Wettermann Marcus Wadsak über heiße Monate und Verantwortung beim Klimawandel

  • Wir alle kennen Marcus Wadsak als Wettermann im ORF und auf Ö3, aber auch auf Twitter ist er sehr aktiv und erheitert die Twitteria mit amüsanten und vor allem interessanten Tweets. Der Boulevard kommt dabei oft nicht so gut weg und auch in Sachen Klimawandel hat er einiges zu sagen. Deshalb habe ich Ihn zum Interview mit uns gebeten und zum Thema heisser April und Klimawandel befragt.

 

Wie wird man eigentlich Wettermann? Das wollte ich immer schon mal wissen.

 

Der Weg zum Wettermann bzw. Wetterfrau kann sehr unterschiedlich verlaufen. Ich habe damals in Wien Meteorologie studiert, war gerade mit meiner Diplomarbeit (über Gewitter im Osten Österreichs) beschäftig, als der ORF anrief. Das Radio-Wetter war auf der Suche nach einem Meteorologen, der ein paar Tage im Monat aushelfen könnte. Ich dachte, dass dies neben der Diplomarbeit perfekt wäre um an guter Stelle die Praxis der Wettervorhersage kennenzulernen. Nach bereits 2 Monaten wurde  daraus ein Fulltime-Job und heute bin ich bereits mehr als 20 Jahre im Unternehmen, kam vom Radio zum Fernsehen und schließlich zur Leitung des ORF-Wetters.

 

Ich verfolge deine Tweets schon seit langem und dabei ist mir vor allem ein Thema ins Auge gestochen. Du behandelst auch immer wieder das Thema Klimawandel und bist Mitglied bei „Climate without borders“. Kannst du uns kurz erklären was es damit auf sich hat und welche Rolle du dabei hast?

 

Ich denke man kann sich nicht für das Wetter interessieren, wenn man das Klima nicht mitbetrachtet. Denn aus dem Wetter über viele Jahre entsteht ja das Klima. Also für mich sind beide Bereiche interessant und wichtig. Und wer sich mit dem Klima auseinandersetzt kommt am Thema Klimawandel nicht vorbei. Seit vielen Jahren bin ich dazu auch mit Kollegen aus ganz Europa im Austausch über neue Entwicklungen, Erkenntnisse oder auch Aktionen. 2017 haben wir daraus dann auch ganz offiziell eine internationale Plattform gegründet, die diesen Gedanken- und Erfahrungsaustausch forcieren soll. Und es funktioniert.

 

Wie kann es sein, dass bei so viel Evidenz Politiker in der Öffentlichkeit noch immer damit davonkommen, den menschengemachten Klimawandel zu leugnen? Wie siehst du deine Rolle bei der Aufklärung als „Person von öffentlichem Interesse“?.

 

In einer Tagung letztens wurde der Konsens zum Klimawandel unter den Wissenschaftlern mit jenem über den Zusammenhang von Rauchen und Krebs verglichen. Und sagen wir es mal vorsichtig, in beiden Bereichen geht die Politik derzeit sehr vorsichtig vor. Der Klimawandel aber, da bin ich mir sicher, wird uns noch in diesem Jahrhundert vor extreme Herausforderungen stellen und ein rasches Handeln über alle Grenzen hinweg ist dringend nötig. Viele Maßnahmen sind aber leider unpopulär und die letzten Zweifler noch immer sehr laut. Als Wetter-Präsentator im öffentlich rechtlichen Rundfunk sehe ich es als meine Pflicht aktuelle Wetterphänomene auch im Kontext mit den Veränderungen im Klima darzustellen und zu erklären. Oder anders gesagt, wir müssen die wissenschaftlichen Erkenntnisse und Fakten über die globale Erwärmung für unsere SeherInnen verständlich machen und übersetzen.

 

Auf Climate Without Borders ist unter anderem zu lesen:

„Weather presenters are a key source of information for the public about the weather, enjoying high levels of trust among large audiences. So they could play a valuable role educating the public about climate change, including its links with weather. I am pleased to support this venture and involve the IPCC in this valuable work.“

Wie bringst du solche Informationen aktiv in den Wetterbericht mit ein, bzw. ist das auch vom ORF gewünscht und zugelassen?

