Leute, es gibt einen Energiewende Rechner!

  • Energiewenderechner

    Energiewende Rechner (c) akaryon

  • Stellen wir uns vor jeder Regionalmanager kann auf Knopfdruck die Energiestrategie für die Gemeinde berechnen? Was würde das bedeuten? Keine endlosen Diskussionen ob oder wie viel erneuerbare Energie in der Gemeinde im Vergleich zum Verbrauch verfügbar ist, sondern ganz klare Zahlen darüber was möglich ist und wie viel es kosten wird. Utopisch? Mitnichten! Ich habe eine alte Bekannte wiedergetroffen und in den 8 Jahren in denen wir uns nicht gesehen haben, hat sich einiges getan. Petra Busswald ist die Geschäftsführerin von akaryon und hat unter anderem den Energiewende Rechner entwickelt. Klingt spannend? Ist es auch.

Petra, hier am Blog ist es Tradition vorab etwas über den eigenen Werdegang zu erzählen. Wie bist du zu dem Thema gekommen? Was macht akaryon genau?

Nach Studien an der TU (Mathematik und Umweltschutz, so hieß das damals noch!) und Berufsjahren an der Universität und in der Privatwirtschaft habe ich gemeinsam mit einem Studienkollegen unser Unternehmen akaryon vor mittlerweile 20 Jahren (als Startups noch nicht Hype waren) mitbegründet.

Wir sind auf die Entwicklung von Web-Applikationen im Umwelt- und Energiekontext (und daher auch auf Projektentwicklung/Förderantragstellung) spezialisiert – und haben mittlerweile ein Stamm-Team von 10 Personen und eine ganze Reihe von Applikationen, die etwa CO2-Emissionen und Co berechnen, für KundInnen oder als eigene Produkte entwickelt.

Und wie kommt man auf einen Energiewende-Rechner?

Viele unserer Projekte entstehen in Kooperation, so auch der Energiewende-Rechner, der aus der Energieberatungs-Ecke kommt: Einige forschungsaffine Energieberater haben befunden, es braucht ein unterstützendes Tool, um Energiewende vor Ort – in Gemeinden, Städten oder größeren Regionen – aussagekräftig und mit vertretbarem Aufwand zu planen und umzusetzen.

Was kann das Tool und wer sollte es unbedingt nutzen?

Mit dem Tool können NutzerInnen aus Gemeinden, Städten, Regionen

  • den Ist-Energiebedarf für alle Sektoren auf Basis von nur 20 statistischen Daten rasch abschätzen (kommunal, Infrastruktur, Wohnen, Industrie, Gewerbe, Mobilität) und diese – sofern mehr eigene Daten zur Verfügung stehen – noch nachschärfen
  • die Potenziale erneuerbarer Energieträger vor Ort berechnen
  • Szenarien sowohl Energiebedarfs- als auch Aufbringungsseitig (welche erneuerbaren sind vor Ort am besten?) erstellen und vergleichen,
  • zusätzlich Speichertechnologien mitbetrachten und
  • die damit verbundene Treibhausgasreduktion berechnen.

Und das alles in Stundenauflösung (keine groben, unrealistischen Jahresabschätzungen) – denn Energiebedarf und Energieaufbringung sind jede Stunde des Jahres anders!

Mehr Informationen gibt es unter www.energiewenderechner.at.

Ich durfte bei unserem Treffen für das Interview einen kleinen Blick in das Tool machen und war vor allem von dem Photovoltaik-Potenzial Rechner begeistert. Kannst du uns kurz erzählen wie so ein Photovoltaik Check für die Gemeinde aussehen könnte, inkl einem Bild davon?

Wir berechnen auf Basis der im Tool integrierten Daten und weniger zusätzlicher Eingaben, welche Energieerträge PV-Flächen vor Ort produzieren können.

