Klimawandel: Risiko von Wetterextremen und Naturgefahren steigt

  • Messdaten belegen, dass sich das Klima der Erde seit Jahrzehnten erwärmt. In Österreich, das von diesem Temperaturanstieg stärker betroffen ist als im globalen Mittel, ist die Durchschnittstemperatur seit dem Beginn der Industrialisierung bereits um rund 2 °C gestiegen. Dominierende Ursache dafür ist die exzessive Freisetzung von klimaschädlichen Treibhausgasen, v.a. CO2, durch menschliche Aktivitäten.

Die Folgen sind längst merkbar: Lokale Starkniederschläge sind intensiver, in Gebirgsregionen kommen Rutschungen, Muren, Steinschlag und andere gravitative Massenbewegungen häufiger vor. In den letzten 40 Jahren haben beispielsweise die Hochwässer in Österreich nördlich des Alpenhauptkammes signifikant zugenommen. Eine der schwersten Naturkatastrophen Europas der letzten 100 Jahre mit vielen Todesopfern war die Hitzewelle 2003, die auch Österreich erfasste. Im Vergleich zu 1960-1990 haben sich die Tage mit Temperaturen über 30 °C etwa verdoppelt und werden sich in Zukunft weiter häufen. Zusätzlich ist durch die trockenen Witterungsbedingungen im Sommer häufiger mit teilweise schweren Waldbränden zu rechnen. Ein Blick auf die Auswertungen der MunichRe – einem der weltweit größten Rückversicherer – bestätigt diesen Trend. Die Zahl der klima- und wetterbedingten Katastrophen hat in Österreich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen.

Naturgefahren sind ein Sicherheitsrisiko und verursachen ökonomische Schäden an Infrastruktur und Gebäuden sowie in der Land- und Forstwirtschaft. Durch die Alpen ist der Dauersiedlungsraum in Österreich begrenzt. So stehen 14 % der Gebäude in Österreich in Gebieten, die von Naturgefahren potentiell betroffen sein können. Verschärft wird diese Situation durch den hohen Bodenverbrauch: Daten des Umweltbundesamts zeigen, dass in den Jahren 2014-2016 pro Tag durchschnittlich 14,7 Hektar an Boden verbaut und davon nahezu die Hälfte versiegelt wurden. Durch das Verbauen von wertvollem Acker- und Grünland für Siedlungs- oder Gewerbezwecke steigt auch die Zahl der Gebäude, die durch Überschwemmungen und andere Naturgefahren gefährdet sind, und in weiterer Folge die potenzielle Schadenshöhe. Gleichzeitig gehen Flächen verloren, die als Rückhalteflächen bei Hochwasser dienen und weitere puffernde Schutzfunktionen übernehmen können.

Die wetter- und klimabedingten Schäden in Österreich belaufen sich bereits heute auf jährlich rund 1 Mrd. Euro. Durch den klimawandelbedingten Temperaturanstieg können sich die Gesamtschäden bis 2050 auf ca. 5 – 8,8 Mrd. Euro pro Jahr erhöhen. Die Folgen treffen alle Wirtschaftsbereiche, besonders die Forst- und Landwirtschaft, die u.a. mit Ernteausfällen und instabileren Waldbeständen durch Trockenheit und vermehrten Borkenkäferbefall rechnen müssen. Aber auch der Tourismus, die Energiewirtschaft sowie Verkehrsinfrastrukturanlagen und Gebäude sind betroffen.

Im kürzlich erschienen Global Risk Report des World Economic Forum haben ExpertInnen den Klimawandel als eine der größten Risiken weltweit eingeschätzt. Um die Folgen des Klimawandels zu reduzieren, ist der Klimaschutz, also die Verminderung des Ausstoßes von Treibhausgasen wie CO2, unerlässlich. Dazu zählen die thermische Sanierung von Gebäuden, der Umstieg auf Erneuerbare Energieträger beim Heizen, fürs Warmwasser oder auch der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel. Unterschiedliche Bereiche wie etwa die Land- und Forstwirtschaft, Gesundheit oder Infrastruktur sind zusätzlich gefordert, mit den Veränderungen umzugehen und sich an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Für eine sichere und lebenswerte Zukunft müssen beide Strategien, verstärkt vorangetrieben werden.

Klimawandelanpassung und Naturgefahrenmanagement sind eng miteinander verbunden. Die Naturgefahrenprävention und der Umgang mit Naturgefahren hat in Österreich eine lange Tradition, in die eine Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren sowie Institutionen von Bund, Ländern und Gemeinden eingebunden sind, darunter auch seit vielen Jahren das Umweltbundesamt. So hat sich zum Beispiel die Stadtgemeinde Lienz intensiv mit den Folgen der Klimaerwärmung auseinander gesetzt: Eine neue Löschwasserleitung, um die Versorgungssicherheit bei Großbrandereignissen zu erhöhen, sowie ein Notfallheizwerk als Ausfallreserve sind bereits umgesetzt. Im Zuge weiterer geplanter Schritte gilt es auch, das Bewusstsein über die zusätzlichen Risiken durch die Klimaerwärmung in der Bevölkerung zu steigern. Diese und weitere Schritte dienen der Inspiration für andere Gemeinden, sodass auch sie unter geänderten Klimabedingungen ihre hohe Lebensqualität behalten.

 

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