 

Der ORF ist als öffentlich rechtlicher Sender sehr gefordert dieses Thema immer wieder zu behandeln, da es ja auch uns alle betrifft und noch viel mehr betreffen wird. Immer wieder gibt es Schwerpunkte (etwa: 2° sind mehr, als du denkst) oder alljährlich wieder den Klimaschutzpreis.  Auch beim täglichen Wetter nach der ZiB versuchen wir darzustellen wie ungewöhnlich und teilweise auch noch nie dagewesen manche Wettererscheinungen sind.

 

Wir erleben gerade gefühlt den heißesten April seit Anbeginn der Aufzeichnungen nach dem kältesten März seit Anbeginn der Aufzeichnungen. So kommt es einem jedenfalls vor.  1. Ist das richtig? 2. Beunruhigt dich so etwas? Bzw. sollte es uns beunruhigen?

 

Der März ist vielen wohl auch deswegen aufgefallen, weil es nach ewigen Zeiten ‚zu warmer‘ Monate endlich wieder einmal ein Monat gab, das unter dem langjährigem Durchschnitt gelegen ist. Der April 2018 ist sehr ungewöhnlich und wird fix unter den Top 3 aller wärmsten Aprile liegen.  Diese Tatsachen beunruhigen mich nicht. Einzeln betrachtet darf das auch alles so sein. Denken wir nur daran, gerade weil der April heuer so extrem warm ist, dass es vor einem Jahr um die Zeit selbst in Wien noch Schnee gab, und später Frost um diese Jahreszeit Millionenschäden in der Landwirtschaft anrichtete. Wichtiger ist es sich die langfristigen Trends anzuschauen, und die sprechen für Österreich und auch weltweit eine deutliche Sprache. Es wird wärmer, mit allen unbequemen Begleiterscheinungen. Darüber sollen wir uns Sorgen und noch viel mehr Gedanken machen. Darüber müssen wir uns endlich alle klar werden. Daran sollten wir arbeiten. Wir können etwas tun, wir können etwas verändern.

 

Beschäftigst du dich in dieser Funktion bei CWO auch mit Energiepolitik? Wie siehst du die aktuelle Klimastrategie?

 

Ja, ich beschäftige mich auch mit der Energiepolitik. Und ich bin dabei auch sehr froh im Burgenland wohnen zu dürfen, in einem Bundesland, das es geschafft hat stromautark zu werden. Die Energiegewinnung und der Energieverbrauch sind zentrale Punkte in allen Diskussionen zum Klimawandel.  Bei der aktuellen Klimastrategie warte ich derzeit noch auf mehr Informationen und Details um sie bewerten zu können.

 

Zum Abschluss hast du dir eine Frage gewünscht, die noch nie gefragt wurde. Hmm, schwierige Aufgabe… Optimist oder Pessimist? Wie siehst du unsere Wetter/Klimazukunft? Schaffen wir den Turnaround?

 

Ich bin grundsätzlich Optimist und ich sehe bereits viel Bewusstsein und auch Aktion im Kampf gegen die globale Erwärmung. Das beginnt in der eigenen Familie und geht weit über alle Grenzen. Einen Turnaround werden wir nicht mehr schaffen. Egal was wir auch unternehmen, bis zum Ende des Jahrhunderts wird es wärmer. Die Frage ist nur um wieviel. Und genau das haben wir in der Hand. Letztendlich jeder von uns.

Bild: (c) ORF

 
About the Author

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel

Cornelia Daniel ist österreichische Solarunternehmerin und passionierte Energiebloggerin. Nach dem Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien widmete sie sich als eine der wenigen Wirtschaftsabsolventen bereits im Jahr 2008 dem Thema Solarenergie. 2011 gründete sie die Solarberatung Dachgold mit Fokus auf die Beratung von Unternehmen welche in Photovoltaik oder Solarthermie investieren möchten. Ihr Spezialgebiet ist die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energieträger und in diesem Gebiet vor allem das Thema Gestehungskosten in all seinen Ausprägungen. Seit 2012 ist sie Chefredakteurin des von der Ritter Gruppe initiierten Solarthermieblogs Ecoquent-Positions und Mitbegründerin des größten deutschsprachigen Energiebloggerzusammenschlusses www.energieblogger.net. 2014 initiierte sie gemeinsam mit dem Anlagenbauer 10hoch4 die größte Einkaufsgemeinschaft für Unternehmen www.tausendundeindach.at und hält laufend Vorträge über die Kosten und Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

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