Korruption fördert Armut

  • Bei Korruption denken wir zunächst meist an sich bereichernde Despoten und weitgehend undemokratische Staaten. Doch Korruption ist auch hierzulande verbreitet: Sie beginnt bei mangelnder Transparenz und reicht bis zu strafbarer Vorteilsannahme. Die Folgen schwerwiegender Korruption sind vielschichtig: Zunächst beeinflusst jegliche Art korrupter Machenschaften die wirtschaftliche Entwicklung und kann außerdem zu ungerechten Verteilungseffekten des Wohlstandes führen.

Korruption ist nicht nur moralisch verwerflich, sie kostet durch die mit ihr verbundenen Ineffizienzen im Wirtschaftssystem auch jede Menge Geld. Leider ist die Bereitschaft zur Korruption weit verbreitet und kein regionales Phänomen: Korruption betrifft so­wohl reiche als auch arme Länder und Re­gionen. Auch ihre konkreten Erscheinungs­formen sind vielfältig. Korrupte Machen­schaften reichen von Bestechung, Unterschlagung, Veruntreuung und Ämter­patronage bis zur Günstlings- und Vettern­wirtschaft. Korruption findet vor allem dort einen günstigen Nährboden, wo Kontroll­mechanismen, die Transparenz staatlichen Handelns und Rechenschaftspflichten fehlen. Besonders gefährdete Branchen sind Infra­struktur, öffentliches und privates Beschaffungs­wesen sowie das Bau- und Gesundheitswesen. Die Rolle des nachhaltigen Investors ist es, Tatbestände zu analysieren, Lösungen aufzuzeigen und Emittenten oder Investments in Unternehmen mit klaren Verfehlungen zu vermeiden.

Korruption: Potenziell negative finanzielle Seite rückt in den Blickpunkt von Investoren

Auf Unternehmensebene wurde Korruption früher vor allem als Reputationsrisiko für die betroffenen Gesellschaften angesehen, doch mittler­weile steht, nicht zuletzt wegen verhängter Rekordstrafen gegen korrupte Unternehmen, auch die potenziell negative finanzielle Seite im Mittelpunkt der Be­trachtung. Das Thema Compliance spielt bei der Ver­meidung von Korruption eine wesentliche Rolle. Im Rahmen der Compliance-Regeln stellen Unternehmen regelmäßig umfangreiche Richtlinien zum Thema Korruption auf und überprüfen diese. Individuelle Korruption ist mitunter schwerer aufzudecken, aber viel einfacher zu bekämpfen als systematische Korruption. Systematische Korruption hingegen kann Unter­nehmen genauso wie politische Strukturen betreffen und den Eindruck entstehen lassen, dass Korruption als “gängige Praxis“ betrachtet wird.

Korruption hat System: Involvierung des Top-Managements

Die unterschiedlichen Dimensionen, in denen ein Unternehmen in das Thema Korruption verstrickt sein kann, beginnen bei Vorwürfen ohne gerichtliche Anklagen, über isolierte Fälle in einzelnen Unternehmensbereichen und reichen bis zur systematischen Korruption. Schwere Fälle von systematischer Korruption sind meist gekennzeichnet durch die Involvierung des Top-Managements. Weitere Indizien sind die Anhäufung von Verstößen und die Verwicklung von mehreren Geschäftsfeldern oder Ländern. Korruptions­skandale, auch solche der Vergangenheit, bedeuten für Unternehmen die Gefahr eines beträchtlichen Reputationsverlustes.

Gründliche Aufarbeitung als Chance zur Schaffung von Antikorruptionsstrukturen

Die unter­nehmensinterne Antwort auf aufgedeckte Skandale sollte eine möglichst schnelle und gründliche Aufarbeitung sein. Es gibt viele Beispiele aus der Vergangenheit, die zeigen, dass Skandale die Bereit­schaft und bedingungslose Unterstützung zur Schaffung von geeigneten Anti­korruptionsstrukturen verstärkt haben. Vorstand, Aufsichtsrat und Aktionäre sollten prinzipiell ein System bilden, das Transparenz und Überwachung auf Unter­nehmensebene sicherstellt, und Hauptversammlungen bieten die Möglichkeit, korrupte Strukturen abzuwählen. Unternehmen stehen unter Druck, geeignete Performance zu zeigen und Gewinne zu erwirtschaften. Sie können sich Korruption – auch auf Basis verschärfter Transparenzbestimmungen – auf Dauer gar nicht leisten.

Korruption als „notwendiger“ Türöffner – Unternehmen ziehen sich zunehmend zurück

Manchmal scheint es für Unternehmen un­erlässlich, in bestimmten Regionen oder Staaten ein gewisses Maß an Korruption zu akzeptieren und zu praktizieren, um überhaupt Ge­schäfte machen zu können. Allerdings wird bei internationalen Ausschreibungen das Vermeiden von Korruption ein zunehmend bedeutenderes Thema. Dabei erscheint die Vermeidung von Korruption in einigen Schwellen­ländern nicht immer einfach. Dies gilt vor allem für Projekte mit einer Vielzahl an Bietern und keinen speziellen Technologieerfordernissen. Ein Sektor mit hohen Korruptionsrisiken ist beispielsweise der Großanlagenbau. Tat­sächlich haben einige international tätige Konzerne die Arbeit in Ländern mit hoher Korruption inzwischen ein­gestellt.

