Wann ist ‚Erneuerbar‘ auch ‚Nachhaltig‘?

  • Die Ziele sind gesteckt, Visionen gezeichnet – mit dem Pariser Klimaschutzabkommen ist klar wohin die Reise geht. Erstmals hat sich der Großteil der Menschheit auf etwas geeinigt, nämlich auf den Schutz unseres Lebensraumes und damit den Versuch, das 2°C Ziel zu erreichen. Dafür braucht es vor allem eines: eine massive Dekarbonisierung unserer Gesellschaft. Dies soll mithilfe erneuerbarer Technologien geschehen.

Das Klimaabkommen ist aber nicht das einzige Ziel, das gesetzt wurde. Kurz vor dem Beschluss des Klimaabkommens in Paris stellte die UN ihre Sustainable Development Goals vor, die als Kompass dienen und den Weg in eine bessere, gerechtere Zukunft zeigen sollen. Doch sind diese zwei Zielvorgaben wirklich so gut kombinierbar wie allgemein angenommen?

Keine Frage, es gibt zweifellos viele Gemeinsamkeiten. Das 13. SDG Ziel lautet beispielsweise ‚Maßnahmen zum Klimaschutz‘ und hält zu einem ‚umgehenden Ergreifen von Maßnahmen zur Bekämpfung   des Klimawandels‘ an. Doch gerade wenn es um die nötigen Ressourcen geht, welche für die Energiewende benötigt werden, treten Probleme auf.

Photovoltaikanlagen sind hierfür ein gutes Beispiel. Im Jahr 2016 gab es eine weltweite installierte Leistung von 300 GWpeak. Um die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen zu können, bräuchte es laut Greenpeace1 eine installierte Leistung von über 9000 GWpeak. Um diesen Ausbau zu schaffen, müssten gemäß einer Studie von Davidsson und Höök² jährlich 130% des jährlich abgebauten Indiums und 70% des derzeit abgebauten Galliums für die Produktion von Solarmodulen genutzt werden, das Element Tellurium zeigt hier besonders eindrucksvoll die aberwitzigen Größenordnungen auf: Man bräuchte für den geplanten Ausbau von Photovoltaik das bis zu 30fache der derzeit bekannten Reserven des Materials. Hier stellt sich die Frage, wie dies nachhaltig geschehen soll.

Nachhaltig im Sinne der Dekarbonisierung. Denn Gallium wird heutzutage beispielsweise bei der Herstellung von Aluminium gewonnen, Indium wird als Beiprodukt des Zink-, Zinn- oder Bleiabbaus gewonnen. Der Abbau dieser Rohstoffe ist sicher nicht für seine Umweltfreundlichkeit bekannt und oft ist ein umweltschonender Abbau auch einfach nicht möglich. Auch der gesonderte Abbau der benötigten seltenen Metalle wird auch für die vorhersehbare Zeit nicht rentabel genug sein, um so vielleicht umweltverträglicher vorgehen zu können³.

Nachhaltig im Sinne der Sustainable Development Goals. Diese beziehen auch gesellschaftliche Zielsetzungen mit ein, so soll in Zukunft im globalen Rahmen Arbeit menschenwürdiger und Ungleichheiten geringer werden. Aber gerade die Rohstoffgewinnung ist ein blutiges Geschäft, eine zukünftige Verschärfung der Situation aufgrund verknappender Ressourcen für erneuerbare Energietechnologien wird die Lage wohl nicht entspannen.

Die Forschung an effizienteren Energietechnologien wird heute so stark forciert wie nie zuvor, doch vielleicht liegt hier gerade das Problem. Das deklarierte Ziel ist dabei größtenteils eine Effizienz- und Leistungssteigerung.

Was, wenn wir in Wahrheit keine effizienteren Solaranlagen oder Windräder brauchen?

Vielleicht sollten wir eher versuchen die Energiewende mithilfe von Rohstoffen zu schaffen, deren Nutzung mit der nachhaltigen Idee vereinbar ist, hierfür gibt es auch schon positiv zu nennende Beispiele wie die Bemühungen in der Entwicklung von funktionellen organischen Solarzellen4. Wäre es möglich den Großteil der Forschung danach auszurichten, mit möglichst schonend hergestellten Materialen zu arbeiten?  Eine Überlegung wäre es wert.

 

  1. Greenpeace, 2015. Energy Revolution: A Sustainable World Energy Outlook 2015. Greenpeace International, Global Wind Energy Council, Solar PowerEurope.
  2. Davidsson, S. ,Höök, M., 2017. Material requirements and availability for multi-terawatt deployment of photovoltaics. Department of Earth Sciences, Uppsala University, Sweden.
  3. Jamka, C., 2099. Indium: Lohnt sich der Abbau im Erzgebirge?. Hamburger Abendblatt.
  4. Liu, X., Chen, H., & Tan, S. (2015). Overview of high-efficiency organic photovoltaic materials and devices, 52, 1527–1538. Link
 

One Comment

  1. Sehr interessant und gut recherchiert. Vor allem im Bezug zur Photovoltaik wird kaum Angesprochenes mit Expertise aufgezeigt.
    Wirklich gut gemacht!

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