Wenn man konkrete geplante Flächen eingibt wird angezeigt, wie viel Prozent vom Potenzial damit genutzt werden und wann welche Strom-Mengen verfügbar sind.

Energiewende-Rechner (c) Petra Busswald

Sehr spannend! Ihr macht auch Nachhaltigkeitsberichte auf Knopfdruck, kannst du uns dazu auch kurz etwas erzählen wie es dazu gekommen ist und was das Tool kann?

Ja, das Umweltdaten-Tool kann für verschiedenste Unternehmens-/ bzw. Organisationsgrößen und Branchen die für Nachhaltigkeitsberichte bzw. die Messung der „Umweltperformance“ relevanten Indikatoren berechnen – z.B. CO2-Rucksäcke, ökologischer Fußabdruck etc.

Viele mühen sich dafür noch aufwändigst mit Excel herum – mit dem Tool wählt man einfach aus, welche Indikatoren man berechnen möchte, bekommt dynamisch zusammen gestellt, welche Daten man dafür erheben muss und der Rest passiert automatisch. Möchte man nach verschiedenen Nachhaltigkeitsreporting-Standards (z.B. EMAS, GRI, CDP, …) berichten, wird dies simultan unterstützt, ohne dass unnötig mehr Datenerfassung nötig ist.

Auch ein Reporting nach den Sustainable Development Goals wird unterstützt und in Zukunft auch die Gemeinwohlbilanzierung.

Das Umweltdaten-Tool ist neben dem Energiewenderechner unser zweites eigenes Flagship-Produkt – die ersten Schritte haben wir bereits 2012 begonnen, danach ist es immer weiter gediehen, seit 2017 entwickeln und betreiben wir es in Kooperation mit dem Umweltbundesamt.

Laut euren Erfahrungen, was sind die größten Probleme einer Gemeinde, die sich auf den Weg Richtung Energiewende machen möchte?

Dass es jemand braucht, die/der sich kümmert und kümmern kann, dass etwas passiert. Es ist bislang leider ein zu wenig verbreiteter Glücksfall, wenn Engagement und Ressourcen-Verfügbarkeit zusammenfallen.

Wir versuchen, mit unserem Energiewenderechner „RESYS“ den Aufwand zu reduzieren. Aber freilich, erneuerbare Energie-Anlagen kann man zwar auf Knopfdruck planen (was gut ist, weil detaillierte Überlegungen, Variantenvergleiche, … Sinn machen, bevor man investiert), aber für die Umsetzung sind weitere Schritte nötig!

Habt ihr auch eine Gesamtsimulation für Österreich gemacht? Wie einfach oder schwierig ist der Umbau unseres Energiesystems zu schaffen?

Ja auch daran arbeiten wir mit dem Tool: Es geht, und es geht auch mit bestehenden Technologien!

Als nächsten Schritt möchten wir hier die Gesamtsimulation und verfeinern – Operationalisierung auf Gemeinde- bzw. Regionsebene kann die Umsetzung dann operativ fördern.

Am Schluss immer die Frage an das Christkind: Was müsste in Österreich passieren, damit wirklich alle aufwachen und tatsächlich ein Umdenken stattfindet?

Verschiedenste Maßnahmen sind gut, besonders gut ist es, die Umsetzung auf AkteurInnen-Ebene zu fördern: Wenn EntscheidungsträgerInnen, die auch sonst genug um die Ohren haben, operativ und leistbar unterstützt werden, ist es eher möglich, das Thema anzupacken!

Vielen Dank für dieses spannende Interview und danke für deine Arbeit die Energiewende leichter umsetzbar zu machen. Ich bin ein Riesenfan von Effizienz und in dem Fall auch Effektivität!

 
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Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die Aktion Tausendundein Dach mit dem Ziel 1001 Unternehmensdächer bis 2020 zu solarisieren. In diesem Zusammenhang hält sie laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien und warum kein Weg an einer unternehmenseigenen Photovoltaikanlage vorbeiführt.

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