Internationale Initiativen zur Bekämpfung von Korruption

Zu den bekanntesten internationalen Initiativen zur Bekämpfung von Korruption zählen die OECD-Anti-Korruptions-Konvention aus dem Jahr 1999 und die UN-Konvention gegen Korruption aus dem Jahr 2005. Auf regionaler Ebene sind der UK Bribery Act von 2010 und der US Foreign Corrupt Practices ACT, ein Gesetz, das bereits 1977 erlassen wurde, zu erwähnen. Weitere Initiativen zur Bekämpfung von Korruption umfassen spezifische Branchenvereinigungen wie das Global Infrastructure Anti-Corruption Centre, die Extractive Industries Transparency Initiative oder das Water Integrity Network. Anderer­seits sind viele internationale Initiativen, Organisationen oder NGOs bemüht, den Kampf gegen Korruption zu unterstützen.

Korruption ein wesentliches Thema für Investoren und börsennotierte Unternehmen

Für Raiffeisen Capital Management ist die Vermeidung von Korruption ein wesentliches Thema. Auf Länder- wie auch auf Unternehmensebene werden eine Vielzahl von Emittenten oder Unter­nehmen von jeglichem Investment in Nachhaltigkeitsfonds ausgeschlossen. Auf Unternehmensebene sind die Branchen Infrastruktur, Bauwesen und Pharma besonders betroffen. Länder mit einem Korruptionswahrnehmungsindex (Transparency International) von unter 40 sind nicht investierbar. Transparenz gewinnt an den Börsen generell an Bedeutung. Auch der Gesetzgeber fordert von den Unternehmen die Veröffentlichung eines immer umfangreicheren Sets an Informationen, die rein über finanzielle Dimension hinausgehen. Generell weisen börsennotierte Gesellschaften einen hohen Grad an Trans­parenz auf. Um Korruption so gut wie möglich zu vermeiden, starten Unternehmen bei der Einführung von Antikorruptionsmaßnahmen meist mit einer Risikoanalyse. Neben einer Antikorruptionsstrategie werden einerseits Maßnahmen zur Prävention und andererseits Maßnahmen zur Reaktion auf Korruptionstatbestände gesetzt.

Unternehmen gefährdeter Branchen auf dem Prüfstand

Das Nachhaltig­keitsteam von Raiffeisen Capital Management wollte im Rahmen eines Engagement-Prozesses von den bedeutendsten Unter­nehmen der drei genannten Branchen wie beispielsweise Merck KGaA, Novartis, Frapor und Roche u.a. wissen, ob sich das Umfeld für Korruption in den letzten Jahren spürbar verändert hat. Welche Entwicklungen in regulatorischen oder anderen Bereichen diese Ver­änderungen wesentlich beeinflusst haben. Welche Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung von den Unter­nehmen in den vergangenen Jahren ge­setzt wurden und mithilfe welcher internen Regelungen das Unternehmen versucht, Korruption zu ver­hindern. Die Antworten zeigen, dass der Tatbestand der Korruption bei den befragten Unternehmen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen ist. Die meisten Unternehmen sehen Korruption sowohl als finanzielles als auch als Reputationsrisiko. Als Grund für den Rückgang wird insbesondere eine strengere Gesetzgebung, vor allem auch in den sich entwickelnden Volkswirtschaften, genannt.

Zum Teil wurden seitens der Unternehmen eigene „Values & Behaviors“-Regime eingeführt. Andere wiederum haben einen Chief Ethics & Compliance Officer etabliert. Viele sehen in Trainings­programmen für alle Mitarbeiter ein weiteres wichtiges Tool. Elektronische Whistleblower-Systeme, Ombudsstellen sind weitere Instrumente, mit denen gegen einschlägige Verstöße vorgegangen wird. Den gesamten Nachhaltigkeitsletter Korruption finden Sie auch unter: https://www.rcm.at/nachhaltigkeit

Die veröffentlichten Prospekte sowie die Kundeninformationsdokumente (Wesentliche Anlegerinformationen) der Fonds der Raiffeisen KAG stehen unter www.rcm.at in deutscher Sprache zur Verfügung.

Dies ist eine Marketingmitteilung der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H.

 
About the Author

Wolfgang Pinner

Wolfgang Pinner

Mag. Wolfgang Pinner, MBA hat in Wien und Nottingham studiert und sich seit dem Jahr 2001 auf das Thema Nachhaltiges Investment spezialisiert. Er hat zum genannten Thema bisher drei Bücher veröffentlicht und ist an verschiedenen Universitäten und Fachhochschulen als Lektor tätig. Seit November 2013 ist er Leiter des Teams für Nachhaltiges Investment bei Raiffeisen Capital Management. Seine Verantwortungsbereiche gehen dabei sowohl in Richtung Nachhaltigkeitskonzepte für Fonds als auch in Richtung des täglichen Managements von Investmentfonds. Privat ist er einerseits sportlich als Triathlet unterwegs oder widmet sich seiner Kakteenzucht.

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