Ausschreibungen auf dem Prüfstand

  • In den vergangenen 30 Jahren der Unterstützung des Ökostromausbaus wurden Förderungen weltweit zum Großteil administrativ mit fixen Einspeisetarifen und/oder Investitionsförderungen festgelegt. Die EU-Kommission favorisiert mit den aktuell gültigen Leitlinien für Ökostromförderung die Vergabe von Förderungen mittels Ausschreibung. Die Leitlinien schreiben diese aber nicht verpflichtend vor.

So legt Deutschland die Förderung der Wasserkraft nach wie vor administrativ fest. Luxemburg hat bei der Windkraft ebenfalls auf Ausschreibungen verzichtet. Die EU-Kommission ist aber weiterhin der Meinung, dass durch Ausschreibungen mehr Wettbewerb bei der Ökostromförderung entsteht und dadurch der Ökostromausbau billiger wird. Eine Behauptung, die einer Analyse bedarf.

Die ersten Analysen aus der Praxis zeigen aber oftmals ein anderes Bild. So wurde vergangenes Jahr in Deutschland erstmals für die Biomasse-Branche die Fördermittelvergabe mittels Ausschreibungen durchgeführt. Vom ausgeschriebenen Volumen von 122 MW wurden lediglich 27,5 MW vergeben. Die restlichen 77,5 % der Förderung wurden gar nicht abgeholt.
Interessant sind auch die Ergebnisse in Südfrankreich. Dort wird die PV-Förderhöhe schon länger mittels Ausschreibungen festgelegt. Überraschenderweise fallen die Ergebnisse aber deutlich höher aus als jene administrativ festgelegten PV-Förderungen in Norddeutschland, obwohl die Sonnenstromerzeugung in Südfrankreich deutlich höhere Stromerträge mit sich bringt.
Auch bei der Windkraftförderung in Deutschland zeigt sich kein vorteilhaftes Bild für Vergabe mittels Ausschreibungen. Zwar sind die Förderhöhen in den Ausschreibungsrunden zunächst gefallen. Danach haben sie aber wieder zugenommen. Noch dazu stellt eine Studie zweier deutscher Institute fest, dass die Förderhöhe mit den alten, administrativ festgesetzten Förderhöhen ähnliche Kostenreduktionen gebracht hätte. Das Fraunhofer Institut für Energiesystemtechnik (IEE, ehemals IWES) und das Institut für ZukunftsEnergie- und Stoffstromsysteme (IZES) haben für diesen Vergleich die Förderdegression im alten System in Deutschland rechnerisch fortgeführt. Dabei sind die letzten Ausschreibungsergebnisse, die wieder höhere Förderkosten brachten, in dieser Analyse noch gar nicht betrachtet worden.

In Deutschland werden von Experten starke Bedenken formuliert, ob die Projekte, die den Zuschlag bekommen haben, auch tatsächlich umgesetzt werden. Das IZES hat in einer Präsentation beim letzten Windenergiesymposium in Wien von einem möglichen Einbruch des Windkraftausbaus in Deutschland aus den ersten drei Ausschreibungsrunden auf lediglich 130 MW prognostiziert. Zum Vergleich: Deutschland installierte in den vergangenen Jahren jährlich 5.000 MW Windkraftleistung.

Die Hoffnung, dass Ausschreibungen den administrativen Aufwand reduzieren würden, hat sich in der Praxis in Deutschland nicht erfüllt. Die Ausschreibungen sind gut ein Jahr im Einsatz, und das System musste vier Mal „adaptiert“ werden, wodurch die Ökostromgesetzdebatte als politisches Dauerthema geblieben ist.

Das IZES hat die Erfahrungen in acht Ländern (Argentinien, Brasilien, Deutschland, Großbritannien, Irland, Italien, Spanien und Südafrika) untersucht. In einem von acht Fällen (Südafrika) wurde die komplette ausgeschriebene Projektmenge tatsächlich realisiert. Festgestellt wurde auch, dass Ausschreibungen in mehreren Ländern eine Tendenz zur Marktkonzentration hin zu sehr großen, international tätigen Unternehmen bewirkten.

Aus den derzeitigen praktischen Erfahrungen über Ausschreibungen kann daher der Schluss gezogen werden, dass die Behauptung der zwingend höheren Wettbewerbsfähigkeit und Kostenreduktion nicht nachgewiesen werden kann. Das Ausschreibungssystem kann deshalb das Ziel 100 % Stromversorgung aus Erneuerbaren bis 2030 nicht garantieren.

siehe auch: EU-Einigung

 
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Antonio Fuljetic-Kristan

Antonio Fuljetic-Kristan

DI Antonio Fuljetic-Kristan ist seit 2010 Pressesprecher des Österreichischen Biomasse-Verbandes und Chefredakteur der Zeitschrift ökoenergie. Er studierte Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur Wien und hat sich im Rahmen postgradualer Lehrgänge ein Fachwissen in Öffentlichkeitsarbeit und Exportmanagement angeeignet. Mit seiner Gattin und dem fünfjährigen Sohn bestreitet er den Alltag und wandert am liebsten mit seinem Hund in seiner Heimat – dem Wienerwald.

One Comment

  1. Die Marktkonzentration zu sehr großen international tätigen Unternehmen ist klar, solange diese Unternehmen aber auch konkurrenzfähige Dienstleistungen anbieten.
    Ich denke, dass die Ausschreibungen, den Zweck haben, eines Monopols in der Elektroindustrie dagegenzuwirken und die Ökoenergie zu fördern. Jedoch sollte man sich immer hinterfragen und offen für alternative Wege sein. Daher kommt die Frage, was währe nun ein besserer Weg wenn der mangelhaft sich erwiesen hat bei der Umsetzung.

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