen an der Ybbs gelegt, und der Bürgermeister wünscht sich Ladestationen für E-Autos. Einzig und allein, die Rechnung geht für den Betreiber nicht auf, denn die Ökostrompauschale verhindert die Wirtschaftlichkeit.

Der Stadtbetrieb EGW Energiegesellschaft Waidhofen an der Ybbs GmbH betreibt ein Kleinwasserkraftwerk direkt in der Ortschaft. Der produzierte Ökostrom wird wie im Ökostromgesetz geregelt ins Netz eingespeist und damit gilt der Betrieb als Volleinspeiser. Will man Strom an Dritte verkaufen, sei es auch nur eine Kilowattstunde, gilt man per Gesetz als Überschusseinspeiser und hat die Ökostrompauschale zu bezahlen.

13.500 Euro pauschale
Diese Pauschale richtet sich nach der Netzebene und nicht nach der konkreten Strommenge. Ein Haushalt liegt auf der Netzebene 7 und zahlt jährlich rund 30 Euro Ökostrompauschale. Das Kleinwasserkraftwerk liegt aufgrund der hohen Einspeiseleistung auf Netzebene 5, ist allerdings als Volleinspeiser von der Pauschale befreit. Möchte man jedoch Strom direkt am Kraftwerk nutzen, etwa mit einer Ladestation, gilt man als Überschusseinspeiser. Dann müssten rund 13.500 Euro an Ökostrompauschale im Jahr bezahlt werden.

In Waidhofen an der Ybbs herrscht seit Jahren der Wunsch des Bürgermeisters, in der Stadt Ladestationen für E-Mobile zu errichten und den selbst produzierten Strom zu nutzen. Die Leitungen dafür wurden sogar größtenteils gelegt. „Mit einer Ökostrompauschale in dieser Höhe ist die Wirtschaftlichkeit für die Errichtung der Ladestationen einfach nicht gegeben“, erklärt der Geschäftsführer der EGW, Johannes Kühhas.
„Wenn man rechnet, dass wir jährlich mehr als 2.000 Vollladungen für E-Mobile benötigen würden, um nur die Kosten für die Ökostrompauschale zu decken, macht dies wirtschaftlich keinen Sinn. Der Bürgermeister kann kaum glauben, dass die Gesetzeslage ist, wie sie ist. Das Problem wäre gelöst, würde die Abgabe je kWh gerechnet und nicht mit einem hohen und unflexiblen Pauschalbetrag, der sinnvolle Projekte zunichte macht.“

 

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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

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